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Wallraf-Richartz-Museum enthüllt den Barockmaler Girolamo Troppa

Das Phantom der Graphischen Sammlung

2. Dezember 2016 | 15:30 | ehu
Girolamo Troppa: "Maria Magdalena in der Wüste" – offensichtlich die Studie für ein größeres Gemälde, wie das Gitterraster zeigt. © Wallraf-Richartz-Museum

Girolamo Troppa: „Maria Magdalena in der Wüste“ – offensichtlich die Studie für ein größeres Gemälde, wie das Gitterraster zeigt. © Wallraf-Richartz-Museum

Touristen in Rom werden seine Werke in vielen Kirchen gesehen haben – ohne seinen Namen zu kennen. Selbst in der Kunstwissenschaft ist Girolamo Troppa eher ein Unbekannter. Erst recht als Zeichner. Eine Kabinettausstellung im Wallraf-Richartz-Museum zeigt jetzt anhand von rund 30 Arbeiten seine „Entdeckung“ und auch „Verbannung“ aus dem Kunst-Himmel.

Drei echte – zumindest hier kann man davon ausgehen – Zeichnungen Troppas (1637-1710) befinden sich in der Graphischen Sammlung des Museums. Der Berliner Kunsthistoriker Erich Schleier hat sie für die erste Monografie überhaupt über den Barockkünsler 1990 als solche klassifiziert. Für das Museumsteam um Thomas Ketelsen Ansporn genug, die hauseigene Sammlung genauer zu erforschen.

Und so ist diese kleine Ausstellung aus der Reihe „Der (un)gewisse Blick“ auch ein Blick auf die wissenschaftliche Arbeit, die neben Präsentation und Bewahrung die dritte Aufgabe eines jeden Museums ist. Die aber meist hinter den Kulissen stattfindet.

Ein schneller und sparsamer Strich als verbindendes Stilmerkmal

Ausgehend von den drei anerkannten Zeichnungen sah man sich andere Arbeiten genauer an. Durch Stilvergleich konnte man weitere Zeichnungen Troppa zuordnen. Ausschlaggebend war dabei der rasante und forsche Strich, vereinfachte Formen – kleine Bögen reichen für die Augen, ein Haken für die Nase. Und immer höchst pathetische Szenen, wie sie für das Hochbarock typisch sind: Die Erhebung des Menschen vom Erdenleben ins himmlische Paradies.

Dem Zeichner läuft die Zeit weg“, beschreibt Ketelsen die schnell dahin gerotzten Linien, ob mit Tusche laviert oder mit Rötel. Der Stilvergleich ist kein eindeutiger und endgültiger wissenschaftlicher Beweis, betont er. Jede Zuschreibung müsse denn auch mit einem Fragezeichen versehen werden. Weshalb auch das Team bei nicht immer einer Meinung war. So scheint ein muskulöser, mit einem Drachen kämpfender Herkules nicht zu den flotten anderen Zeichnungen zu passen.

Keine Enttäuschung: Aus einem Troppa wurde ein Appiani

Und dann die Überraschung: Die Signatur „Troppa fecit“ (Troppa hat’s gemacht) auf einer Zeichnung der Sammlung stammt offensichtlich nicht von Troppa, sondern wurde später hinzugefügt. Warum? Noch steht da ein ganz großes Fragezeichen.

Aber durch – wieder einen Stilvergleich – fanden die Kunsthistoriker heraus, es muss eine Arbeit Johannes Ignaz Appianis (1706-1785) sein. Ein Künstler, der vor allem Kirchen in Süddeutschland ausgemalt hat. Unterstützt wird diese Zuschreibung durch Vergleiche mit seinen Fresken, für die diese Zeichnungen unverkennbar Vorstudien waren. Mehr als nur ein „Kollateralschaden“ bei der Suche nach Troppa: Die Graphische Sammlung kann sich über jetzt 200 Appiani-Zeichnungen freuen.

Girolamo Troppa – Der Zeichner. Ein Phantom“ – bis 12. März 2017, Wallraf-Richartz-Museum, Obenmarspforte, Di-Fr 10-18 Uhr, Do 10-21 Uhr (außer an Feiertagen), Sa und So 11 bis 18 Uhr. Katalog: 10 Euro.

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