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Evamaria Schaller ist die 20. Dormagen-Gufanti-Stipendiatin

‚Endlich mal ein sinnvolles Stipendium‘

4. April 2016 | 14:45 | ehu
Evamaria Schaller freut sich auf die „tolle Atmosphäre“ in der Longericher SBK-Wohnanlage für Menschen mit Behinderungen. Foto: ehu

Evamaria Schaller freut sich auf die „tolle Atmosphäre“ in der Longericher SBK-Wohnanlage für Menschen mit Behinderungen. Foto: ehu

Lachsalven sind ihr persönliches Markenzeichen. Die Fähigkeit, Berührungsängste zur Kunst abzubauen und Positives zu vermitteln sowie der Einsatz des eigenen Körpers zeichnen ihre Kunst aus. So die Jury – und verlieh Evamaria Schaller das Dormagen-Guffanti-Stipendium 2016.

Ausgeschrieben war es in diesem Jahr für die Sparte Video/Installation. „Mit Evamaria Schaller bekommen wir die Performance noch obendrein“, freut sich Jury-Mitglied Jochen Heufelder. Damit konnte sich die 35 Jahre alte gebürtige Grazerin gegen acht andere Bewerberinnen und Bewerber durchsetzen. In Kölns Förderszene ist sie keine Unbekannte: 2011 erhielt die das Chargesheimer-Stipendium, nach dem halben Jahr im Dormagen-Guffanti-Heim kann sie ein Atelier im Istanbuler Stadtteil Galata beziehen.

Vorher geht es noch für ein paar Wochen nach China. Überhaupt: Sie hat schon viel im Ausland ausgestellt und gearbeitet, ist international vernetzt, kann zahlreiche Stipendien vorweisen. Die Zusage für das Dormagen-Guffanti-Stipendium soll ihr Freund so kommentiert haben: „Endlich mal ein sinnvolles Stipendium“

Bei den Interventionen im öffentlichen Raum setzt sie ihren Körper als „Material“ ein

Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit sind gefilmte Interventionen im öffentlichen Raum, wobei ihr – so noch einmal die Jury – „ihre große Offenheit im Umgang mit Menschen und ihr Humor“ hilft. Bei diesen Interventionen nimmt sie „mit dem eigenen Körper als Material sowohl auf bestehende Architekturen Bezug wie auf den öffentlichen Raum. Sie schafft dabei Momente, mit denen sie unsere Wahrnehmung für die Umgebung zu schärfen versucht und die Möglichkeit des Scheiterns performativ, zum Teil auch medial in Videos reflektiert“.

Die Bewohner der SBK-Wohnanlage für Menschen mit Behinderungen in Longerich, mit denen sie zusammen künstlerisch arbeiten soll, können sich also auf Einiges gefasst machen. Schaller, die seit fast zehn Jahren in Köln lebt und arbeitet, hat sich dort schon einmal umgeguckt und ist von der Anlage begeistert – von den Gebäuden, von der Parkanlage und von der ganzen Atmosphäre: „Eine total tolle Stimmung.“. Was sie genau machen wird, weiß sie noch nicht, aber Gemeinsamkeit ist ihr wichtig. Beim Arbeiten, Tanzen, Essen.

Erfahrungen mit behinderten Menschen sind keine Voraussetzung für dieses Stipendium, wohl aber willkommen. Schaller hat sie: Ihre Tante war schwerbehindert und wurde von der Künstlerin mitgepflegt. Sie war an drei Ausstellungen für „Insider-Outsider-Art“ beteiligt. Bei zwei Workshops an der Essener Folkwang-Schule arbeitete sie mit verhaltensauffälligen Kindern. „Die waren wahnsinnig kreativ“, erzählt sie. Bei ihrem aktuellen Stipendium setzt die Jury „großes vertrauen in Evamaria Schallers menschliches Feingefühl und ihre Erfahrung“.

Das Stipendium erinnert an den Kölner Arzt Hubert Dormagen

Das Stipendium erinnert an den Arzt Hubert Dormagen. Er hatte der Stadt 1913 fast 500.000 Mark vermacht, wovon ein „Krüppelheim“ gebaut werden sollte. Daraus ist das heutige “Städtische Behindertenzentrum Dr. Dormagen-Guffanti” der Sozialbetriebe Kölön (SBK) geworden. Im Erbe befand sich auch eine Gemäldesammlung. Das Betrachten dieser Bilder sollte „die Heilung der Kranken beschleunigen“. Die Bilder befinden sich heute größtenteils im Wallraf-Richartz-Museum.

In diesem Jahr wird das Stipendium zum 20. Mal verliehen und jährlich bundesweit für eine andere Kunstsparte ausgeschrieben. Es läuft über sechs Monate, ist mit 770 Euro monatlich plus einem einmaligen Materialkostenzuschuss von 1000 Euro dotiert und erstmalig mit einem Fahrtkostenzuschuss von 500 Euro ausgestattet. Der Preisträger erhält – bei Präsenzpflicht – ein Atelier am Lachemer Weg. Hier soll der Preisträger mit den Bewohnern des Komplexes, auf dem u.a. die Aids-Hilfe und die Emmaus-Gemeinde beheimatet sind, ein Projekt umsetzen. Zum Abschluss gibt es eine Ausstellung.

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