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Die alternative Karnevalssitzung „Fatal Banal“ feiert ihren 25. Geburtstag

Schlagfertige Frauen machen Machos Dampf

13. Januar 2016 | 14:15 | ehu
Hartmut Ernst und Meinolf Schubert (r.) wurschteln sich in der Veedelskneipe durch die Griechenlandkrise. Foto: Dieter Kloubert / FB

Hartmut Ernst und Meinolf Schubert (r.) wurschteln sich in der Veedelskneipe durch die Griechenlandkrise. Foto: Dieter Kloubert / FB

25 Jahre „Fatal Banal“ – das will gefeiert werden Und es wird gefeiert. Im Bürgerzentrum Ehrenfeld singt das närrische Publikum mit, es schunkelt und hat fast 200 Minuten lang Spaß an witzigen Sketchen und fetziger Musik der Hausband „Six Jeck“.

Es gibt viel zu lachen, dazwischen ist auch Nachdenkliches eingestreut – ein bunter Überblick über die Tücken des Alltags und verquere Politik. Allerdings: Die bissige Bosheit hat man im Jubiläumsjahr etwas zurückgeschraubt.

Gleich zu Beginn kriegen die Macho-Kunden im Baumarkt gewaltig eins auf den Deckel: Nicht sie sind die Experten in Sachen Grillkultur, sondern die Verkäuferinnen. Die erweisen sich im doppelten Sinne als schlagfertig. Im Dauerstau entstehen Ehekrisen und werden Kontakte geknüpft. Und ob der neue Sharing-Trend, bei dem Haushaltsgeräte gemeinsam genutzt und getauscht werden, auch zum Frust-Partnertausch führt – man kann es glauben.

Voll peinlich, sich als Mann mit Migrationshintergrund total integriert zu haben

Ein kleines Glanzstück an Perfektion ist die Emanzipation von vier Bauchrednerpuppen, die sich von ihren menschlichen Stimmen emanzipieren. Dauerbrenner „Schantalls Mutter“ liest diesmal heimlich das Tagebuch ihrer Tochter. Was sie im Übrigen gar verwerflich findet, schließlich spionieren Angela Merkel und Barack Obama ja auch. Aus einem Klagelied über die Unmöglichkeit, Lebensmittel aus ihrer Packung zu befreien, wird ein Klagelied über verweichtliche „Mädels“. Murat muss die Peinlichkeit erklären, trotz türkischen Migrationshintergrundes voll integriert zu sein. Und wie das mit Griechenland und seinen Schulden ist, lässt sich trefflich am nicht bezahlten Deckel in der Veedelskneipe auseinandertüfteln. Prost!

Nicht fehlen darf Karneval. Der legendäre „Günni“ meldet sich mit einem Mottolied zurück, der Karnevalsverein Roggendorf-Thenhoven sucht nach einem Weg, die leere Vereinskasse zu füllen. „Achtsamkeit“ – auch das ein neuer Trend – wird auf ihre Karnevalskompatibilität überprüft. Einmal mehr erweist sich das Publikum als Kenner närrischen Kölner Liedguts: Dezente pantomimische Hinweise reichen, um den Titel zu erkennen und anzustimmen.

Bei „Gratwanderung“ mit Flüchtlings-Nummer nicht abgestürzt

Als „Gratwanderung“ bezeichneten die alternativen Narren die karnevalistische Umsetzung des Flüchtling-Themas. Nun, sie sind nicht abgestürzt, ihr Auftritt als Flüchtlingschor sorgte für stille, nachdenkliche Minuten. Zur Melodie eine aktuellen Hits erklärten sie lieber auf Wolke 4 unter Nazis zu leben als zurück im Krieg zu sein statt auf Wolke 7, wo schon so viele ihr Leben gelassen haben. Sogar die heftige Diskussion um Sterbehilfe findet sich bei Fatal Banal in guten Händen, besser: schwarzen Pointen.

Unter der neuen Regisseurin Britt Löwenstrom bieten Christoph Stubbe, Meinolf Schubert, Sabine Putzler, Angelika Paffhausen, Susanne Hermanns, Hartmut Ernst und Rainer Braun-Paffhausen eine rundum gelungene Ensembleleistung, aus der Stubbe nur deshalb namentlich herausgehoben werden soll, weil er in gewohnt gekonnt lässiger Manier durchs Programm führt und in seinen Moderationen für die aktuellen Spitzen sorgt. Restkarten sind noch über KölnTicket verfügbar.

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