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Stadt verleiht ihre fünf Förderstipendien

50.000 Euro für Nachwuchskünstler

31. August 2016 | 10:00 | ehu
Gute Stimmung beim traditionellen Gruppenfoto der Kölner Förder-Stipendiaten: Lucas Leidinger, Miriam Gossing, Lina Sieckmann, Bastian Schneider, Lisa Seebach und Francisco C. Goldschmidt (v.l.). Foto: ehu

Gute Stimmung beim traditionellen Gruppenfoto der Kölner Förder-Stipendiaten: Lucas Leidinger, Miriam Gossing, Lina Sieckmann, Bastian Schneider, Lisa Seebach und Francisco C. Goldschmidt (v.l.). Foto: ehu

Mit der traditionellen kleinen Feier wurden am Montag die diesjährigen Gewinner der fünf Kölner Kunst-Förderstipendien bekanntgegeben. Im Hansesaal des Rathauses dürften sich die Künstlerinnen und Künstler ins Gästebuch der Stadt eintragen.

Als Gastgeberin betonte Bürgermeisterin Elfi Scho-Anwerpes, wie wichtig die Freiheit der Kunst sei. Die mit jeweils 10.000 Euro dotierten Stipendien könnten dabei helfen, entsprechende Freiräume zu sichern. Die Stadt – so versicherte sie – sei auch in Zeiten des Sparens bemüht, diese Gelder auch weiter bereitzustellen. Die eigentliche Preisverleihung findet bei den jeweiligen Ausstellungseröffnungen, Konzerten und Lesungen statt.

Begonnen hat die Kölner Stipendien-Tradition 1971, damals nur für Kölner Künstlerinnen und Künstler , 2010 werden sie landesweit ausgeschrieben, Höchstalter 35 Jahre (beim Horst und Gretl Will-Stipendium sind es 30 Jahre). Insgesamt gab es in diesem Jahr 168 Bewerbungen – mit 170 waren es nur vor drei Jahren mehr. Mit 66 die meisten für das Friedrich-Vordemberge-Stipendium für Bildende Kunst, nur 19 bewarben sich für das Bernd-Alois-Zimmermann-Stipendium für Musik. In der Regel haben die Kölner Stipendiaten vorher schon andere Auszeichnungen erhalten.

Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium für Literatur

Für den 35-jährigen Bastian Schneider steht schon fest, wofür er sein Stipendium einsetzt: Er will seine bisherige Kurzprosa in „spannender und innovativer Weise“ zu einem Roman ausbauen. Seine bisherige„hochkomplexe, philosophisch angehauchte Alltagsbeobachtungen“ – erschienen unter anderem in dem Band „Vom Winterschlaf der Zugvögel“ – überzeugten die Jury durch ihre „stilistische Dichte und Abgerundetheit“.

Friedrich-Vordemberge-Stipendium für Bildende Kunst

Preisträgerin in diesem Jahr ist Lisa Seebach. Deren Spezialität sind Skulpturen aus Stahl und Keramik. Die Jury lobte die Werke der 35-Jährigen, als „fortlaufende Verschiebung“ im Raum: „Architektonisch irgendwie Bekanntes wird neu und unerwartet kontextualisiert. Materialien werden einer Transformation unterzogen: Stahl erhält eine zarte Präsenz, ist als Linie im Raum gleichermaßen präsent wie zurückhaltend. Keramische Formen bieten als Volumina Halt, leiten jedoch in ihrer formalen Gestaltung ebenso Prozesse der Verwandlung ein.“

Bernd-Alois-Zimmermann-Stipendium für Musik

Der gebürtige Chilene Francisco C. Goldschmidt lebt seit 2011 in Köln. „Er geht in radikaler Weise von den immanenten Möglichkeiten der traditionellen europäischen Musikinstrumente aus“, die er „auf fantasievolle Weise erweitert“, heißt es in der Jury-Begründung unter anderem. Dabei erreiche seine Musik „neben einer erstaunlichen expressiven Kraft eine geradezu politische Dimension, indem sie nämlich zum Analogon einer Gesellschaft wird, in der das Individuum nur mit sich selbst beschäftigt zu sein scheint“. Das große Verdienst seiner Musik sei, dass sie „bei all dem immer und vor allem als von sich selbst, das heißt als von innen heraus bestimmt erscheint“.

Horst und Gretl Will-Stipendium für Jazz/improvisierte Musik

Lucas Leidinger hat sich seit 2012 kontinuierlich für dieses Stipendium beworben. So konnte sich die Jury ein „kumuliertes Bild seiner künstlerischen Aktivitäten“ hin zu einem „prägenden Bandleader und Komponisten“ mit einem „Berg von Fantasie“ machen. Sie hofft zuversichtlich, seine weitere Entwicklung, „die gleichermaßen stürmisch und intensiv wie solide und zielgerichtet erscheint, mit dem Stipendium wirksam unterstützen zu können“. Im September erscheint seine neue CD „Lucas Leidinger Trio und Strings“.

Chargesheimer-Stipendium für Kunst

Das Stipendium teilt sich das Künstlerinnenduo Miriam Gossing und Lina Sieckmann, die im vorigen Jahr ihr Studium an der Kölner Kunsthochschule für Medien abgeschlossen haben. Ihre gemeinsamen Kurzfilme – „an der Grenze zwischen Dokumentation, Fiktion und Suggestion“ – erinnern die Jury an Alfred Hitchcock und David Lynch: „Es ist ein Warten darauf, dass endlich etwas passiert. Und die gleichzeitige Hoffnung, dass es nicht allzu schlimm werden wird.“. Ihre bisher in den USA entstandenen beiden „äußerst fotografischen“ Filme greifen Hochzeitskapellen und Wohnhäuser einer Vorortsiedlung auf, die zugleich Orte der „Harmonie und Sehnsucht, der Zuflucht und Hoffnung“ sind und gleichzeitig nur „Metaphern für den eigentlichen, unausgesprochenen Horror“ sind.

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