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Aus Rheinland zum Tiroler Schlittenspaß

Traum-Rodelroute in der Wildschönau

3. Dezember 2016 | 14:30 | ag
Kurz vor Thierbach, wo im Sollererwirt schon Andreas Hofer logierte. Bild: ag

Kurz vor Thierbach, wo im Sollererwirt schon Andreas Hofer logierte. Bild: ag

Ein Paar zusammen? „Das sind immer zwei Haxen zu viel“, sagt Rainer Silberberger und empfiehlt das Singlemodell – für deutlich mehr Spaß und Sicherheit. Schon beim Ausleihen des Geräts gibt der routinierte Rodler wertvolle Tipps.

Dann Schlitten schultern, hoch mit der Schatzbergbahn auf 1850 Meter zur Bergstation im Ski-Juwel Alpbachtal Wildschönau – und los geht’s. Über eine gut fünf Kilometer lange Traumroute hinunter nach Thierbach, ein kleines Dörfchen auf 1200 Metern, das für viele die schönste Sackgasse der Welt ist.

Meine absolute Lieblingsstrecke“, schwärmt Rainer Silberberger. Sechs Jahre lang war er Bürgermeister der Wildschönau – jetzt hat er endlich wieder mehr Zeit, mit seinen Gästen zum „günstigsten Wintervergnügen neben der Schneeballschlacht“ aufzubrechen. In seinem Landhaus Marchfeld, dem kleinesten Vier Sterne-Hotel Tirols, gibt’s nur 20 Betten – und äußerst individuelle Betreuung.

Wie in einem Luis Trenker-Film

Das frühere Bürgermeisteramt merkt man ihm natürlich noch immer an. Er weiß einfach alles über seine Wildschönau und erzählt begeistert: 4200 Einwohner in vier Kirchdörfern, 7000 Gästebetten, 260 bewirtschaftete Bauernhöfe. Wobei im Örtchen Thierbach 160 Menschen leben – und etwa doppelt so viele Kühe. „Das sieht hier doch echt aus wie in einem Luis Trenker-Film“, hilft Rainer Silberberger der Assoziation bei einem Panorama-Aussichtspunkt auf die Sprünge.

Der Blick fällt auf Kirche, Schulhaus, ein paar Gehöfte rundum. Zentrum ist der Sollererwirt mit der historischen Speckbacherstube, in der Andreas Hofer im Tiroler Freiheitskampf vor gut 200 Jahren das letzte Aufgebot gegen Napoleon und die Bayern zusammentrommeln ließ.

Immer mit Fußsohlen bremsen

Nur fliegen ist schöner - Traumstrecke für Rodler auf 1.850 Meter in der Tiroler Wildschönau.  Bild: ag

Nur fliegen ist schöner – Traumstrecke für Rodler auf 1.850 Meter in der Tiroler Wildschönau. Bild: ag

In der Wildschönau gibt’s jede Menge gelebtes Brauchtum“, sagt Rainer Silberberger und lobt erst einmal ausgiebig die Rodel-Truppe. Inzwischen bremsen die meisten mit den Fußsohlen und nicht nur mit den Fersen, was viel effektiver ist. Nach dem einen oder anderen Sprint hinter dem Schlitten denkt jetzt auch jeder daran, die Schnur immer hübsch in der Hand zu behalten, damit sich das Gefährt beim Sturz nicht wieder verselbständigt.

So elegant wie der Bürgermeister, der inzwischen mehr auf Kufen als auf Skiern unterwegs ist, sieht allerdings niemand aus:

Nostalgie von Krautinger & Co.

Im Alpengasthof Gratlspitz gibt’s noch einen Krautinger. Das ist der Schnaps, der seit Kaiserin Maria Theresias Zeiten in der Wildschönau – und nur in der Wildschönau – aus der weißen Stoppelrübe gebrannt werden darf. Wieder sind wir bei der Geschichte, die in dem Hochtal, das nur 20 Kilometer Luftlinie von Kitzbühel entfernt liegt, allgegenwärtig ist.

Wer Lust hat, macht einen Ausflug ins Bergbauernmuseum – oder schaut sich einfach um und lauscht dem Ex-Bürgermeister, der von der behutsamen touristischen Entwicklung seit den 1950er Jahren erzählt und auf das gesunde Mischungsverhältnis von Gästen und Einheimischen verweist. „Wer zweimal kommt, den kennt man bei uns schon“, sagt er und freut sich über die vielen Wiederholungstäter.

Draußen wartet zur Dämmerstunde die nostalgische Bummelbahn, mit der es gemütlich zum Ausgangspunkt in Auffach an der Talstation der Schatzbergbahn geht.

Übernachtungsgäste bekommen die WildschönauCard mit vielen Serviceleistungen wie Bustransfers kostenlos. Weitere Informationen im Internet unter www.wildschoenau.com.

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