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Abschied von Diesel-Fahrzeugen kostet die KVB über fünf Millionen Euro

Ab sofort nur noch E-Busse auf der Linie 133

4. Dezember 2016 | 10:00 | ehu
So sieht er aus: einer von acht E-gelenkbussen, die seit Samstag die Linie 133 befahren. Foto: ehu

So sieht er aus: einer von acht E-gelenkbussen, die seit Samstag die Linie 133 befahren. Foto: ehu

Das gibt’s sonst nirgends: Eine nur mit E-Gelenkbussen betriebene Buslinie. Mit ihren acht elektrisch angetriebenen Fahrzeugen ist die KVB-Linie 133 einmalig. Am Samstag wurde sie am Heumarkt für den Verkehr freigegeben.

Verbunden ist die Umstellung mit einem großen Versprechen: Als Beitrag zum Klimaschutz- und Energiesparprojekt „Smart City Cologne“ will die KVB künftig 520 Tonnen des klimagefährdenden Kohlendioxids (CO2) einsparen. Außerdem wird es in der Luft weniger Stickstoffdioxid-Feinstaubpartikel aus Dieselmotoren geben.

Die übersteigen aktuell in Köln das gesetzlich erlaubte Höchstmaß um rund 50 Prozent. Dem ähnlich verschmutzten Düsseldorf droht deswegen ein richterlich verhängtes Fahrverbot für Dieselfahrzeuge.

Firma aus den Niederlanden entwickelte die Busse für Köln

Bis die zu der Umstellung – „eine Pioniertat, ein bedeutenden Schritt Richtung Zukunft“, so Bürgermeister Andreas Wolter in seiner Eröffnungsrede – hatte es vier Jahre gedauert. Europaweit habe man ein Kooperationsunternehmen gesucht, berichtete KVB-Vorstandsvorsitzender Jürgen Fenske. In den Niederlanden sei man fündig geworden.

VDL baute zunächst zwei Test-Busse. Diese waren zehn Monate im Probebetrieb, legten bei 1200 Fahrten 35.000 Kilometer zurück – zum Teil auch mit Fahrgästen. Die seien ebenso zufrieden gewesen wie die Fahrer. Es habe nur 15 Ausfälle gegeben, vor allem in der elektronischen Steuerung. Nun stehen acht Busse bereit, jeder mit 43 Sitz- und 82 Stehplätzen – so viel wie die Diesel-Vorgänger. An den Endhaltestellen der Linie 133 (Breslauer Platz und Südfriedhof in Zollstock) können die Batterien im Schnellgang wieder aufgeladen werden. „100 Prozent regenerativer Strom“, versichert Fenske.

Noch doppelt so teuer: Höhere Produktionszahlen sollen die Kosten senken

Landesverkehrsminister Michael Groschek verspricht in Köln mehr Förderung, sieht aber Nachholbedarf beim Bund. Foto: ehu

Landesverkehrsminister Michael Groschek verspricht in Köln mehr Förderung, sieht aber Nachholbedarf beim Bund. Foto: ehu

Noch aber kosten die E-Gelenkbusse mit 696.000 Euro mehr als das Doppelte eines herkömmlichen Dieselbusses. Langfristig soll der Preis durch höhere Produktionszahlen sinken, so die Hoffnung. Das Fernziel: Bis 2030 die Hälfte der derzeit 300 KVB-Busse durch E-Busse ersetzen.

Insgesamt kostete die jetzige Umstellung 5,6 Millionen Euro. „Dies wäre nicht möglich ohne die Unterstützung des Landes NRW gewesen“, dankte Fenske für die 1,9 Millionen Euro aus dem Düsseldorfer Verkehrsministerium. Minister Michael Groschek sprach sich dann auch grundsätzlich für eine weitere Unterstützung des öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV) durch Land und Bund aus.

Gleichzeitig aber beklagte er, dass im aktuellen Bundeshauhalt zwei Milliarden Euro für Marineschiffe bereitgestellt wurden, „wenige Millionen für ein Förderprogramm der zukunftsfähigen ÖPNV-E-Mobilität“ aber blockiert wurden. Stattdessen versuche man mit Prämien den Kauf von E-Autos zu fördern: „Eine Alibi-Hilfe“. Wichtiger als Berufspendler zum Umsteigen zu bewegen, sei der gewerbliche Bereich wie Logistik und Taxis.

Mehr öffentlicher Personen-Nahverkehrs ist wichtiger Beitrag zum Klimaschutz

In einer Stärkung des ÖPNV sahen alle Redner einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz. Fenske nannte dazu einige Zahlen: Während der ÖPNV in Wien und Kopenhagen einen Anteil von 40 Prozent am gesamten innerstädtischen Verkehr hat, sind es in Köln nur 23. „Dafür aber brauchen wir mehr Fahrzeuge!“.

Als Beitrag zum Kölner Klimaschutzprogramm sieht Fenske auch die Zusammenarbeit mit der AWB und eine Umstellung von Müllfahrzeugen auf elektrischen Antrieb. Zur Förderung privater E-Autos versprach Dieter Steinkamp, Vorstandsvorsitzender der Stadttochter Rheinenergie, einen Ausbau der Ladestationen. Diese „TankE“ würden aber nicht mehr lange kostenlos sein.

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