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Auch nach dem rechtsextremistischen Nagelbomben-Attentat weiter das Gespräch gesucht

IG Keupstraße mit Bilz-Preis ausgezeichnet

24. November 2016 | 14:00 | ehu
Freuen sich über den Bilz-Preis: Ismet Büyük (IG Keupstraße), Fritz Bilz, Meral Sahin und Thomas Laue (v.l.)

Freuen sich über den Bilz-Preis: Ismet Büyük (IG Keupstraße), Fritz Bilz, Meral Sahin und Thomas Laue (v.l.)

22 Menschen wurden 2004 in der Keupstraße zum Opfer eines Nagelbombenattentats des rechtsextremistischen NSU. Danach wurden die Opfer von den Ermittlungsbehörden zu Tätern gemacht. Doch die „IG Keupstraße“, der Zusammenschluss von Geschäftsleuten und Anwohnern, suchte weiter den Dialog mit der Kölner Mehrheitsgesellschaft. Dafür wurde sie jetzt mit dem Bilz-Preis ausgezeichnet.

Sie ist die bunteste, chaotischste, lauteste und lustigste Straße Kölns“, beschrieb Thomas Laue in seiner Lobrede die Straße in der Nachbarschaft des Schauspiels, wo er als leitender Dramaturg arbeitet. Er war auch maßgeblich für die Umsetzung des preisgekrönten Theaterstücks „Die Lücke“ verantwortlich, in dem Anwohner und Schauspieler gemeinsam das Zusammenleben und ihre Erfahrungen nach dem Attentat aufarbeiten.

Trotzdem“ setzte er am Mittwoch im NS-Dokumentationszentrum als Überschrift über seine Laudatio. Die IG werde nämlich nicht als Opfer des Attentats ausgezeichnet, sondern weil sie immer wieder das Gespräch sowohl zwischen den vielen Gruppen der Keupstraße als auch darüber hinaus gesucht und gefördert habe.

Preisstifter Fritz Bilz zeichnete die Vertuschungen der Behörden nach

Preisstifter Fritz Bilz hatte zuvor die Geschichte des Attentats und seiner Folgen aufgelistet. Die Reaktion bis hinauf zum damaligen Innenminister Otto Schily, der sofort einen rechtsextremen Hintergrund ausschloss. Stattdessen wurden die Täter im „kriminellen Milieu der Keupstraße“ geortet, bei Drogenmafia und Schutzgelderpressern. Anwohner wurden verdächtigt, wurden immer wieder zu Verhören vorgelagen. Hinweise auf rechtenTerrorismus wurden abgetan. Auch die Medien schwammen nur in seltenen Fällen gegen diesen Meinungs-Strom.

Als 2014 der NSU aufflog, begann die Vertuschung bei den Ermittlungsbehörden, bei Polizei und Verfassungsschutz. Akten wurden geschreddert, V-Leute verschwiegen. „Das erschwert es den Richtern in München bis heute, alle Hintergründe der zehn NSU-Morde und der Attentate aufzuklären“, so Bilz’ Fazit.

Vom Preisgeld wird ein Festessen für alle Kölner und Kölnerinnen ausgerichtet

Seit 1999 zeichnet die von ihm gegründete private Bilz-Stiftung jährlich Menschen und Initiativen in Köln aus, die sich für Völkerverständigung und Minderheiten und gegen Rassismus einsetzen. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem der Jugendclub Courage, Rom e.V., allerweltshaus Köln und Schüler gegen Rechts Köln.

Das Preisgeld von 5000 Euro wird ganz im Sinne des Stifters und der Stiftung ausgegeben: Für den nächsten Ramadan (der islamische Fastenmonat beginnt 2017 am 27. Mai und dauert bis zum 24. Juni) sind alle Kölner zu einem großen Festessen auf der Keupstraße eingeladen, kündigte Meral Sahin, Vorsitzende der IG Keupstraße an.

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