Adnet
Schaltplatz
Flüchtlingsdrama und Erziehungsroman: Uraufführung im Theater im Bauturm

Dramatisierter ‚Ukulele Jam’ begeistert gefeiert

23. Oktober 2016 | 17:00 | red
Begeisterte das Publikum: Jonas Baeck als heranwachsender Alen Meskovic in "Ukulele Jam". Foto: MeyerOriginals / TiB

Begeisterte das Publikum: Jonas Baeck als heranwachsender Alen Meskovic in „Ukulele Jam“. Foto: MeyerOriginals / TiB

15 Minuten Zeit geben die serbischen Soldaten der bosnischen Familie, ihre Koffer zu packen, den Bus zu besteigen. Die Vertreibung endet in an der kroatischen Küste. Wie er das als 14-Jähriger erlebt hat, erzählt Alen Meskovic in seinem Roman „Ukulele Jam“. Seine Dramatisierung wurde jetzt im Theater im Bauturm als Ein-Mann-Stück „uraufgeführt.

Es ist ein „Entwicklungsroman“, er erzählt von den Träumen des Heranwachsenden, der ersten Liebe, dem ersten Kater, der ersten Zigarette, das erste selbstverdiente Geld, der Frust in der Schule. Er erzählt von der Langeweile in dem ehemaligen Ferienlager der serbischen Armee, wo die Flüchtlingsfamilie – Vater, Mutter, Alen (genannt Miki) –über zwei Jahre lang auf die Rückkehr nach Zentralbosnien wartet.

Den bedrückenden Hintergrund bildet der Bürgerkrieg, der 1992 das ehemalige Jugoslawien zerriss und der von „ethnischen Säuberungen“ geprägt war. Alens älterer Bruder landet in einem serbischen KZ. Die Angst um dessen Leben beherrscht das Familienleben. Gewalttätige Auseinandersetzungen und Hierarchien bestimmen auch das Zusammenleben der Menschen im Flüchtlingslager.

Gemildert und gleichzeitig verstärkt wird der Frust durch ein benachbartes Touristendorf. Wäre da nicht die Musik, wer weiß, was aus Ales geworden wäre. So aber hält ihn vor allem serbischer Punk und westliche Heavy Metal am Leben – zu hören im „Ukulele Club“. Schließlich gelingt ihm die Ausreise nach Schweden.

Ein glänzend aufgelegter, energiegeladener Jonas Baeck prägt das Stück

Dorothea Schroeder hat in ihrer Inszenierung den Roman auf zwei Stunden zusammengedampft. Kleine Länge scheinen da unvermeidlich, doch werden diese von einem glänzend aufgelegten Jonas Baeck (auch an der Bühnenfassung des Romans beteiligt) als Alen überspielt. Ganz allein auf der Bühne, prägt er das Stück.

Gekonnt und charmant bezieht er das Publikum ein. Er erweist sich als Stimmtalent für Familienmitglieder und andere Rollen. Blitzschnell wechselt er die Aggregatszustände, von Fröhlichkeit zu Angst, von Witz und übermütiger Komik zu Ernst und Verzweiflung, vom verlegenen Pubertierenden zur head-bangenden Rock-Röhre. Unterstützt wird er dabei von intelligent gemachten Videos (German Arefjev), die Handlung und Gedankengänge mehr als nur „illustrieren“.

Die – bis auf zwei Stühle – leere Bühne scheint zu klein für Baecks Energie und Spielfreude. Am Ende gab es den verdienten langen und lauten Premierenbeifall – auch vom anwesenden Autor.

Ukulele Jam“ – weitere Termine: 23. (18 Uhr) und 24. (mit dem Autor Alen Meskovic) Oktober, 3. und 4., 11. und 12. November, 13. und 14. Dezember (jeweils 20 Uhr), Theater im Bauturm, Aachener Str. 24-26, 50674 Köln, www.theater-im-bauturm.de, Karten: Tel. 0221 / 52 42 42, und bei allen KölnTicket-Vorverkaufsstellen.

, , , , , , ,