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Sendeschluss seit dem 12.12.2016

Die Redaktion Köln Nachrichten geht in sich

25. Januar 2017 | 12:00 | red
Etwas, dass wir fast vergessen haben. Eine Sendeschluss bedeutet nicht das Ende, sonder Ruhe zum Nachdenken. Quelle: Wikipedia / Rotkaeppchen68 (CC BY-SA 3.0)

Etwas, dass wir fast vergessen haben. Eine Sendeschluss bedeutet nicht das Ende, sondern Ruhe zum Nachdenken. Quelle: Wikipedia / Rotkaeppchen68 (CC BY-SA 3.0)

Einige werden sich bereits gewundert haben, nun will ich mal eine amtliche Meldung hinterherschieben. Der Versuch, einen nachhaltigen Teil zur medialen Vielfalt der Stadt Köln beizutragen, ist gescheitert. Die Redaktion hat zum 12. Dezember vergangenen Jahres die tagesaktuelle Berichterstattung eingestellt und wird sie bis auf Weiteres nicht weiter pflegen.

Mit dem Eingeständnis, gescheitert zu sein, verbindet sich der Dank an die vielen Pressekontakte und natürlich die Leserinnen und Leser, die diese kleine Seite über inzwischen mehr als elf Jahre begleitet haben. Tatsache ist, das dahinterstehende Geschäftsmodell war nicht tragfähig, ich persönlich mit dem Management all der notwendigen Rahmenbedingungen schlichtweg überfordert und am Ende ausgebrannt.

Ein weiterer Grund liegt am Nachrichtengeschäft selbst. Wenn man, wie ich, zuletzt an den Sonntagen bis zu acht Polizeimeldungen (pro Sonntag) umschreibt und dabei immer wieder das Böse vor Augen geführt wird, was täglich um uns herum geschieht, hat man irgendwann „Bürgerkrieg im Kopf“. Wenn man dann auch noch häufig schreiben muss, dass es sich bei Tätern um Menschen mit Migrationshintergrund handelt und selbst ein Verfechter der These einer weitgehend gelungenen Integration ist, dann kratzt man sich irgendwann am selbigen und fragt sich, ob man tut, an was man glaubt.

Nachdem ich nun mehr als einen Monat die Diskussionen um die jüngsten Nachrichten über Facebook begleitet habe, nun der Entschluss: Schluss mit dem täglichen Herausschleudern von Informationsschnipseln. Was aus der Seite werden soll, weiß ich derzeit noch nicht. Tatsache ist: Es kommen weiterhin jeden Tag mehrere Hundert Menschen über Google auf diese Seite. Der Chronistenpflicht geschuldet, wird die Seite daher weiterhin erreichbar sein, schließlich will auch ich noch mal nachschauen, was ich in den vergangenen elf Jahren so gemacht habe.

Ich selbst sehe mich den journalistischen Idealen auch weiterhin verpflichtet. Es gilt das gesprochene und geschriebene Wort und die Bemühung, auf der Suche nach der Wahrheit das Ziel nicht aus den Augen zu verlassen. Aber ich muss auch an mich denken und nicht nur daran, wen meine kleinen News zuletzt interessiert haben. Alleine davon überleben, wurde zuletzt immer utopischer und so begann eine Abwärtsspirale, die mit dem neuen Jahr ihr Ende fand.

2016 war ein „Seuchenjahr“, dieses soll besser werden und so habe ich Entscheidungen auch in anderen Bereichen getroffen. Die mediale Vielfalt wird auch in Köln in diesem Jahr weiterhin erhalten bleiben, dafür sorgen engagierte und kompetente Journalistinnen und Journalisten, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten (müssen). Ich werde mich jedenfalls nun anderweitig umsehen und mich neu orientieren. Und wer weiß: Nie war so einfach, vom Medienkonsumenten zum Medienschaffenden zu werden, aber das nicht mehr im Alleingang und mit dem Kopf durch die Wand!

Allen Besucherinnen und Besuchern deshalb abschließend: Viel Spaß beim Stöbern in unserem Archiv. Auf sie warten unter den knapp 39.000 Beiträgen ein paar Schätzchen lokaler Berichterstattung. Danke an die treuen Kolleginnen und Kollegen, die bis zuletzt die Seite professionell unterstützt haben und natürlich an alle interessierten Leserinnen und Leser.

Ralph Kruppa

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