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Städtebaulicher Wettbewerb für Deutzer Hafen

Aus Industrieareal soll ein moderner gemischter Stadtteil werden

27. September 2016 | 10:00 | red
Wo jetzt am Deutzer Hafen noch Industriegewerbe angesiedelt ist, sollen bald Wohnungen entstehen. Foto: Häfen und Güterverkehr Köln AG

Wo jetzt am Deutzer Hafen noch Industriegewerbe angesiedelt ist, sollen bald Wohnungen entstehen. Foto: Häfen und Güterverkehr Köln AG

Die Umnutzung des Deutzer Hafens schreitet voran. Am vergangenen Wochenende stellte die Stadt die Ergebnisse eines städtebaulichen Wettbewerbs vor. 35 Hektar mit Blick auf das Kölner Postkartenpanorama sollen zu einem neuen Vorzeige-Stadtteil werden.

Seit Februar dieses Jahres hatten sich fünf interdisziplinäre Teams aus international renommierten Planungsbüros unter Mitwirkung der Bürgerschaft mit der Frage beschäftigt, wie das Kölner Veedel von morgen aussehen könnte. Die überzeugendste Antwort darauf hatte das Kopenhagener Büro COBE in Zusammenarbeit mit Ramboll Studio Dreiseitl (Überlingen), Transsolar (Stuttgart) und knp.bauphysik (Köln) geliefert.

Die Preisrichter überzeugte unter anderem die gelungene Integration des industriellen Erbes, die nicht nur im Erhalt der Kran-Bahnen und des ehemalige Löschkrans Ausdruck finden soll. Der Entwurf greift in vielfältiger Weise Motive des Hafens und der dort ansässigen Ellmühle auf und macht sie zur „DNA“ des neuen Viertels. Unterschiedliche Typologien innerhalb der geplanten neuen Baukörper stellen nicht nur die architektonische Vielfalt sicher, sondern auch eine lebendige soziale Mischung – mindestens ein Drittel der Wohnungen soll im geförderten Wohnungsbau errichtet werden. Die Vernetzung der verschiedenen Nutzergruppen soll über „aktive Erdgeschossnutzungen“ erfolgen.

Ein weiteres prägendes Element des neuen Stadtquartiers ist die zunehmende städtebauliche „Dichte“ von Nord nach Süd. Der Freiraum im Norden, der die in Teilen denkmalgeschützte Ellmühle freistellt, wurde sowohl vom Begleitgremium als auch von den Bürgerinnen und Bürgern übereinstimmend begrüßt. Das Hafenbecken als größter öffentlicher Freiraum und Industriedenkmal wird von weiteren Parks und öffentlichen Plätzen umschlossen und schafft so für jede Lage im Quartier eine Verbindung zur Landschaft.

Der Niveauunterschied zwischen der heutigen Hafenkante und der hochwasserfreien Erschließung wird durch große, behindertengerecht zu gestaltende Treppenanlagen ausgeglichen. Dabei wird die Ostseite des Hafenbeckens als urbanes Ufer gestaltet, während die Westseite einen grünen Charakter bekommt. Den Höhepunkt findet diese Planung in einem Wasserbecken am südlichen Ende des Hafenbeckens, in das gefiltertes Regenwasser eingeleitet werden soll und das den Blick über das Hafenbecken auf die Türme des Doms freigibt.

Großes Lob für Entwurfsqualität und Bürgerbeteiligung

Die Entwicklung des Deutzer Hafens macht einmal mehr deutlich, dass sich Köln den Herausforderungen einer dynamisch wachsenden Großstadt stellt. Bei der Entwicklung dieses und anderer neuer Quartiere legen wir Wert darauf, Wohnen und Arbeiten an einem Ort zu organisieren sowie Grün- und Freiflächen mit Aufenthaltsqualität zu integrieren. Die Deutzer Rheinfront wird mit diesem Entwurf deutlich an Qualität gewinnen“, betonte Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

Sie lobt in diesem Zusammenhang ausdrücklich auch das bürgerschaftliche Engagement, das bei der Entwicklung des Hafens zum Ausdruck kam. „Über Monate haben zahlreiche Kölnerinnen und Kölner mit uns gemeinsam nach vorn geschaut und sich in der Planung dieses Stadtviertels von Morgen eingebracht. Es war für alle Beteiligten bereichernd, sich über diese Zukunftsaufgabe Gedanken zu machen“, so Reker weiter.

Der Beigeordnete für Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Verkehr, Franz-Josef Höing, würdigt die hohe Qualität der eingereichten Arbeiten: „Alle städtebaulichen Konzepte zeugen auch im Detail von höchstem Niveau. Es ist allen gelungen, die besondere Atmosphäre des künftigen Stadtquartiers aufzuspüren und deutlich werden zu lassen. Der Siegerentwurf liefert nicht nur schlüssige Antworten auf die Fragen zum Hochwasser und Lärmschutz sowie zur verkehrlichen Erschließung. Er überzeugt auch durch die interessanten Ansätze zur energetischen Versorgung, zur Nutzung beispielsweise von Regenwasserkreisläufen. Nicht zuletzt legt er auch besonderes Augenmerk auf die Gewährleistung der Barrierefreiheit“, so der Dezernent für Planen und Bauen in Köln.

Das Büro hat den Bestand klug danach befragt, welche Gebäude erhalten bleiben sollten und was aus alten Strukturen für den neuen Hafen abgeleitet werden kann. Es hat aus all den gewonnen Erkenntnissen eine sehr spezifische Antwort für den Hafen entwickelt. Es ist in der Summe das Konzept eines neuen lebendigen, bunt gemischten Stadtteils, in dem die Vergangenheit spürbar bleibt, der aber den Anforderungen von Morgen in besonderer Weise gerecht wird“, so Höing weiter.

Lob gab es auch vom Projektentwickler moderne Stadt. Das städtebauliche Gerüst sei stabil, aber in sich flexibel, lobte Andreas Röhrig, Geschäftsführer der städtischen Entwicklungsgesellschaft. „Die geplanten fünf Unterquartiere können entweder nacheinander oder teils auch gleichzeitig errichtet werden. Auch was einzelne Gebäudenutzungen angeht, hat das Siegerteam einen flexiblen Rahmen geliefert. Somit können wir mit dem Konzept den Anforderungen begegnen, die sich auf dem Weg in die Detailplanungen in den nächsten Jahren ergeben werden. Gerade bei größeren Projekten ist eine solche anpassungsfähige Planung wichtig“, so Röhrig.

Im nächsten Schritt wird der Planungsentwurf den politischen Gremien und dem Rat der Stadt Köln vorgelegt. Anschließend soll das Konzept weiter vertieft werden. Im Frühsommer 2017 könnten dann detailliertere Pläne für die Umwandlung des ehemaligen Industriehafens vorliegen, so die Stadt abschließend.

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