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„Jemand wie ich“: Acht Schauspielschüler zeigen im Depot 2 ihr Können

Laut und wirr: Die Suche nach dem Ich

8. Dezember 2016 | 10:00 | ehu
Nacktheit ist Wahrheit – doch in "Jemand wie ich" bleibt am Ende nur das Halbnackte. Foto: Ana Lukenda / Schauspiel Köln

Nacktheit ist Wahrheit – doch in „Jemand wie ich“ bleibt am Ende nur das Halbnackte. Foto: Ana Lukenda / Schauspiel Köln

Sie stehen am Anfang ihrer Karriere. Ihr Beruf: sich auf der Bühne oder vor der Filmkamera in andere Persönlichkeiten zu verwandeln. Nun wollen sie wissen: Wer bin ich, wer kann ich sein? Im Theaterstück „Jemand wie ich“ spielen es die drei Schauspielschülerinnen und fünf Schauspielschüler aus Leipzig nach. Es hatte jetzt im Schauspiel Premiere.

Wie Ausschneidepuppe stehen sie zu Beginn auf der Bühne: Diese Figuren aus Papier, die man ausschneidet und denen man dann – ebenfalls ausgeschnittene – Kleider, Hosen oder Perücken anziehen und sie so in verschiedenen „Personen“ verwandeln kann. Und dann kommt das Angebot, stolz verkündet: „Sie suchen jemanden wie mich!“.

Aber warum gerade jemanden wie mich, was ist das Besondere an mir? So fragen sich Marlene Tanczik, Kristin Steffen, Elisa Schlott, Elias Reichert, Robin Meisner, Nils Hohenhövel, Nicolas Handwerker und Nicolas-Fredrick Djuren hin und her, wechseln Rollen und Kostüme. Kann die Braune auch eine Blonde spielen? Warum spielt der eine einen Analytiker, der andere einen Cowboy – oder ginge es auch andersherum. Wer ist der bessere Liebhaber, die bessere Liebhaberin?

Auf den Spuren von Ingrid Bergman, Gregory Peck, Marilyn Monroe und Elvis Presley

Sie tauchen ein in die Welt des Films, verlaufen sich – die Rollen tauschend – auf den Spuren von Ingrid Bergman und Gregory Peck in Hitchcocks Klassiker „Ich kämpfe um dich“. Wobei die Geschichte um einen Analytiker genug Anlass gibt. Auch die eigene Geschichte zu hinterfragen. Und „Spiel mir das Lied vom Tod“ lässt sie zur Pistole greifen. Was bringt es, Marilyn Monroe oder Elvis Presley zu werden – eine Perücke reicht ja.

Stück für Stück reißen sie sich die Kostüme vom Leib, am Ende stehen sie im Unterzeug da. Fast nackt – doch auch das hilft nicht, zum eigenen Kern vorzustoßen. Genauso wenig wie die Flucht von der Bühne: Zwar kann man die Vorhänge abreißen, die die Spielstätte umschließen. Doch ach, die Tore nach draußen sind verschlossen.

Nur einem gelingt die Flucht – doch auch er liegt nach 80 Minuten tot auf der Bühne

Nur einem gelingt die Flucht ins eiskalte Draußen. Ein Schuss – und blutend kehrt er zurück. Das oft unverständliche Durcheinanderschreien geht weiter – und einer nach dem anderen sinkt sterbend dahin. Nach 80 Minuten bleibt es am hervorragenden Philipp Pleßmann (Klavier und Rockgitarre) einen Abschied zu pfeifen.

Die Autorin Charlotte Roos hat „Jemand wie ich“ gemeinsam mit den Schülern der Leipziger Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy““ entwickelt – eine wirre, effektheischende Geschichte. Regisseur Bruno Cathomas treibt die acht Eleven zu Höchstleistungen an, körperlich und stimmlich. Zumindest dafür hatten sie sich den starken Premierenapplaus verdient.

Jemand wie ich“ – weitere Vorstellungen: 10., 13., 18. (19 Uhr) und 22. Dezember (jeweils 20 Uhr) Schauspiel Köln, Depot 2 im Carlswerk, Schanzenstr. 6-20, 51063 Köln-Mülheim, Karten: Tel. 0221 / 22 12 84 00, Fax 0221 / 22 12 82 49, E-Mail: tickets@buehnenkoeln.de, dazu alle Vorverkaufsstellen von KölnTicket. Kartenservice mit Vorverkauf und Abo-Büro in der Opernpassage zwischen Glockengasse und Breite Straße.

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