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Zum 24. Mal Karnevalssitzung „Fatal banal“

Witz, Biss und Schunkeln in heimeliger Atmosphäre

21. Januar 2015 | 09:00 | ehu
"Fatal banal 2015": Präsi Christoph Stubbe zeigt sich wieder in Höchstform und gibt dem Publikum Zucker. Foto: Rudolf Wichert / Fatal banal

„Fatal banal 2015“: Präsi Christoph Stubbe zeigt sich wieder in Höchstform und gibt dem Publikum Zucker. Foto: Rudolf Wichert / Fatal banal

Auf der Massagebank redet frau zwar gern über Zivilcourage, aber letztlich gehen den beiden Damen die Probleme der Welt am fett vorbei. Auch die liebe Dreigenerationen-Familie hüllt sich lieber gleich in Ganzkörperkondome, als die böse Welt an sich heran zu lassen.

Ja, mit dem bürgerlichen Engagement ist es schlecht bestellt. Grund genug, für die Jecken von „Fatal banal“, sich mit den mehr oder weniger großen Übeln zu beschäftigen. Und das tun sie in diesem Jahr wieder mit– wenn auch die Politik nicht die Hauptrolle spielt.

Da ist das salafistenbärtige Männerquartett, das nach Roland Kaisers „Santa Maria“„Das ist Scharia, wir sind doch zu Höherem geboren“ singt und mit sichtlichem Vergnügen drei Frauen steinigt. Pech für die Bundeswehr, dass ihr das reiche Ausland die teuren Waffen vor der Nase wegkauft.

Die Deutsche Bahn hat einen neue Automatenauskunftsdienst entwickelt. Wenn allerdings die hilfreiche Stimme lieber von eigenen Pannen bei Bahnreisen und von Nasenpopeln erzählt, wollen die Kunden hinterher doch lieber fliegen. Hier brilliert „die Hessin“ Sabine Putzler ebenso wie als lärmgeplagte Mieterin, die dank lauter Nachbarn und Handwerker einfach nicht zum Schlafen kommt.

Karneval mal anders: Nabelschau in Wohnzimmeratmosphäre

"Fatal banal 2015": Eine glückliche Familie lässt nichts an sich heran – schon gar nicht die Probleme dieser Welt. Foto: Rudolf Wichert / Fatal banal

„Fatal banal 2015“: Eine glückliche Familie lässt nichts an sich heran – schon gar nicht die Probleme dieser Welt. Foto: Rudolf Wichert / Fatal banal

Immer wieder beliebtes Thema närrischer Selbst-Betrachtung ist der Karneval. Diesmal darf Hartmut Ernst das Schunkeln als Ziel gesundheitsgefährdend diagnostizieren: Es minimiert die Gehirnleistung und macht süchtig. Doch da ist das Publikum schon lange angesteckt und am Ende ist auch der Professor infiziert. Sherlock Holmes kann zwar messerscharf denken und die richtigen Schlüsse ziehen, wenn es aber um das Ende des Nubbels geht, versagt er.

Auf das Feindbild Düsseldorf – hier haben die Düsseldorfer Tataren den weiblichen Mitgliedern des Karnevalsvereins Roggendorf-Thenhoven den Kopf verdreht – sollte man aber langsam verzichten können. Auch wenn die Lacher garantiert sind. Eine böse Zukunftsvision bleiben Schönheits-, Schunkel- und Fisternöllchen-Apps, die den Kauf eines Karnevalskostüms erleichtern sollen. Susanne Hermanns setzt sich hier so souverän über die moderne Technik hinweg, wie sie sich als Chantalls Mutter in den dubiosen Internet-Geldgeschäften verwickelt.

Ein Neuer ist dabei: Michel Mardaga fügt sich problemlos in das spielfreudige Bühnenensemble ein, das wieder von der lautstarken Hausband „Six Jeck“ begleitet wird. Ein Sketch ist aber schon veraltet: Die Suche der CDU nach einem OB-Kandidaten durch eine Casting-Agentur. Die Christdemokraten haben sich im richtigen Leben inzwischen zur Unterstützung der grünen-nahen Henriette Reker entschieden (Köln Nachrichten berichtete).

Die „Fatal banal“-Sitzungen haben in Köln ein Alleinstellungsmerkmal: die heimelige Wohnzimmeratmosphäre im Bürgerzentrum Ehrenfeld. Die fröhliche Partystimmung wird noch gekonnt von „Präsi“ Christoph Stubbe angeheizt. Nicht nur durch seine oft bös-treffenden Zwischenkommentare, sondern auch die Einbeziehung des Publikums. Das entlässt er diesmal mit einem „Anti-Angst-Koffer“, der nach dem Kinderspiel „Ich packe meinen Koffer und nehme mit…“ packen lässt. Ein kleines bisschen Seelen-Massage tut in dieser bösen Welt doch gut.

Die Auftritte bis zum letzten am Karnevalssonntag sind offiziell ausverkauft. Eventuell gibt es noch Karten bei KölnTicket.

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