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Museum Ludwig: Direktor Dziewior stellt Programm für 2017 vor

Mit Gerhard Richter und James Rosenquist ins nächste Jahr

13. Dezember 2016 | 18:30 | ehu
Voller Engagement stellt Museumsdirektor Yilmaz Dziewior das Programm für 2017 vor. Foto: ehu

Voller Engagement stellt Museumsdirektor Yilmaz Dziewior das Programm für 2017 vor. Foto: ehu

Klar – wenn der Kölner Gerhard Richter seinen 85. Geburtstag feiert, ist das Museum Ludwig dabei: Genau am 8. Februar eröffnet es eine „Präsentation“ seiner Werke. Am Dienstag stellte Direktor Yilmaz Dziewior das Ausstellungs-Programm für das Jahr 2017 vor.

Die „Präsentation“ für den Künstler, der seit Jahren den „Kunstkompass“ für die wichtigsten Künstler anführt, ist die erste der vielen hochkarätigen Ausstellungen, die geplant sind. Gut drei Monate wird sie dauern und neben jüngsten Arbeiten auch die Klassiker zeigen, die im Museum vertreten sind.

Otto Freundlich. Kosmischer Kommunismus“ ist die zweite Ausstellung (ab 18. Februar). Er gilt als einer der originellsten Abstrakten des 20. Jahrhunderts. Die Nazis diffamierten ihn als „entartet“, makabre Anerkennung: eine seiner kubistischen Kopfplastiken prangte auf dem Plakat, mit dem für die Ausstellung „Entartete Kunst“ geworben wurde. 1943 wurde Freundlich im KZ ermordet. Auch hier besitzt einige seiner bedeutendsten Plastiken. Vor allem aber – und das ist nur wenigen bewusst – in der Oper hängt sein Wandmusik „Geburt des Menschen“, 1919 geschaffen, überstand es den Krieg und wurde 1954 von Köln erworben.

Gepennt: Österreich kaufte statt Köln die Sammlung von Wolfgang Hahn

Weniger Sachverstand zeigte die Stadt nach dem Tod des Kunstsammlers Wolfgang Hahn (1924-1987). Der langjährige Chefrestaurator am Museum Ludwig hatte Kunst der 60er Jahre gesammelt, unter anderem Fluxus, Konzeptkunst und Happening-Dokumente. Köln wollte die Sammlung nicht kaufen, wohl aber der Staat Österreich. 30 Jahre nach Hahns Tod organisiert das Kölner Museum zusammen mit dem Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig in Wien (mumok) nun die Ausstellung „Kunst ins Leben!“ (Eröffnung: 24. Juni). Nach Köln wird sie auch an der Donau gezeigt.

Kammer-Ausstellungen mit Trisha Donelly, Reena Spauling und Werner Mantz

Zu Ehren Wolfgang Hahns wird seit 1994 der Wolfgang-Hahn-Preis verliehen. Er besteht aus einer Ausstellung un einem Ankauf von bis zu 100.000 Euro. Die Gewinnerin 2017 ist Trisha Donelly. Ihre eigenwilligen Arbeiten werden ab dem 25. Mai präsentiert.

Eine weitere „kleine“ Ausstellung widmet sich dem Phänomen Reena Spauling. Es handelt sich dabei um eine ebenso fiktive wie reale Galeristin und Künstlerin. Dahinter steckt das New Yorker Künstlerkollektiv Bernadette Corporation, das mit den Mechanismen des Kunstbetriebs beschäftigt (Eröffnung 3. Juni).

Eine Überraschung dürfte auch die Präsentation von Werner Mantz sein. Bekannt ist er vor allem durch seine Fotos aus den 1920er Jahren, mit denen er den Bau der Kölner Siedlungen dokumentierte. Jetzt gilt es, auch seine Porträts prominenter Zeitgenossen zu entdecken. (14. Oktober)

Hochkarätige Leihgaben aus New York für James-Rosenquist-Schau

Mit „James Rosenquist. Painting as Immersion oder das Eintauchen ins Bild“ (Eröffnung 18. November) ist die letzte Ausstellung des nächsten Jahres. Renommierte Museen wie MOMA und Guggenheim in New York oder das Centre Pompidou in Paris haben hochkarätige Leihgaben zugesagt. Die Kuratoren wollen vor allem den politischen Kontext aufzeigen, in dem die Werke des Pop-Artisten entstanden. Was also steckt hinter dem Monumentalbild „Starthief“, das derzeit im Treppenhaus des Kölner Museums hängt?

Das laufende Jahr war für das Kölner Museum äußerst erfolgreich

Der Vorschau hängte Dziewior den Rückblick auf ein äußerst erfolgreiches Jahr 2016 an, das Jahr, in dem das Museum Ludwig gleich drei Jubiläen feiern konnte: Vor 60 Jahren schenkte der Sammler Josef Haubrich der Stadt seine Sammlung Kunst des 20. Jahrhunderts, vor 40 Jahren machte es ihm das Ehepaar Irene und Peter Ludwig mit seiner Pop-Art-Sammlung nach, vor 30 Jahren bezog das Museum sein heutiges Haus.

Nicht nur diese Ereignisse bescherten dem Museum zahlreiche Presseartikel. Zuletzt war es – so ein strahlender Dziewior – die Gruppen-Ausstellung „Wir nennen es Ludwig“ (sie läuft noch bis zum 8. Januar). Sie lockte bis jetzt schon über 70.000 Besucher und wurde in einer Umfrage der „Welt am Sonntag“ bei Kunstkritikern zur „Inszenierung des Jahres“ gewählt.

Mit dieser Ausstellung zeigt das Museum seine Kompetenz im Bereich Präsentation. Ein erfolgreiches Beispiel für Forschung war Ausstellung über Fernand Leger, die die eher unbekannte Auseinandersetzung des Malers mit Architektur zeigte. Auch für die dritte Aufgabe eines Museums, das Sammeln, zog Dziewior eine positive Bilanz.

18 Objekte konnten – oft mit der Unterstützung von Förderkreisen oder Einzelpersonen – angekauft werden (so von Wade Guyton, Juliette Blightman, Anne Imhof und Nil Yalter) oder wurden dem Haus geschenkt. Hier zeigten sich auch Künstler wie Gerhard Richter, Jeff Wall oder Endre Tot.

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