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„Immi-Sitzung“ nimmt Klischees aufs Korn und findet den Oberverantwortungshut

Wenn Kölner Karnevalisten den IS übernehmen

19. Januar 2016 | 09:00 | ehu
Großer Kriegsrat beim IS: Das neue Mitglied aus Köln mit Karnevalshintergrund fällt nicht nur durch seinen Ringelpulli auf. Foto: Tom Hafner / Fatal Banal

Großer Kriegsrat beim IS: Das neue Mitglied aus Köln mit Karnevalshintergrund fällt nicht nur durch seinen Ringelpulli auf. Foto: Tom Hafner / Fatal Banal

Mitreißende Musik, gute Stimmen, perfekte Tanzdarbietungen, bunte Kostüme – das ist das eine Markenzeichen der „Immi-Sitzung“. Wichtiger aber noch: die Selbstironie, mit der die elf Akteure aus acht Ländern die Vorurteile auf „Ausländer“ aufs Korn nehmen. Zum 7. Mal begeistert die Karnevalssitzung unter dem Motto „Jeder Jeck ist von woanders“ auch in diesem Jahr wieder im Bürgerhaus Stollwerck.

Und noch einen ganz wichtigen Aspekt des rheinischen Karnevals haben sie verstanden: Die Mächtigen und Selbstüberheblichen gnadenlos lächerlich machen. Diesmal trifft es Russlands Staatschef Putin, der in der Öffentlichkeit gerne mit nackter Brust Entschlusskraft, vor allem aber Männlichkeit demonstriert. Die Immis haben ihm einen schwulen Lover ausgedacht – tuntiger geht’s kaum.

Wehe, wenn der Kölner Karneval mit den USA „frei“ gehandelt werden kann

Auch die Gotteskrieger des IS kriegen ihr Fett weg: Was sollen sie auch schon groß machen, wenn Undercover-Oberjeck Jupp ihren Militärkonvoi in einen Rosenmontagszug verwandelt und ihnen 144 Karnevals-Jungfrauen verspricht. Dumm nur, dass er statt Kamele Kamelle versteht. Die 40 können natürlich nicht für 140 Kilometer reichen. Überhaupt Karneval: Was dem Kölner Karneval blüht, wenn mit den USA das internationale KTIP-Freihandelsabkommen abgeschlossen wird, lässt auch vor TTIP gruseln. Wer will schon einem „Rose Monday Train“ zujubeln.

Und dann vor allem die Klischees, die zwischen Bio-Deutschen und Immis kursieren. Da sind die nationalen Sprach-„Fehler“, die im Deutschunterricht durchdekliniert werden. Die Deutschen, die im Taxi ihre Sprachkenntnis beweisen wollen und doch nur bei einem Fahrer aus Heilbronn gelandet sind. Die Griechen, die ihren deutschen Freund beim Bezahlen der Rechnung austricksen. Und schließlich als Dauerbrenner die traditionellen Dauer-Wortgefechte zwischen den beiden Handpuppen, dem Deutschen und dem Franzosen, im Stil der legendären Muppets Stadler und Waldorf.

Endlich gefunden: Der Oberverantwortungshut für die Opernsanierung

Kölner Themen kommen diesmal etwas kurz. Aber sie finden heraus, wem der Oberverantwortungshut in Sachen geplatzte Opern-Wiedereröffnung gehört. Den hatte die Kulturdezernentin seinerzeit abgelehnt. In einer spektakulären Schlussrevue wird das Bernstein-Musical „Westside-Story“ in eine Kampf gegen Veganer und Fleischesser umgewandelt. Der natürlich ein Happy End hat. Schließlich geht es um das friedliche Miteinander – nicht nur Karneval.

Da findet Sitzungspräsidentin „Ihre Leiblichkeit Immi-Mymmi I.“ schon zu Beginn der Sitzung klare Worte zu den Silvester-Ereignissen am Hauptbahnhof – unabhängig welcher Nationalität die Täter angehörten oder ob es Flüchrtlinge waren: „Es waren testosterongesteuerte Arschlöcher, die keinerlei Anspruch auf Toleranz haben und in den Knast gehören. Keinen Anspruch auf Toleranz haben auch Rechtsextremisten, die Situation nun ausnutzen.“.

Nicht nur damit hat die Brasilianerin Myriam Chebabi (Selbstbeschreibung: „ganz schön viel Frau“) im dritten Jahr ihrer Präsidentschaft an Format gewonnen, nachdem sie im Vorjahr nicht so ganz überzeugen konnte.

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