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Kunst im öffentlichen Raum: 3. Planquadrat des Projekts „Stadtlabor“ in Arbeit

Kunibertsviertel im Griff der Wirtschaft

28. Juni 2016 | 10:00 | ehu
"mein ist dein ist": Vier Holzbrocken vor St. Kunibert laden zum Sitzen ein. Foto: ehu

„mein ist dein ist“: Vier Holzbrocken vor St. Kunibert laden zum Sitzen ein. Foto: ehu

Mit dem Projekt „Stadtlabor“ beschloss der Kölner Rat 2012, die Wirkung von Kunst öffentlichen Raums zu untersuchen. Im vorigen Dezember vergab der Rat den Auftrag für das Kunibertsviertel. Vor kurzem legten die beauftragten Künstlerinnen Doris Frohnapfel (Köln) und Ina Wudke (Berlin) im Horizont-Theater einen ersten öffentlichen Bericht vor.

Vorangegangen war ein öffentlicher Stadtspaziergang durch das Viertel, das durch den Rhein im Osten, den Theodor-Heuß-Ring im Norden, die Turiner Straße im Westen und die Deutsche Bahn im Süden begrenzt wird. Auf dem Platz vor St. Kunibert hatten die beiden Künstlerinnen – ihnen stehen für sechs Monate 25.000 Euro zur Verfügung – vier große Holzblöcke zum Sitzen aufgestellt.

Das temporäre Kunstwerk trägt den eingeschnitzten Titel „mein ist dein ist“. Er verweist auf das Thema, das sich das Duo vorgenommen hat: Welchen Einfluss hat die Wirtschaft auf die Gestaltung des öffentlichen Raums, wie werden die Bedürfnisse der Bewohner berücksichtigt?

Der Vorwurf: Wenn eine Bank mit einem Geschenk lockt, wird die Stadt weich

Gute Beispiele fanden sie nicht, als negative nannten sie unter anderem die Straße Unter Krahnenbäumen, die von der Turiner Straße nur noch durch eine Treppe zu erreichen ist. Dann den privatisierten Platz vor dem Cologne Marriott, für den die Johannisstraße verlegt wurde. Besonders heftig kritisierten sie den geplanten Obelisk der Künstlerin Rita McBride in der Mitte des Kreisverkehrs vor dem Hotel Central am Breslauer Platz. Dieser ist ein vom Rat auf Empfehlung des Kunstbeirats angenommenes Geschenk der Sparda-Bank West, Wert inklusive Transport 100.000 Euro. Die Stadt trägt die Kosten für das Fundament. Geplant waren dafür 40.000 Euro. Weil das aber aufwändiger gebaut werden muss, wird es teurer.

Ina Wudke kritisierte, dass die Stadt dem Gestaltungswunsch eines Wirtschaftsunternehmens gefolgt sei statt eine eigene Idee zu entwickeln. Der Bank warf sie vor, sich mit dem Geschenk von Steuern freizukaufen. Schließlich sei ein Obelisk nicht gerade originell, zumal das „Original“ des künftigen Kölner Kunststoffobjekts in Essen steht.

Was aus ihren Beobachtungen für die künftige Gestaltung des Viertels folgt, bleibt derzeit noch mehr als nebulös. Die Untersuchung des ersten „Planquadrats“ im Rahmen des Stadtlabors – es ging um um das Viertel zwischen Hohe Straße und Nord-Süd-Fahrt – löste zum Teil heftige Diskussionen aus um die dort platzierte Kunst im öffentlichen Raum und den Umgang mit ihr. Diese dauern bei der Domspitze vor dem Domforum und der Sanierung der kinetischen Plastik an einem Kaufhaus an der Hohe Straße noch immer an. Beim zweiten Planquadrat entwickelte das beauftragte Team mit den Bewohnern Ideen zur Umgestaltung des Platzes rund um den „Düxer Bock“ in Deutz.

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