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TÜV Rheinland sieht weiterhin Handlungsbedarf in Sachen Spielplatzsicherheit

17. Juli 2014 | 18:00 | red

Die Kinderspielplätze in Deutschland sind weiterhin mangelhaft. Zu diesem harschen Urteil kommt der Kölner Prüfkonzern TÜV Rheinland AG in seiner heutigen Pressemitteilung. Die Prüfer der Kölner Aktiengesellschaft untersuchen pro Jahr rund 1500 Spielplätze pro Jahr und geben den Betreibern öffentlicher Spielplätze, in der Regel sind das die Kommunen, eher schlechte Noten.

Alle Jahre wieder sorgt die Meldung, dass die Spielplätze in Deutschland unsicher sind, für reges öffentliches Interesse. Auch die WDR Lokalzeit nahm sich des Themas an und folgte der Argumentation der TÜV-Prüfer. Die größte Gefahren liegen nach Auskunft der Fachleute im sprichwörtlichen Zahn der Zeit, also dem Verschleiß an Spielgeräten, aber auch Verschmutzung und Vandalismus sowie die falsche Konstruktion von Spielgeräten, so der Prüfkonzern.

„Bevor Eltern ihre Kleinen auf Klettergerüst und Rutsche lassen, sollten sie Spielgeräte und Untergrund selbst unter die Lupe nehmen. Es kommt leider immer wieder vor, dass Geräte Mängel aufweisen“, sagt Berthold Tempel, Experte für die Sicherheit von Freizeit- und Spielanlagen bei TÜV Rheinland. Holz etwa wird durch die Beanspruchung und die Witterung oft in Mitleidenschaft gezogen. Pilzbefall, Moose und Flechten auf quer liegenden Hölzern wie Schaukel- oder Balancierbalken sind oft Zeichen einer zerstörten Holzstruktur. Von solchen Spielgeräten hält man Kinder besser fern, mahnt der Experte.

Auch Metallteile wie Schaukelketten oder Klettergerüste haben nur eine begrenzte Haltbarkeit. Hier empfiehlt der TÜV die eigene Kontrolle der erziehungsberechtigten, unabhängig davon, ob die für Kleinkinder vorgesehenen Geräte auch tatsächlich für das Gewicht eines ausgewachsenen Mutterexemplars zugelassen sind. „Die Eltern setzen sich erst selbst auf die Schaukel oder Wippe, bevor sich der Nachwuchs darauf austobt“, empfiehlt Tempel. Nach einem Sturm empfiehlt der Experte zudem einen Blick nach oben, besonders auf Spielplätzen mit Baumbewuchs. Sogenanntes „Totholz“, das abgebrochen in Baumkronen festhängt, kann später herunterfallen und Kinder verletzen. Der Boden eines Spielplatzes sollte zudem frei von Unrat, Ästen und Steinen sein.

Die Folgen der Kritik an der Sicherheit von Kinderspielplätzen

Die Kommunen sehen das Rühren des Prüfkonzerns mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite sind die zuständigen Dienststellen dankbar für jeden Hinweis. Längst haben viele Kommunen die Bürgerschaft und das Ehrenamt bei der Betreuung der Spielplätze für sich entdeckt. In Köln beispielsweise gibt es schon seit mehr als drei Jahrzehnten Spielplatzpaten, die in regelmäßigen Treffen, organisiert von der Abteilung Kinderinteressen und Jugendförderung im Kölner Jugendamt, den direkten Kontakt zwischen engagierten Bürgerinnen und Bürgern und den zur Sicherstellung einer reibungs- und konfliktarmen Nutzung notwendigen Behörden herstellt.

Spätestens hier wird der alljährliche Aufruf des TÜV zum Ärgernis. So empfehlen die TÜV-Prüfer beispielsweise weiter. „Stellen Eltern auf einem Spielplatz Mängel fest, sollten sie den zuständigen Betreiber (die Kommune) auf diese hinweisen. Die Telefonnummer des Betreibers sollte auf einem Schild auf dem Spielplatz angegeben sein, das meistens am Eingang des Spielplatzes zu finden ist. Einem Anruf sollte man immer gleich eine E-Mail oder einen Brief folgen lassen, um die Beschwerde schriftlich zu dokumentieren. Ist kein Kontakt angegeben, empfiehlt TÜV Rheinland, den Bürgermeister als obersten Dienstherren der Kommune anzusprechen“, so der Wortlaut der Presseerklärung.

Viele Kommunen setzen jedoch auf proaktive Beteiligung statt die Bürger zum kollektiven Meckern aufzufordern. Auch hier geht man in der Domstadt längst den bürgernahen Weg. Die Paten wie auch die Nutzer werden bei Ersatzbeschaffungen und Neuplanungen von Spielplätzen bereits in der Planungsphase ins Boot geholt. Insbesondere Kinder und Jugendliche sollen hier ihre Wünsche für eine zukünftige Gestaltung äußern und schon so manch teures Prestigevorhaben wurde dabei gekippt.

Was die ständige Verbesserung, das immer dichter werdende Regelwerk und einen kontinuierlich kritischer Prüfkonzern, der das Prüfen von Spielplätzen als Teil seines Geschäftsmodells betreibt, anrichten kann, mussten die Nutzer von knapp 200 Kölner Spielplätze (ein knappes Drittel aller Spielplätze im Kölner Stadtgebiet) vor einigen Jahren feststellen. Für die Sicherheit an Spielplätzen ist in der Domstadt das Grünflächenamt verantwortlich. Das musste wegen einer neuen EU-Verordnung zur Sicherheit in einer „Nacht-und-Nebel“-Aktion knapp 200 Spielgeräte abbauen. An vielen Spielplätzen warten die Kinder bis heute auf Ersatz.