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Wenn in Köln die Küche zum Konzertsaal wird

Zum 20. Mal: ‚Musik in den Häusern der Stadt‘

26. September 2016 | 20:00 | ehu
Kiddo Kat wurde mit einem Clip bei Youtube bekannt: 80 Millionen Mal abgerufen, ebnete er ihr den Weg ins Musikgeschäft. Bild: © Niculai Constantinescu

Kiddo Kat wurde mit einem Clip bei Youtube bekannt: 80 Millionen Mal abgerufen, ebnete er ihr den Weg ins Musikgeschäft. Bild: © Niculai Constantinescu

Preise und Stipendien gibt es genug, Auftrittsmöglichkeiten fehlen!“. So klagten Kölns Musiker 1989. Beim gemeinnützigen Kunstsalon e.V. fanden sie offene Ohren. Er hob das Festival „Musik in den Häusern der Stadt“ aus der Taufe. In der ersten Novemberwoche findet es mit 54 Konzerten zum 20. Mal statt.

Die Idee war so gut, dass die Konzerte inzwischen – parallel zu Köln – auch in Bonn, Hamburg und erstmals auch in München stattfinden: Kunstfreunde laden Musiker und (zahlende) Gäste in ihre Privaträume ein. Das können Küchen oder Wohnzimmer sein, aber auch Galerien, Büroräume und in diesem Jahr sogar die Ford-Motorenhalle. Die wird für den Auftritt des Soul-Funkers Frierson und seiner Soulprint Band leergeräumt.

Gut 5000 Besucher werden inzwischen jeweils gezählt. „Sie kommen wegen der Musik, nicht mehr wie in den Anfangsjahren, weil sie neugierig auf Privaträume waren“, beschreibt Vereinsvorsitzender Peter Bach die Nachfrage. Weil in manche Räume nur 30 Zuhörer passen, sind die Eintrittkarten schnell vergriffen.

Die Gastgeber können sich aus einem Dreier-Angebot –meist aus Nachwuchskünstlern – aussuchen, was ihnen gefällt. Außerdem sollte es in den angebotenen „Konzertsaal“ passen. Bei Bedarf kann auf vier „Stuhl-Pools“ zurückgegriffen werden. Kostenlos ist es für die Gastgeber nicht, nicht nur, weil sie meistens auch einen Imbiss bereitstellen. Mit einer Spende an den verein müssen sie sich „einkaufen“, deren Höhe wird diskret verschwiegen, man will keinen abschrecken.

Der Verein legt Wert darauf, den Musikern angemessene Gagen zu zahlen

Das aber reicht nicht, um den Künstlern ein angemessenes Honorar „im oberen Drittel des Üblichen“ zu zahlen. Darauf aber legen die Organisatoren großen Wert, weshalb sie auf Sponsoren angewiesen sind und auf eigene Mittel zurückgreifen. Auf staatliche Subventionen wird aus Prinzip verzichtet. „Langfristig schließen wir mit plus-minus Null ab“, sagt Bach und verschweigt nicht, dass es auch schon einmal ein fünfstelliges Defizit gegeben hat.

Ich liebe den engen Kontakt mit den Musikern und die Gespräche danach“, begründet Anja Knoess, warum sie seit 2007 immer wieder Gastgeberin ist. Und stößt damit auf Gegenliebe bei den Musikern. „Das kann man bei einem normalen Konzert nicht erleben“, erklärt stellvertretend für sie der Jazzpianist Alexander Paeffgen. Außerdem – so berichten beide – entstehen durch diese Gespräche oft Freundschaften. Diese „Intimität“ soll auch nicht durch ein aufgeblasenes Programm gestört werden.

316 Musiker aus vielen Ländern bieten für jeden Geschmack etwas

Und was erwartet den Musikfreund in diesem Jahr? 316 Musiker bieten für jeden Geschmack etwas: Klassik, Jazz, Pop, Rock, Weltmusik, Crossover, Tango, Balkan, Singer-Songwriter, Soul, Funk, Groove, Chanson, Volksmusik, Improvisation. Dafür stehen Namen wie Helene Rüegg & Mischa Pfeiffer (Tango), Karakulka & Rubanez (Klaasik mit dem Zimbal), die Tonali-Preisträger Christoph Heesch und Friedrich Thiele, US-Singer-Songwriter Erik Penny, „Kiddo Kat“ (Funk), „Steal A Taxi“ (frischer Pop), Myra Maud (aus Martinique), das „Madame Pomsky Orchester“ (ein Duo mit Liedern am Rande des Kaberett), Kitty Hoff (deutsache Chansons), das „Trio Mikärbo & Peter Tonger (mit Heinrich Heines „Buch der Lieder) oder der Soul-Sänger Jeff Cascaro.

Das „Kunstsalon-Orchester“ mit Klaus „der Geiger“ von Wrochem lädt wieder zu einem Benefizkonzert ein. Und zum 20. Geburtstag gibt es noch ein kleines dreitägiges „Festival im Festival“ mit jeweils mehreren halbstündigen Konzerten. Und wer jetzt nachrechnet: 1998 erstmals „Musik in den Häusern der Stadt“ und jetzt schon das 20 Mal? Sind das nicht nur 19 Jahre? Stimmt – aber 2007 gab’s das Festival zweimal.

Musik in den Häusern der Stadt“: 1. bis 6. November, Karten (20/13 Euro) sind ab sofort erhältlich bei www.kunstsalon.de.

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