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DLR-Trendcheck Günstigflieger

Langstreckengeschäft zu günstigen Preisen nimmt Fahrt auf

7. Oktober 2016 | 15:00 | red
Um 11:20 Uhr ging es bei strahlendem Sonnenschein in die Karibik. Seit gestern hat Köln/Bonn wieder eine Langstreckenverbindung.  Bild: Flughafen Köln/Bonn GmbH

Anfang November 2015 eröffnete die Lufthansa-Tochter ihre erste Interkontinental-Verbindung. Auch andere mischen hier europaweit mit, wie das DLR nun festgestellt hat. Bild: Flughafen Köln/Bonn GmbH

Der Flugzeugmarkt und damit die Tourismuswirtschaft sind in ständiger Bewegung. Mit der Lufthansa-Tochter Eurowings und der norwegischen Airline Norwegian Air forcieren nun zwei Anbieter das Low-Cost-Segment für Langstreckenflüge.

Und wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR am heutigen Freitag berichteten, scheint dieser neue Geschäftszweig tatsächlich abzuheben. Während der irische Billigflieger Ryanair weiter den deutschen Markt aufmischt damit seine eigene Marktführerschaft innerhalb Europas ausbaut, setzt die Konkurrenz von Eurowings und Norwegian Air auf das Geschäft mit Interkontinental-Flügen. Wie der aktuelle Low Cost-Monitor des DLR zeigt, gewinnt dieser Trend im Günstig-Segment zunehmend an Tempo.

Norwegian Air und Eurowings bauen ihr Angebot an günstigen Flugtickets im Langstrecken-Geschäft weiter aus. Die skandinavische Günstig-Fluggesellschaft Norwegian Air steigerte ihr Angebot an Interkontinental-Flügen gegenüber dem Vorjahr sogar um 50 Prozent. Auf den Großflughäfen London, Paris, Kopenhagen und Stockholm wird so um Passagiere der klassischen Allianzfluggesellschaften geworben. Eurowings ist seit November 2015 mit Flugangeboten von Köln/Bonn nach Asien und Amerika in den Markt eingestiegen und agiert bisher im Low-Cost-Geschäft auf der Langstrecke konkurrenzlos vom Flughafen Köln/Bonn. Hier ist geplant, trotz anfänglicher Widrigkeiten das Angebot auf bis zu zehn feste Langstreckenverbindungen auszubauen.

Noch beeindruckender als das Wachstum am Flughafen Köln/Bonn fällt der Anstieg der Low-Cost-Carrier am Flughafen Berlin-Schönefeld aus. Vor allem der irische Marktführer Ryanair sorgt hier für Wachstumsraten von rund 50 Prozent im Jahresvergleich bei den Günstigangeboten. Die Zahl der Ryanair-Flüge selbst stieg an den beiden Airports im Jahresvergleich sogar um mehr als Doppelte

„Die hohe Dynamik im Markt der Günstigflieger und die konstant günstigen Kerosinkosten führen teilweise zu deutlich fallenden Ticketpreisen“, erklärte Studienleiter Dr. Peter Berster vom DLR-Institut für Flughafenwesen und Luftverkehr. Die Durchschnittspreise, die im Low Cost Monitor je nach Carrier auf Grundlage verschiedener Vorausbuchungszeiträume von einem Tag bis zu drei Monaten ermittelt werden, liegen im Sommer 2016 zwischen rund 40 Euro und 105 Euro brutto. Im Vorjahr lag diese Spanne noch zwischen 45 und 115 Euro brutto. Der Preiskampf hat demnach und trotz der möglichen Konsolidierung (AirBerlin) sogar noch an Schärfe zugelegt.

Rund vier Prozent Plus bei Strecken ab Deutschland

Mittlerweile ist Ryanair als Vorreiter besonders günstiger Flugpreise auf den zweiten Platz der Low-Cost-Carrier mit 190 Strecken hinter Eurowings/Germanwings mit 380 Strecken in und ab Deutschland gerückt. Zusammengefasst ergab sich für den günstigen Flugverkehr ab Deutschland ein Plus von 4,5 Prozent von 670 auf jetzt insgesamt 700 Strecken.

