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Polizeibilanz der Aleviten-Demonstration

Aleviten demonstrieren für Demokratie in der Türkei

13. November 2016 | 10:00 | ehu

13112016_alevitendemo1Unter dem Motto „Für Demokratie, Frieden und Freiheit“ hatte die deutsche Alevitengemeinde (AABF) am Samstag zu einer Kundgebung am Samstag auf der Deutzer Werft. 25.000 kamen, um gegen die Politik des türkischen Präsidenten Erdogan zu protestieren.

Mit der Kundgebung sollte ein friedliches Zeichen für Frieden und Demokratie in der Türkei gesetzt werden. Ein kurdischer Verein hatte sich dem Aufruf angeschlossen und eine eigene Veranstaltung in Düsseldorf abgesagt.

Die Redner waren sich einig, dass sich das Land auf dem Weg zu einer Alleinherrschschaft Erdogans befinde. Nach dem niedergeschlagenen Putsch vom Juli werde unter dem „Deckmantel des Terrorverdachts“ der Durchmarsch zu einer faschistischen Diktatur eingeleitet. Frank Überall, Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes DJV, richtete den Blick besonders auf die Verbote von regierungskritischen Medien und die Verhaftung von Journalisten.

Bundesregierung soll Soldaten abziehen und Waffenlieferungen stoppen

Von der EU und der Bundesregierung forderten sie, gegenüber diesen massiven Verletzungen der Menschenrechte ein deutliches Zeichen zu setzen und sich nicht mit dem Flüchtlingsdeal erpressen zu lassen. Berlin solle keine Waffen mehr an die Türkei liefern und die in Icirlik stationierten Bundeswehrsoldaten abzuziehen. Schließlich müssten alle unter dem Verdacht der Putsch-Unterstützung und des „Terrorismus“ Verhafteten freigelassen werden.

Die eigentliche Kundgebung verlief friedlich. Dazu trug auch die Besonnenheit der Veranstalter bei. So hätten Kurden beinahe die „Standdemonstration“ verhindert: Mit ihren gelben Fahnen, die das Porträt des PKK-Führers Öcalan zeigten, hatten sie die schon vor Beginn der Kundgebung Dutzende vordere Reihen vor der Bühne besetzt. Sehr zum Ärger der AABF. „Wir stehen hier für alle Menschen, die in der Türkei verfolgt werden – auch für die Kurden. Dies ist aber keine PKK–Veranstaltung“, erklärte etwa Aziz Aslandemir von der AABF.

Die Weigerung, Fahnen einzurollen, verzögerte den Beginn der Veranstaltung

Beim Weg zur Kundgebung auf der Deutzer Werft blieben die Politiker der Linken mit ihrem Transparent allein (links: Ratsherr Jörg Detjen). Foto: ehu

Beim Weg zur Kundgebung auf der Deutzer Werft blieben die Politiker der Linken mit ihrem Transparent allein (links: Ratsherr Jörg Detjen). Foto: ehu

Der Appell, alle Fahnen – worunter ausdrücklich auch die eigenen verstanden wurden – einzurollen, wurde allerdings von den PKK-Anhängern nicht verfolgt. Auch die Androhung, die Veranstaltung abzusagen, half nicht. Nach weit über einer halben Stunde Abwarten und des vergeblichen Versuchs, einen Verantwortlichen für die Kurden zu finden, entschloss man sich dann doch aus Sicherheitsgründen, die Kundgebung durchzuführen, wenn nun auch in komprimierter Form. Nach Polizeiangaben wurden „diverse verbotene PKK-Fahnen sichergestellt und entsprechende Strafanzeigen vorgelegt.“.

Auch am Rande sorgten vor allem jugendliche Kurden – so die Polizei – für Negativschlagzeilen. Schon zu Beginn hatte sich Richtung Deutzer Bahnhof aufgemacht und Bengalos gezündet. Als die Polizei gegen die teilweise Vermummten einschritt, wurde sie mit Flaschen und Steinen beworfen. Die Auseinandersetzungen zogen sich bis zum Ende der Kundgebung hin. Zwei Beamtinnen wurden verletzt. Es kam zu acht vorläufigen Festnahmen. Insgesamt wurden 30 Strafanzeigen erstattet.

Die Aleviten vertreten eine gemäßigte Richtung des Islam. In der Türkei sind sie nach den Sunniten die zweitgrößte Religionsgemeinschaft. Für die Erdogan-Regierung sind sie „Ungläubige“, ebenso wie Schiiten, Armeniern, Assyrern oder auch den Kurden wird ihnen pauschal „Vaterlandsverrat“ vorgeworfen.

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