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Auszeichnungen für theoretische Entwicklungen und einen Film

9. Kölner Designpreis verliehen

6. November 2016 | 09:30 | ehu
Grau ist die Theorie – bunt sind die Bilder, die Preisträger Max Pietro Hoffmann daraus entwickelt. Foto: ehu

Grau ist die Theorie – bunt sind die Bilder, die Preisträger Max Pietro Hoffmann daraus entwickelt. Foto: ehu

27 Absolventinnen und Absolventen von Kölner Hochschulen haben sich in diesem Jahr um den 9. Kölner „Designpreis“ beworben. Ihre Arbeiten sind jetzt im Museum für Angewandte Kunst zu sehen. Dort wurden auch die Preise verliehen – die hätte es beinahe nicht gegeben.

Auf den ersten Blick recht theoretisch ist die Arbeit von Max Pietro Hoffmann von der Köln International School of Design (KISD), mit der er den 1. Preis gewann. „Means of Digital Images“ nennt er sie. Mit viel Text will er zeigen, dass digitale Bilder nicht nur ein „Ersatz“ für Analoges sind, sondern eine eigene Qualität haben, dass es sich bei ihnen um einen „unendlichen Prozess von Kopien, Imitationen und Transformationen“ handelt, „intelligent, anregend und ästhetisch“, zeigte sich die Jury begeistert.

Was das konkret heißt, zeigt der Preisträger nicht nur mit – analogen– abstrakten Bildern, die er aus Google-Earth-Aufnahmen prominenter Stadtplätze entwickelte. Verblüffender sind die kleinen Skulpturen aus dem 3D-Drucker: Als „Vorlage“ hat er Rauch in eine Glaskugel geblasen, dadurch wurde das Licht „sichtbar“, was dann mit einer um das Glas fahrenden Kamera aufgenommen wurde. Die digitale Aufzeichnung wurde dann in die handfeste Skulptur umgerechnet.

Statt moderner Scheinwerfer auf Petroleumlampen und Fackeln gesetzt

Den 2. Preis erhielt Christian Zipfel. Sein Film „Der einsame Hof“ erzählt die Geschichte vom Niedergang eines westfälischen Bauernhof gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Der Absolvent der Internationalen Filmschule Köln (ifs) verzichtete bei den Dreharbeiten auf elektrische Beleuchtung, sondern verließ sich allein auf Petroleumlampen und Fackeln, wie sie zum Zeitpunkt des Geschehens üblich waren. Es entsteht so ein „Dokumentarfilm“ mit einer authentischen Atmosphäre. Der Film lief schon weltweit bei mehreren Festivals.

Sehr zukunftsweisend“ nennt KISD-Professor Wolfgang Laubersheimer von KISD die Arbeit „A Study in Interactiv Mechanics für Virtual reality“ „seiner“ Studenten Eugene Krivorucko und Ilja Burzev. Dafür gab es den 3. Preis. Auch dies vor allem eine Theoriearbeit. Das Duo entwickelt darin Modelle für die Visualisierung etwa von natürlichen Handbewegungen in der virtuellen Realität. Dies soll bei der Entwicklung neuer Analyse-, Planungs- oder Produktionswerkzeuge helfen.

Design ist schon lange mehr als nur schöne Möbel und Werbeflyer

Theorie und Film – die drei Sieger zeigen das breite Spektrum, das heute unter Design verstanden wird. Das ist schon lange nicht mehr die Gestaltung von Möbeln, Autos oder Werbeflyern. Auch die Gestaltung von Kommunikationsprozessen gehört dazu. So untersuchte etwa Sophia Stephani (ecosign) die Möglichkeiten für Flüchtlinge, sich künstlerisch auszudrücken). Diese Vielfalt zeigt sich alljährlich beim Kölner Designpreis.

Eher „klassisch“ ist der Entwurf einer Transporthilfe für Menschen mit Handleiden Anna Jürgens, KISD), ein variables Kindermöbel (Martin Klein) oder ein „preisgünstiges“ Robotersystem (Frederik Breiner). Für ihren Schmuck aus gepresstem Sand erhielt Laura Quarz (alle ecosign) wie fünf andere Jung-Designer sogar eine Anerkennung.

Der langjährige Preisgelder-Stifter hatte in diesem Jahr kein Geld mehr

Dass der Preis in diesem Jahr verliehen wurde, kommt für Laubersheimer einem „Wunder“ gleich. Der bisherige Geldgeber, die private Winkler-Stiftung, sah sich nach acht Jahren aufgrund der Niedrigzinspolitik nicht mehr in der Lage dazu. Im Vorjahr hatte sie noch 15.000 Dollar zur Verfügung gestellt. Laubersheimer aber konnte seine Kollegen von den anderen Design-Institutionen davon überzeugen, in die Bresche zu springen. So gab es auch in diesem Jahr Geldpreise, wenn sie auch erheblich geringer ausfielen: 2500 Euro für den Ersten (im Vorjahr noch 5500 Euro), 1500 für den Zweiten (4500) und 1000 für den Dritten (3600).

Getragen wird der Designpreis von den staatlichen und privaten Kölner Ausbildungsstätten: Köln International School of Design KISD), der internationalen Filmschule Köln (ifs), Hochschule macromedia, ecosign – Akademie für Gestaltung und Rheinischer Fachhochschule (RFH). Im Zwei-Jahres-Rhythmus ist auch die Kölner Hochschule für medien (KHM) dabei. Was leider fehlt, ist eine „Erfolgskontrolle“ über den weiteren Weg der Preisträger.

9- Kölner Design-Preis“ – bis 27. November 2016, Museum für Angewandte Kunst, An der Rechtschule, 50667 Köln, Tel. 0221 / 22 12 67 35, Di-So 11-17 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 11-22 Uhr, Eintritt in die Sonderausstellung frei.

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