Dabei nicht mehr berücksichtigt ist die Fluggesellschaft Air Berlin, die in einem Brief an die internationale Luftfahrtorganisation ICAO mitgeteilt hat, dass sie zukünftig nicht mehr als Low Cost Airline, sondern als Full Service Network Carrier geführt werden will. Allerdings finden sich weiterhin die Merkmale günstige Flugpreise und ihre generelle Verfügbarkeit bei der Berliner Fluggesellschaft. Berücksichtigt man Air Berlin, ergeben sich 780 Strecken im Sommer 2016, gegenüber 754 Verbindungen im Sommer 2015 ab Deutschland. Die Anzahl der Strecken von Air Berlin ist in diesem Zeitraum mit 135 Strecken nahezu konstant geblieben.

Europaweit bauen Ryanair und Easyjet ihre Marktführerschaft weiter aus. Ryanair unterhält mittlerweile 2303 Verbindungen auf dem Kontinent und Easyjet folgt mit 1370 Strecken. Auch der Wettbewerb unter den Günstigfliegern in Europa nimmt weiter zu. Mittlerweile bedienen die Billiglfieger rund 1000 Strecken, auf denen zwei Anbieter unterwegs sind und immerhin 150 Verbindungen, auf denen sogar mehr als zwei Anbieter fliegen.

Trennlinien zwischen Low-Cost- und normalen Fluggesellschaften verwässern

Um das bewältigen zu können, muss eine entsprechend große Anzahl von geeignetem Fluggerät verfügbar sein. Dies ist in den meisten Fällen ein Fluggerät der Typenreihen Boeing 737 und Airbus A320. So verfügt Ryanair mittlerweile über eine Einheitsflotte von mehr als 350 Flugzeugen des Typs Boeing 737 mit 189 Sitzplätzen. Dies bedeutet eine Steigerung um zwölf Prozent gegenüber dem letzten Jahr. Easyjet vergrößerte die eigene Flotte im gleichen Zeitraum um sieben Prozent. Auch Norwegian hat den eigenen Flugzeugpark stark ausgebaut. Hierzu zählen neben rund 100 Flugzeugen des Flugzeugtyps B737 zusätzlich zehn Flugzeuge des modernen Langstreckenmodells Boeing 787, die im Interkontinentalverkehr nach Asien und Amerika eingesetzt werden.

Der Fall Air Berlin zeigt, dass die Trennlinien zwischen Low-Cost-Carrier und normaler Fluglinie immer schwieriger zu definieren sind. Zudem wird die Tendenz sich vermischender Geschäftsmodelle bei den Airlines sichtbar. Während Ryanair verstärkt auch an Großflughäfen tätig wird und durch Verkauf von Zusatzpaketen versucht, Premiumkunden anzusprechen, greifen Chartercarrier sowie etablierte Fluggesellschaften über Tochtergesellschaften oder eigene Angebote zunehmend in den Markt der preisgünstigen Flugangebote ein. In Deutschland hat Lufthansa ihre innerdeutschen und europäischen Flüge außer an den Drehkreuzflughäfen Frankfurt und München an die Tochtergesellschaft Germanwings abgegeben, die jedoch seit Anfang November 2015 in eine weitere Tochtergesellschaft Eurowings integriert wird.

Die vom DLR im Low Cost Monitor betrachteten Fluggesellschaften werden nicht aufgrund ihres Geschäftsmodells identifiziert, sondern sind solche, die eine hohe Anzahl von Angeboten im Niedrigpreissegment des Gesamtmarktes aufweisen. Darüber hinaus gehende Aussagen über das jeweilige Geschäftsmodell abzuleiten, ist wegen der zunehmenden Hybridisierung der Geschäftsmodelle nicht mehr eindeutig möglich, räumen die DLR-Forscher ein.

Die vorliegenden Zahlen zum Luftverkehrsmarkt beziehen sich auf die Daten einer Referenzwoche im Juli dieses Jahres.

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