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Chargesheimer-Stipendiatinnen 2016 zeigen Kurzfilm und Tagebuch

Miriam Gossing und Lina Sieckmann in der artothek

3. November 2016 | 08:00 | ehu
Genießen die temporäre Sitzecke in der artothek: Lina Sieckmann und Miriam Gossing (r.). Foto: ehu

Genießen die temporäre Sitzecke in der artothek: Lina Sieckmann und Miriam Gossing (r.). Foto: ehu

Dass sie das Kölner Chargesheimer-Stipendium erhalten, wissen Miriam Gossing und Lina Sieckmann schon seit zwei Monaten. Am Mittwoch wurde er offiziell überreicht. Am gleichen Tag gab’s noch eine 15.000-Euro-Überraschung: Ihr Film „Ocean Hill Drive“ wurde für den Deutschen Kurzfilmpreis nominiert (Verleihung am 7. November).

Der 20-Minuten-Experimentalfilm – in diesem Sommer auch beim Oberhausener Kurzfilmfestival ausgezeichnet – ist Teil der Ausstellung, die traditionell mit dem Chargesheimer-Stipendium verbunden ist und jetzt in der artothek eröffnet wurde. Er zeigt, womit die Kölner Jury ihre Entscheidung begründete.

Die Filme des Duos liegen „an der Grenze zwischen Dokumentation, Fiktion und Suggestion“, erinnern an Hitchcock und David Lynch und die Bilder von Harmonie und Sehnsucht seien eigentlich nur Metaphern für den eigentlichen, unausgesprochenen Horror.

Geheimnisvolle Lichtspiele bringen Unruhe in eine US-Kleinstadt

Zu sehen – und leider nur auf Englisch zu hören – ist die Dokumentation aus einer kleinen US-Stadt. Die Bewohner erzählen von merkwürdigen Lichtspielen, deren Ursache im Dunkeln bleibt (und hier auch nicht verraten werden soll). Zu sehen sind dazu Bilder von Häusern und deren Einrichtungen, nächtliche Straßenszenen, nur wenige Menschen – alles entspricht den Klischees. Nur die Lichtspiele passen nicht dazu, woraus sich eine geheimnisvolle Spannung ergibt.

Zwei Jahre Vorbereitung dauerten die Arbeiten für diesen Film (die eigentlichen Dreharbeiten vor Ort zwei Monate). Dabei reisten die beiden Filmemacherinnen auch quer durch die USA. Dabei entstand ein „Tagebuch“, dass aus eigenen und aus Fremdfotos sowie Zitaten aus US-Road–Romanen besteht.

Auch diese Fotos erfüllen Klischees, etwa die Aufnahmen von der weiten Landschaft des Monument Valleys, von Straßenkreuzern, Motels, Tankstellen oder Bars, die an Bilder von Edward Hopper erinnern. Andere dagegen sind nur schwer zu deuten, sind verschwommen, zeigen undefinierbare Ausschnitte. So wird auch hier mit Vorstellungen gespielt, die das Image der USA prägen.

Aus einem Filmfundus haben sich Sieckmann & Gossing das passende Mobiliar entliehen, um daraus eine typische, leicht muffige Motel-Lounge zu „rekonstruieren“. Die steht nun in einer Ecke der artothek-Empore und lädt mit ihren weichen Sesseln dazu ein, in aller Ruhe das ausgelegte Tagebuch zu studieren.

Miriam Gossing und Lina Sieckmann: „This has been going on for years“ – bis 19. November 2016, artothek, Haus Saaleck, Am Hof 50, 50667 Köln, Tel. 0221 / 221 22 332, Di-Fr 13-19 Uhr, Sa 13-16 Uhr, Eintritt frei.

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