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artothek zeigt Videoarbeit von Benjamin Ramirez Perez

Neue Sinnzusammenhänge für alte Filme

6. Dezember 2015 | 10:00 | ehu
Chargesheimer-Stipendiat Benjamin Ramirez Perez zeigt sein Video „Body Snatcher“ in der artothek. Foto: ehu

Chargesheimer-Stipendiat Benjamin Ramirez Perez zeigt sein Video „Body Snatcher“ in der artothek. Foto: ehu

Seine Videoarbeit einfach auf eine weiße Wand projizieren – das war Benjamin Ramirez Perez dann doch zu simpel. Zumal in der Nierentisch-Architektur der artothek. So stellte er eine riesige Wand quer in den Ausstellungssaal, auf der jetzt sein rund 17 Minuten langer „Body Snatcher“ zu sehen ist.

Perez ist Absolvent der Kölner Hochschule für Medien und erhielt in diesem Jahr das Chargesheimer-Stipendium der Stadt Köln. Offiziell überreicht wurde es ihm bei der Eröffnung der Ausstellung, die Teil des Preises ist.

Seine Videoarbeiten sind intensive Auseinandersetzungen mit dem Filmischen, sie verbinden formale Fragestellungen mit der Realisierung eigener, genuiner Bildideen“, begründete die Jury unter anderem ihre Entscheidung. „Die Motive seiner komplexen narrativen Videoarbeiten kreisen um Themenfelder wie Identität, Erinnerung, Verletzbarkeit oder Scham.“. Grundlage sind „herausgelöste Fragmente“ vorhandener Filme, die „in einen abstrakten Raum oder neue Sinnzusammenhänge überführt und so in neue Bedeutungsebenen getragen“ werden, so die Beschreibung seiner Arbeitsweise. Perez selber nennt seine Neu-Inszenierungen „assoziatives Erzählen in einer Versuchsanordnung“.

Bleibt die Frage, ob man die ursprünglichen Filme kennen muss, um das „Neue“ erkennen zu können. Der Ausgangspunkt für „Body Snatcher“ ist Barbara Lodens 16-mm-Film „Wanda“ aus dem Jahr 1971, der heute sicherlich nur eingefleischten Cineasten erinnerlich ist. Wer ihn nicht kennt, dem bleiben schöne – immer wieder gezoomte und sich drehende – Bilder von beblümten Badekappen, geheimnisvollen Modellen schwarzer Sandberge, eines Blumenbuketts, einer roten Autositzbank und verzerrte (Original-?)Bilder einer Frau, die durchs Gehölz rennt, einer Autofahrt und eines Steinbruchs. Freie Fahrt für wilde, individuelle Assoziationen! Dazu Sequenzen mit großen Farbflächen, die sich über das Bild bewegen und abstrakte Räume bilden – was der 27-Jährige in seiner Rauminstallation für die artothek aufgreift.

Benjamin Ramirez Perez: Body Snatcher“ – bis 19. Dezember 2015, artothek, Haus Saaleck, Am Hof 50, 50667 Köln, Tel. 0221 / 221 22 332, Di-Fr 13-19 Uhr, Sa 13-16 Uhr, Eintritt frei.

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