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27. Kölner Theaterpreise mit insgesamt 32.600 Euro verliehen

Theater der Keller: Preis für „100 Prozent Gegenwart“

9. Dezember 2016 | 09:00 | ehu
Freude beim Theater der Keller: Statt einer Einzelproduktion wurde diesmal gleich ein ganzes Theater für seine politischen Stücke ausgezeichnet. Bild: © Janet Sinica / SK Stiftung Kultur

Freude beim Theater der Keller: Statt einer Einzelproduktion wurde diesmal gleich ein ganzes Theater für seine politischen Stücke ausgezeichnet. Bild: © Janet Sinica / SK Stiftung Kultur

Die Mitarbeiter des Theaters der Keller können sich über eine (kleine) Gehaltserhöhung: Intendant Simon Keller will 4000 Euro an die Belegschaft verteilen. So hoch ist der Preis dotiert, den sein Haus  am Montag bei der 27. Verleihung der Kölner Theaterpreise erhielt.

Es war die große Überraschung: Erstmals wurde keine Produktion als „bestes politisches Theaterstück“ ausgezeichnet, sondern gleich ein ganzes Theater. Der von der Freien Volksbühne ausgelobte „Kurt-Hackenberg-Preis“ ging an das Theater der Keller. „Wenn wir keine Einzelinszenierung ausgewählt haben, sondern das Theater der Keller als Ganzes und damit alle, die dort arbeiten, mit dem Preis auszuzeichnen, dann soll damit auch eine grundsätzliche Würdigung der Arbeit eines Theaters dieser Art in diesen Zeiten zum Ausdruck kommen: Politisch im Sinne unseres Preises ist auch die konsequent-mutige Haltung, sich der Gegenwart zu stellen – so, wie das Theater der Keller mit seinen verfügbaren Mitteln und Möglichkeiten!“, begründete die Jury ihre Entscheidung.

Ich bin sehr glücklich“, meinte denn auch Simon im Nachhinein – auch im Namen seiner Mitarbeiter. „Es wird etwas honoriert, wofür wir uns seit drei Jahren einsetzen: 100 Prozent Gegenwart.“. Vor allem aber: Auch die Zuschauer honorierten dies.

Der Komed-Saal im Mediapark war wie immer voll, Kölns freie Theaterszene feierte. Sieben Preise mit einer Preissumme von insgesamt 32.600 Euro wurden verliehen. Durch das Programm führte gewohnt gekonnt Hans-Georg Bögner, Geschäftsführer der SK Stiftung Kultur, die die Verleihung seit Jahren organisiert. Für Auflockerung sorgte das Akrobatik-Duo „E1NZ spielt 2WÄI“ aus Winterthur. Im Mittelpunkt aber stand die Zeremonie a la Hollywood: „And the winner is…“

Bestes Theaterstück: „Der unbekannte Nachbar – eine Trilogie über den Tod“

Zum besten Theaterstück des Jahres wurde 
“Der unbekannte Nachbar – eine Trilogie über den Tod“ gekürt. „Ihnen gelingt das Kunststück, einem das Thema so unmittelbar nahe zu bringen, dass es nicht nur an den jeweiligen Abenden persönlich berührt, sondern sich nachhaltig in der Erinnerung festgesetzt hat“, lobte die Jury die Produktion des freien Theaterkollektivs „Futur3“. Das Preisgeld von 10.000 Euro wurde gestiftet von der Sparkasse KölnBonn, dem Kulturamt der Stadt Köln und dem Mediziner Manuel Cornely.

Bestes Kindertheater: „Götter. Wie die Welt entstand“

Götter. Wie die Welt entstand“ ist das beste Kindertheaterstück. Die Gruppe Subbotnik konnte dafür 5000 Euro in Empfang nehmen, bereit gestellt von der GAG. Die Jury urteilte über die Koproduktion von Subbotnik, FFT Düsseldorf, Theater an der Ruhr und Freiem Werkstatt Theater unter anderem so: „Das Schönste an dieser Schöpfungsgeschichte aber ist die hochkonzentrierte Beiläufigkeit, mit der sie erzählt wird. Alles bleibt im Fluss, nichts bleibt stehen. Tragik kann in Slapstick, Klarheit in Verwirrung umschlagen. Von einem Moment auf den anderen.“

Bestes Tanztheater: „Leviah“

Der Tanztheaterpreis – 5000 Euro von der TÜV-Rheinland-Stiftung – ging an „Leviah“, eine zeitgenössische Tanzperformance von Reut Shemesh (Choreographie, Konzept und Text). „Ihre Arbeit verknüpft in überzeugender Prägnanz künstlerische Kreativität mit politischer Aussagekraft und zeigt in jeder Bewegung ein universelles menschliches Dilemma auf: als Individuum in der Gesellschaft aufzugehen, eine Heimat zu finden, ohne als Persönlichkeit zu verschwinden“, so die Jury.

Beste Darstellerin: Sylvana Seddig

Mit der Fachklinik CG LYMPHA konnte ein neuer Förderer für die im Vorjahr ausgesetzten Auszeichnung „beste Darstellerin/bester Darstellerin“ gefunden werden. Über 3500 Euro freute sich Sylvana Seddig. „Scheinbar zart und eher mädchenhaft hübsch, vermag sie Alpträume herauf zu beschwören. Man schätzt an ihr die Unerschrockenheit, mit der sie sich ohne deplatziert zu wirken, in die ungewöhnlichsten Aktionen auf der Bühne wirft“, beschrieb die Jury vor allem ihren Auftritt in der Tanzperformance „Tanzsylvanien“.

Bester Nachwuchsdarsteller: Moritz Heidelbach

Der „Puck“ für den bester Nachwuchsdarsteller ging an Moritz Heidelbach. „Immer fesselt er die Aufmerksamkeit der Zuschauer, wirkt aber nicht manieriert.
Er ist ein vielseitiger junger Schauspieler, der längst auch auf dem Bildschirm präsent ist – hoffentlich aber auch noch oft auf Kölner Bühnen“, zeigte sich die Jury begeistert. Heidelbach spielt aktuell im Freien Werkstatttheater in „Ungefähr gleich“.

Ehrentheaterpreis für Ali Jalaly

Schon seit September stand fest, wer in diesem Jahr den Ehrentheaterpreis erhielt: Ali Jalaly, Regisseur, Schriftsteller, Theatermann und Wahlkölner mit iranischen Wurzeln. 
Die Jury für den Kölner Ehrentheaterpreis, die aus bisherigen Ehrentheaterpreisträgern besteht, begründet ihre einstimmige Entscheidung wie folgt: „Ali Jalaly hat sich in über zwanzig Jahren in vorbildlicher Weise für den internationalen Kunst- und Kulturaustausch eingesetzt.“

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