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Technische Hochschule Köln

Acht Rathauspropheten unter die Lupe genommen

5. April 2016 | 08:30 | red
Die acht Rathauspropheten stehen auf der Empore der Cäcilienkirche. Nun hat eine TH-Absolventin die Figuren genauer unter die Lupe genommen.  Bild: TH Köln/Heike Fischer

Die acht Rathauspropheten stehen auf der Empore der Cäcilienkirche. Nun hat eine TH-Absolventin die Figuren genauer unter die Lupe genommen. Bild: TH Köln/Heike Fischer

Sarah Grimberg ist Absolventin des FH-Studiengangs Restaurierung und Konservierung von Kunst- und Kulturgut an der Technischen Hochschule Köln (TH Köln). In ihrer Abschlussarbeit untersuchte sie acht Rathauspropheten, die um 1440 angefertigt wurden.

Die Exponate selbst befinden sich als Dauerleihgabe im Bestand des Mittelalter-Museums Schnütgen an der Cäcilienstraße, genauer auf der Westempore der Cäcilienkirche. Trotz ihres hohen Alters sind die Rathauspropheten wahrscheinlich deutlich jünger als bisher angenommen. Sie sollen um das Jahr 1440 erschaffen worden.

Durch ihre kunsttechnologischen Untersuchungen können zudem erstmals Rückschlüsse zum Herstellungsprozess, zu den unterschiedlichen Farbgestaltungen über die Jahrhunderte und zur ursprünglichen Aufstellung der Figuren im historischen Kölner Rathaus gezogen werden, hieß es dazu weiter.

Vor zwei Jahren wurden an sechs Prophetenskulpturen erstmals eine dendrochronologische Untersuchung vorgenommen, bei der das Fällungsjahr des Holzes durch die Analyse der Jahrringe bestimmt wird. Auf dieser Basis konnte ich die frühestmögliche Entstehungszeit für die gesamte Skulpturengruppe ermitteln. Demnach sind die Propheten um 1440 entstanden. Die kunsthistorische Forschung war bislang davon ausgegangen, dass die Figuren zu Beginn des 15. Jahrhunderts geschaffen wurden“, betonte Grimberg.

Auch wenn sich durch die Analysen von Grimberg die Entstehungszeit um gut 30 Jahre verschiebt, gibt es einen klaren Bezug der Figuren zum sogenannten Verbundbrief. Dieses 1396 beschlossene verfassungsgebende Dokument änderte die Machtverhältnisse in der Stadt Köln. Aufgrund der neuen Datierung können die Propheten in Beziehung zu den Statuten von 1437 gesetzt werden, die den Verbundbrief erweiterten und dadurch die politische Ordnung stabilisieren sollten. Ihre Entstehung ist damit als „retrospektiv“ zu betrachten.

Weitere Untersuchungsergebnisse

Alle Skulpturen wurden aus massiven Eichenstämmen geschnitzt, deren Durchmesser mindestens 80 Zentimeter betrug. Mit den im Mittelalter üblichen Werkzeugen wie Axt und Beschlagbeil legte der Künstler die grobe Form an. Die feinen Schnitzarbeiten führte er mit Hohl- und Balleisen aus. Dabei arbeitete er sehr sorgfältig und detailliert. Die Gesichter sind realitätsnah geschnitzt, die Wangenknochen betont und die Mimik wird durch vorgewölbte Augenbrauen, scharf profilierte Augenpartien und plastisch ausgearbeitete Falten und Stauchungen der Haut besonders hervorgehoben.

Bevor der sogenannte Fassmaler, der die Farbgestaltung der Skulpturen ausführte, seine eigentliche Arbeit aufnehmen konnte, wurden Trocknungsrisse im Holz ausgespänt und mit Gewebestreifen überklebt. Die Grundierung besteht hauptsächlich aus Kreide in einem proteinischem Bindemittel. Anschließend arbeitete der Fassmaler an der farblichen Ausführung, wobei er teilweise mehrere Farbschichten übereinander auftrug, etwa bei den roten und blauen Flächen. Andere Partien wie die Haare und Bärte wurden matt vergoldet, so die Analyse des Herstellungsprozesses.

Die Rathauspropheten sind jedoch seit ihrer Entstehung mehrfach überarbeitet worden. Zwar blieben die Originalfarben voraussichtlich bis ins 19. Jahrhundert hinein erhalten, dann allerdings änderte sich die Farbpalette. Mindestens zwölf weitere Bearbeitungsphasen konnte Grimberg identifizieren. Die Rathauspropheten standen ursprünglich so, dass sie von beiden Seiten betrachtet werden. Auch das bestätigten die Untersuchungen Grimbergs.

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