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Umfrage der Technischen Hochschule Köln

Ausbildungsbetriebe deutlich beliebter als Berufsschulen

27. Oktober 2016 | 12:00 | red
Die Zentrale der Technischen Hochschule in der Kölner Südstadt.  Bild: Archiv Köln Nachrichten

Die Zentrale der Technischen Hochschule in der Kölner Südstadt. Bild: Archiv Köln Nachrichten

Einer aktuellen Umfrage der Technischen Hochschule Köln (TH Köln) zufolge haben die Berufsschulen in Deutschland offenbar Nachholbedarf. So sehen es zumindest die befragten Auszubildenden im Dualen System.

Demnach hatte das Schmalenbach-Institut der TH-Fakultät für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften 1348 Azubis im Azubi-Alter von 18 bis 23 Jahren wurden zu ihrer Zufriedenheit mit der Ausbildung insgesamt befragt. Die Interviewer unterschieden dabei zwischen der Situation im Ausbildungsbetrieb sowie der in den Berufsschulen.

Das Fazit der Studienautoren liest sich eindeutig. Die Mehrheit der Auszubildenden in Deutschland ist zufrieden bis sehr zufrieden mit ihrer betrieblichen Berufsausbildung. Weniger gut schneiden dagegen die Berufsschulen ab. Nicht einmal die Hälfte der Auszubildenden ist mit dem dortigen Unterricht zufrieden. Sie bemängeln vor allem die fehlende Abstimmung der Unterrichtsinhalte mit der Tätigkeit im Unternehmen und den Prüfungsanforderungen.

Gute Betreuung und hohes Niveau, unzufriedener mit der Bezahlung

Knapp drei Viertel der Befragten (73 Prozent) zeigten sich zufrieden bis sehr zufrieden mit der betrieblichen Ausbildung. Die Atmosphäre der Auszubildenden untereinander und der Praxisbezug werden dabei besonders positiv bewertet. Sogar noch mehr (76 Prozent) sind der Meinung, dass das Unternehmen ein hohes praktisches Qualifikationsniveau sicherstellt. Auch die Erreichbarkeit der Ausbildungsleiter, die persönliche Betreuung und die Ausstattung des Arbeitsplatzes werden gut bewertet. Die Zufriedenheit sinkt jedoch markant mit der Länge der Ausbildung: Von den Azubis im ersten Ausbildungsjahr sind 79 Prozent zufrieden, im dritten nur noch 65 Prozent.

Verbesserungsbedarf sehen viele Auszubildende vor allem bei der Vergütung. Hier sind nur 55 Prozent zufrieden, aber 20 Prozent ausdrücklich unzufrieden. Dabei fällt die monetäre Zufriedenheit in Industrieunternehmen mit 80 Prozent deutlich höher aus als in den anderen Branchen. Auch in Konzernen sind Auszubildende mit ihrer Vergütung zufriedener (70 Prozent) als in kleinen Unternehmen (39 Prozent). „Das ist nicht überraschend aufgrund der höheren Verbreitung tarifvertraglich geregelter Ausbildungsvergütungen in diesen Unternehmen“, kommentierte Christian Ernst, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Berufsbildung und Personalführung, das Ergebnis.

Ziel der quantitativen Befragung war die Erfassung der Auszubildendenzufriedenheit im dualen System der Berufsausbildung. Im Mittelpunkt der Analyse stand dabei der Vergleich der Lernorte Betrieb und Berufsschule.

Von den 1348 Auszubildenden waren 46 Prozent der Befragten sind weiblich, 54 Prozent männlich. Der Großteil (81,1 Prozent) waren zum Zeitpunkt der Analyse zwischen 18 und 23 Jahre alt. 35 Prozent befanden sich im ersten, 37 Prozent im zweiten und 27 Prozent im dritten Ausbildungsjahr. Mit 48 Prozent arbeitet die Mehrheit der Befragten im Handel, 26 Prozent in der Industrie bzw. dem produzierenden Gewerbe und neun Prozent in Dienstleistungsunternehmen. 26 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden in Kleinunternehmen mit bis zu 50 Angestellten ausgebildet. Neun Prozent in Konzernen mit über 10.000 Angestellten, so die Methodik der Datenerhebung.

Berufsschulen: Schlechte Abstimmung der Lehrinhalte und mangelnde Motivation

Im Vergleich zur guten Qualität der Berufsbildung im Betrieb schneiden die Berufsschulen in der Wahrnehmung der Auszubildenden deutlich schlechter ab. Wirklich zufrieden sind lediglich 44 Prozent, 16 Prozent dagegen unzufrieden oder sogar sehr unzufrieden. Bemängelt werden vor allem die fehlende Abstimmung der Unterrichtsinhalte mit der Tätigkeit im Unternehmen und den Prüfungsanforderungen. Damit sind nur 42 Prozent zufrieden. Besonders die Auszubildenden in den Dienstleistungsunternehmen sind hier skeptisch. Neben fehlender Aktualität des Lernstoffes war auch die mangelnde Motivation der Lehrerinnen und Lehrer ein vielzitierter Kritikpunkt. Bei der Beurteilung des Fachwissens beim Lehrpersonal gab es etwas bessere Noten

Die fehlende Abstimmung der Unterrichtsinhalte zwischen den beiden Lernorten ist ein altbekanntes Problem, dass diese Analyse noch einmal bestätigt“, so Ernst weiter. Die kritisierte Motivation der Lehrerinnen und Lehrer, und damit die Art des Unterrichts, liegen aus seiner Sicht an strukturellen Versäumnissen der Lehrerausbildung und vor allem am schulischen Personalmanagement.

Wenn man dem Aderlass der Lehre nicht weiter Vorschub leisten will, müssen Berufsschulen und Unternehmen näher zusammenrücken“, so der Rat des Wissenschaftlers. So könnten obligatorische Hospitationen der BerufsschullehrerInnen in den Betrieben eingeführt und AusbilderInnen vermehrt im Unterricht eingesetzt werden. Außerdem würden die Lehrkräfte gerade in schwierigen Berufsschulklassen pädagogisch zu sehr allein gelassen. Ernst empfiehlt eine Betreuung durch lernfeldorientierte Coaches, um den Unterricht didaktisch und methodisch weiterzuentwickeln. Eine Reduzierung auf acht Wochenstunden sollte ebenfalls kein Tabu sein, so die abschließende Forderung des TH-Professors.

Den Abschlussbericht der Studie „Auszubildendenzufriedenheit“ finden sie auch als pdf-Download unter: https://www.th-koeln.de/mam/downloads/deutsch/hochschule/aktuell/pm/2016/abschlussbericht_ausbildungszufriedenheit_2016.pdf.

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