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Prognose von Sprachforschern zur Zuwanderung

200.000 zusätzliche Schülerinnen und Schüler

12. Oktober 2016 | 13:30 | red
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Die Zahl der zusätzlichen Schülerinnen und Schüler, die 2015 als Flüchtlinge ins Land gekommen sind, soll bei rund 200.000 liegen. Eine Riegen-Herausforderung für die Bildungsinfrastruktur. Bild: Archiv Köln Nachrichten

Die gestiegenen Flüchtlingszahlen nach Deutschland hat vielfältige Auswirkungen. Nach einer jüngsten Studie müssen sich die Schulen in Deutschland auf rund 200.000 zusätzliche Schutzbefohlene einrichten.

Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Untersuchung des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweisprache und dem Zentrum für Lehrerinnenbildung an der Universität zu Köln. Die Zahl stammt von offiziellen Zahlen zur Zuwanderung im vergangenen Jahr. Von den knapp 900.000 Menschen, die über die verschiedenen Fluchtwege, vor allem über die so genannte „Balkan-Route“, in die Bundesrepublik eingereist sind, waren etwa 200.000 im schulpflichtigen Alter. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung verdoppelte sich deren Anteil, allerdings lediglich von einem auf zwei Prozent.

Neben der Schaffung neuer Kapazitäten (Räume und Lehrpersonal) bildet vor allem der Übergang Schule / Beruf. Erweitert man die Gruppe auf Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 0 bis 25 Jahren, die potenziell Zugang zu Angeboten im Bildungssystem benötigen, steigt die Zahl auf 640.000, wie eine Untersuchung des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache und des Zentrums für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln ergab.

Das Bildungssystem muss sich nicht nur auf die Kinder und Jugendlichen einstellen, die derzeit neu nach Deutschland zuwandern, sondern auch jene im Blick behalten, die schon länger hier sind. Sie benötigen weiterhin Sprachförderung im Deutschen. Migration ist ein dauerhaftes Phänomen. Wir begrüßen daher, dass die Kultusministerkonferenz sich in der letzten Woche dazu bekannt hat, Strukturen, Konzepte und Qualifizierungsangebote auf Dauerhaftigkeit auszurichten“, so die Schlussfolgerung Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek, Direktor des Mercator-Instituts.

Unterschiedliche Ergebnisse bei Betrachtung der Regionen und Schulformen

Für die Studie wurden Daten des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2015 und des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) aus dem Jahr 2015 sowie der ersten Jahreshälfte 2016 ausgewertet. Die aktuelle Untersuchung baut auf einer im Oktober 2015 veröffentlichten Auswertung auf. Die Unterschiede zwischen den Regionen haben sich 2015 gegenüber dem Vorjahr sichtbar verstärkt: Während der Anteil neu Zugewanderter an der Gesamtzahl Sechs- bis 18-jähriger in Brandenburg bei 1,4 Prozent liegt, verzeichnen das Saarland und Bremen 3,6 Prozent. 2014 lag der Durchschnitt in allen Bundesländern zwischen 0,6 und 1,8 Prozent.

Nicht nur regional, sondern auch zwischen den Schulformen zeigt sich ein deutliches Ungleichgewicht: Mehr als ein Drittel der neu Zuwandernden im schulpflichtigen Alter ist zwischen 15 und 18 Jahre alt und benötigt Bildungsangebote an Gymnasien oder beruflichen Schulen. „Diese Tendenz hat sich gegenüber dem Vorjahr noch einmal verstärkt. Daher kommt es jetzt darauf an, insbesondere im Berufsschulbereich und am Übergang zwischen Schule und Arbeitsmarkt neue Angebote zu schaffen“, fordert Mona Massumi, abgeordnete Lehrerin am Zentrum für LehrerInnenbildung und Mitautorin der Studie.

Kaum Veränderungen hat es seit 2014 bei der Regelung der Schulpflicht gegeben. Es hängt noch immer vom Bundesland ab, wann die Schulpflicht für Asyl suchende Kinder greift. In einigen Bundesländern gilt sie von Anfang an, in anderen erst nach drei oder sechs Monaten Aufenthalt. „Die Kultusministerkonferenz hat zwar erklärt, dass schulische Angebote von Anfang an bereitgestellt werden und nicht zwischen geflüchteten und nicht geflüchteten jungen Menschen unterschieden wird. Die Studie zeigt jedoch, dass es hier noch enormen Handlungsbedarf gibt, denn der Zugang zu Bildung für Asyl suchende Kinder ist noch immer erschwert. Es ist Aufgabe der Länder, den Schulzugang gesetzlich zu verankern und die Umsetzung sicherzustellen. Kein Kind sollte vom Schulbesuch ausgeschlossen werden“, sagt Dr. Nora von Dewitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Mercator-Institut und Mitautorin der Studie.

Weitere Informationen zu dieser Studie finden sie auch im Internet unter: www.mercator-institut-sprachfoerderung.de/aktuelles/meldung/2016/studie-schulen-muessen-sich-auf-200000-neu-zugewanderte-kinder-und-jugendliche-einstellen.

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