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Veranstaltung sucht Wege aus der Wohnungskrise

Architekten: Köln muss höher bauen!

2. November 2016 | 09:00 | ehu
Protest gegen Wohnungsbau im Inneren Grüngürtel: Kleingärtner wie hier „Flora e.V.“ in Nippes fürchten um die Existenz ihrer Anlage. Foto: ehu

Protest gegen Wohnungsbau im Inneren Grüngürtel: Kleingärtner wie hier „Flora e.V.“ in Nippes fürchten um die Existenz ihrer Anlage. Foto: ehu

Kleingärten oder neue Wohnungen? Die aktuelle Auseinandersetzung in Köln steht beispielhaft für Städte mit Wohnungsmangel. Der Bund Deutscher Architekten (BDA) griff dieses Thema jetzt in seiner jüngsten Diskussionsveranstaltung „Wohnungsbau und Städtebau – ein ungeklärtes Verhältnis!“ im Domforum auf.

Dass das Verhältnis zwischen Wohnungsbau und Städtebau in Deutschland zumindest spannungsgeladen ist, darüber waren sich die Podiumsteilnehmer am Montag einig. Eine einfache Patentlösung hatte aber keiner der drei zu bieten – weder Werner Nussbaum, geschäftsführender Vorstand der gemeinnützigen Kölner Wohnungsbaugenossenschaft „Die Ehrenfelder“, noch die beiden Architekten Frank Schilder aus Wien noch Oliver Thill aus Rotterdam.

Doch kristallisierten sich schnell die Probleme heraus. Zum einen die hohen deutschen Standards, die dem Bau dringend notwendiger bezahlbarer Wohnungen entgegenstehen (zur Erläuterung: Als „bezahlbar“ gilt eine Wohnung, wenn die Netto-Kaltmiete nicht mehr als 30 Prozent des Netto-Einkommen des Mieters beträgt). Auch der Verkauf städtischer Grundstücke an den meistbietenden Investor hohe Grundstückspreise treibt die Mieten in die Höhe. Wien betreibt hier seit dem „roten Wien“ der 1920er Jahre eine konsequent andere Politik. Hier dürfen Investoren auf städtischen Grundstücken auch nur ein Drittel der Wohnungen frei finanzieren und entsprechend hohe Mieten verlangen.

Genossenschafts-Vorstand beklagt Kölner Planungsbürokratie

Nussbaum beklagte für Köln eine Genehmigungsbürokratie, die die schnelle Realisierung von Projekten behindert. Gefordert wurde hier eine „kooperative Planung“, die auch Abweichungen von Vorschriften oder vorgegebenen Auflagen der Stadtplanung erleichtert. Besonders Schilder konnte hier mit Hinweis auf die Wiener Wohnungspolitik Pluspunkte beim Publikum sammeln.

Einig war sich das Podium darin, dass an einer „Verdichtung“ kein Weg vorbei führt, will man viele Wohnungen bauen. Verdichtung bedeutet hier vor allem mehr Etagen statt der üblichen vier. Bei einem neuen Projekt in Ossendorf will „Die Ehrenfelder“ immerhin die ursprünglich geplante Wohnungszahl verdoppeln, etwa durch tiefere Häuser.

Dass dabei keine „Schuhkartons“ oder Hochhäuser (ab zwölf Etagen) herauskommen müssen, dafür gaben die beiden Architekten genug gute – eigene – Beispiele, auch für solche in Modulbauweise. Sie zeigten, dass der Erhalt von (grünen) Freiflächen kein Widerspruch zur Verdichtung ist. Thill brachte es auf den Punkt: „Köln muss sich entscheiden, ob es Metropole werden oder Provinz bleiben will.“

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