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Neue Bevölkerungsprognose bis 2040

Kölner Statistiker stellen zwei Varianten vor

8. Mai 2015 | 16:30 | red
KoelnPanorama_Tag

Die Millionenstadt wird weiter wachsen. Um wie viel, darüber streiten sich die Statistiker. Nun hat Köln zwei neue Varianten veröffentlicht. Bild: Archiv Köln Nachrichten

Wie viele Einwohner wird die Domstadt im Jahr 2025, wie viele im Jahr 2040 haben? Auch wenn die zukünftige Entwicklung keineswegs vorhersehbar ist, die Stadt muss sich dennoch und für mindestens zehn Jahre auf eine weitere Zunahme seiner Einwohnerzahl einstellen.

Am heutigen Freitag stellten die Verantwortlichen der Stadt, allen voran Stadtentwicklungsdezernent Franz-Josef Höing, die neuesten Berechnungen der Fachverwaltung. Und die bewegen sich tatsächlich genau zwischen den „best-case“- und „worst-case“-Prognosen von IT.NRW und BBSR.

Während das Statistische Landesamt vor wenigen Tagen die Millionenstadt auf rund 1,234 Millionen Einwohner anwachsen sieht, geht das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung von einer schnellen Abflachung der Kurve und sinkenden Einwohnerzahlen zwischen 2025 und 2040 aus.

Zwei Varianten für die Kölner Bevölkerungsentwicklung

Bei ihrer Variantenberechnung gingen die Kölner Statistiker von zwei unterschiedlichen Szenarien aus, die vor allem den Zuzug betreffen. In der Variante 1 wird deshalb angenommen, dass die Zahl der jährlich zuziehenden Neubürgerinnen und Neubürger aus dem Ausland auf 20.000 ansteigen sieht. In der Variante 2 bleiben diese Zahl mit rund 17.000 konstant. 2014 waren es per Saldo 17.500. Hier sind auch die gestiegenen Flüchtlingszahlen eingerechnet, wie die Leiterin des Amtes für Stadtentwicklung und Statistik, Maria Kröger bestätigte.

Variante 1 ist die optimistischere der Stadt. Sie liegt zwischen den Prognosezahlen von IT.NRW (oben) und BBSR (unten).  Grafik: Stadt Köln

Variante 1 ist die optimistischere der Stadt. Sie liegt zwischen den Prognosezahlen von IT.NRW (oben) und BBSR (unten). Grafik: Stadt Köln

Erhöht sich die Einwohnerzahl in der Variante 1 mit verstärktem Zuzug bis 2040 auf 1.186.500, bleibt sie in der Variante 2 mit 1,113.100 zwischen 2025 und 2040 nahezu konstant. In beiden Varianten gehen die Kölner Statistiker von steigenden Lebenserwartungen und einer leichten Abnahme der Geburtenrate aus. Unterschiedlich sind die beiden Varianten hingegen in Sachen Fortzügen. Während die optimistischere Variante 1 von einer Konstanz der heutigen Zahlen ausgeht, prognostiziert Variante 2 einen linearen und dreiprozentigen Anstieg der Fortzugswahrscheinlichkeit.

Vor allem in der Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen wird es einen kontinuierlichen Zuzug geben. Das liegt zum einen an den vielen Hochschulen der Domstadt, die alleine knapp 100.000 junge Menschen akademisch ausbilden. Zum anderen sind die meisten Einwanderer genau in dieser Altersgruppe . Folgerichtig wird sich das Durchschnittsalter in Köln zwischen heute und 2040 nur geringfügig von 42 auf 43,3 Jahre erhöhen. Bundesweit steigt dieser Kennwert im statistischen Durchschnitt von 44 auf 48 Jahre. Dabei wird Köln seine „Tannenbaumstruktur“ in der Demografie auch in den kommenden 25 Jahren beibehalten, so die Kölner Prognose.

Köln wird dichter und lebendiger – Verwaltung muss nachlegen

Die Folgen der erwartenden Zunahme sind beträchtlich und werden allerorts spürbar sein. „Die steigenden Einwohnerzahlen sind eine große Chance, aber wir müssen interdisziplinärer arbeiten und zugleich die Verfahrensprozesse beschleunigen“, kommentierte Höing die Auswirkungen für den eigenen Beritt. Zuletzt hatte es immer wieder Kritik an der eher zähen Verwaltungspraxis gegeben. Immerhin: Köln hat im vergangenen Jahr bei den Fertigstellungen wieder die 4000er-Marke gestreift, Diese Zahl ist eine Vorgabe des Wohnbauforums, allerdings eine, die in den vergangenen 15 Jahren fast regelmäßig und deutlich verfehlt wurde.

Eingemeindungen, komplett neue Stadtteile (wie etwa der FDP-Vorschlag für Kreutzfeld) oder ein Hochhausgürtel um die Innenstadt sind für Höing und seine leitenden Angestellten allerdings kein Thema. Eher ist da schon eine intensivere Zusammenarbeiten mit den Umlandgemeinden angedacht, denn die Bevölkerungszahlen werden nach derzeitigen Prognosen nicht nur in Köln anziehen. Und mit den steigenden Zahlen über alle Altersgruppen hinweg ergeben sich eine Reihe neuer Herausforderungen. Bis 2040 jedenfalls müsse man rund 50.000 Wohnungen neu errichten, damit die Kauf- und mit Zeitverzögerung auch die Mietpreise nicht über Gebühr weiter steigen, so der Stadtplanungsdezernent weiter. Eine erste Untersuchung der Flächenpotenziale zeigt jedoch, dass Köln diese Aufgabe stemmen könne. „Ich bin da nicht unoptimistisch“, so Höing.

Neubau und Bestand müssen es richten

Eine weitere Konsequenz liegt wohl darin, auch die derzeitigen durchschnittlichen Wohngrößen nicht immer weiter zu steigern. Denn der Bevölkerungsdruck werde sicher auch dazu führen, die Richtgrößen für Wohnungen und Haushalte herabzusetzen. Köln liegt in seinen durchschnittlichen Größen für Drei-Zimmer-Wohnungen auf dem Niveau von Vier-Zimmer-Wohnungen in München. Auch in den Beständen der 1950er und 1960er Jahre gebe es Potenziale, wie erste Stichprobenuntersuchungen in Genossenschaftsbeständen ergeben haben. Das macht Sinn, denn die Haushalte werden nach der von der Verwaltung favorisierten Variante 1 um rund 75.000 Haushalte zulegen. Bei etwas mehr als 50.000 neu geplanten Wohnungen müsse der Bestand diesen Zuwachs auffangen.

Neben der schlichten Zahl notwendiger Neubauwohnungen denke die Stadt aber auch über neue Nutzungskonzepte nach. Dies zeige sich exemplarisch an der geplanten Entwicklung des Deutzer Hafens. Eine geschickte Verknüpfung unterschiedlicher Nutzungskonzepte kann auch zu einer höheren Lebendigkeit führen. Die Menschen müssen aber sich auch etwas zusammenrücken. In Kürze schon wolle man eine detaillierte Übersicht über die Flächenreserven in Köln vorlegen. „Wir werden uns nicht zurücklehnen, denn die Problematik wird sich nicht von alleine richten, so Höing abschließend.

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