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Barbara Becker-Jakli erhält den Giesberts-Lewin-Preis 2016

Historikerin des NS-Dokumentationszentrums ausgezeichnet

25. November 2016 | 17:00 | ehu
Barbara Becker-Jakli und die Skulptur des Bildhausers Ansgar Nierhoff, die das Zusammenleben unterschiedlicher Gruppen symolisiert. Foto: ehu

Barbara Becker-Jakli und die Skulptur des Bildhausers Ansgar Nierhoff, die das Zusammenleben unterschiedlicher Gruppen symolisiert. Foto: ehu

Die Kölner Historikerin Barbara Becker-Jakli erhielt am Donnerstag den Giesberts-Lewin-Preis. Er wird seit 2006 von der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit an Persönlichkeiten und Initiativen verliehen, die sich „mit herausragendem ehrenamtlichem Engament“ gegen rassistische und antisemitische Tendenzen sowie für Toleranz und Völkerverständigung einsetzen.

Becker-Jakli arbeitet als Historikerin am Kölner NS-Dokumentationszentrum. Sie veröffentlichte unter anderem den Stadtführer „Das jüdische Köln. Geschichte und Gegenwart“. In diesem Jahr erschien ein Führer zum Jüdischen Friedhof in Bocklemünd. „Reich an Empathie für ihre Protagonisten geht es ihr nicht nur darum, historisches Wissen zu vermitteln, sondern auch den Reichtum des jüdischen Lebens der heutigen Generation vor Augen zu stellen“, würdigte sie Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Kölnischen Gesellschaft.

Er wies dabei auch auf aktuelle steigende Zahl antisemitischer Straftaten hin, im Vorjahr wurden 1366 polizeilich registriert. Er zählt dazu auch die „grässliche Klagemauer“ sowie ein jüngst bei der Art.Fair ausgestelltes „Kunstwerk“, das Hakenkreuz und Davidstern gleichsetzte. Wilhelm warnte: „Nährboden für antisemitische Denkmuster ist vor allem dann vorhanden, wenn die Wahrnehmung jüdischen Lebens in stereotypisierten Bildern erfolgt.“.

Die Geschichte einer Minderheit ist immer auch die Geschichte der Mehrheit einer Gesellschaft“

Dem stehe die Arbeit der Preisträgerin gegenüber, die den Kölnern auch durch die individuellen Geschichten deutlich mache, „welche zentrale Bedeutung jüdisches Leben für die Kultur- und Kunstgeschichte unserer Stadt darstellt und somit auch maßgeblich ihre Identität mitgeprägt hat.“. In ihrer Dankesrede betonte Becker-Jakli: „Die Geschichte einer Minderheit ist immer auch die Geschichte der Mehrheit einer Gesellschaft.“.

Traditionell wurde der Ehrenpreis im Käthe-Kollwitz-Museum überreicht. Er besteht aus einer zweiteiligen Bronzeplastik des 2010 verstorbenen Bildhauers Ansgar Nierhoff. Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem der Journalist und Schriftsteller Ralph Giordano, der Künstler Gunter Demnig, der ehemalige Bundesinnenminister Gerhard Baum, Lale Akgün und die Initiative „Arsch huh“.

Benannt ist er nach dem ehemaligen Kölner Schuldezernenten Johannes Giesberts (1953-1974) und dem israelischen Diplomaten Shaul Lewin. Beide arbeiteten eng zusammen und gelten als Begründer des deutsch-israelischen Jugendaustausches.

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