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Hausbesetzung in Köln-Lindenthal

Zülpicher Straße 290 wird zum Wohnhaus für Flüchtlinge

28. Juni 2016 | 11:30 | red
Am gestrigen Samstag wurden sogar Kaffee und Kuchen gereicht. Das Objekt steht seit Jahren leer und soll für günstigen Wohnraum hergerichtet werden.  Bild: Köln Nachrichten

Am kommenden Freitag wollen die Besetzer dieses Hauses weitere Details zur späteren Nutzung bekannt geben. Es bahnt sich eine Lösung an. Bild: Archiv Köln Nachrichten

Die Aktivistinnen und Aktivisten der Hausbesetzerszene haben am heutigen Dienstag Frohes zu verkünden. Für das Eckhaus Zülpicher Straße 290 / Joseph-Stelzmann-Straße bahnt sich eine Lösung an.

Die Besetzer, die seit dem 11. Dezember vergangenen Jahres die leerstehende Immobilie in nahezu bester Lage und mit Stadtbahnanschluss direkt vor der Haustür in Beschlag nahmen, zogen mit der heutigen Meldung auch ein erstes Fazit ihrer Tätigkeit. Die begann im vergangenen Jahr mit der Besetzung eines Wohnhauses Kartäuserwall, hier allerdings wurde geräumt und inzwischen auch abgerissen.

Dieses Schicksal soll dem Mehrfamilienhaus in Lindenthal erspart bleiben. Wie die Besetzer meldeten, soll nun die Stadt Köln das Gebäude langfristig anmieten. Der Hausverwalter Egon Joisten soll vor der Übergabe an die Stadt die Immobilie sanieren, um die hier befindlichen 20 Wohnungen anschließend am Geflüchtete zu vermieten. Die Aktivisten erhalten zudem einen Mietvertrag für das Ladenlokal Josef-Stelzmann-Straße 2a, „für unkommerzielle, nachbarschaftliche und politische Veranstaltungen“ und zu einem Mietzins von 6,25 Euro pro Quadratmeter mit 20-jähriger Laufzeit, wie es dazu weiter hieß.

Maximalziel nicht erreicht – dennoch zufriedene Gesichter

„Um der schnellen Sanierung nicht im Wege stehen und werden wir Anfang Juli die Besetzung auflösen und die Gebäude übergeben. Hausverwalter Joisten wird zuvor die Strafanzeige gegen uns fallen lassen. Wir bedanken uns für die große Unterstützung, welche das Projekt die vergangenen 6 Monate über begleitet hat. Ohne die Hausbesetzung würden die Gebäude weiter verrotten oder würden luxussaniert. Unser Erfolg zeigt, dass unsoziale Gesetze auch überschritten werden müssen, um Gutes zu bewirken“, freute sich Bernd Setzt über den Ausgang der Verhandlungen.

Ihr ursprüngliches Ziel eines gemischt genutzten Wohnhauses konnten die Aktivisten allerdings nicht durchsetzen. Der Plan der Besetzer sah vor, dass dort zukünftig Flüchtlinge und Kölner nebeneinander und unter einem Dach wohnen sollten. In dem Objekt werden die Wohnungen in den oberen Geschossen von Menschen mit ganz unterschiedlichen Biografien genutzt. In den ebenerdigen Räumlichkeiten (Ladenlokale und frühere Kneipe) gab es in den vergangenen sechs Monaten regelmäßig Film- und Kneipenabende, Konzerte, Vorträge und politische Veranstaltungen. Higlight ist hier der Umsonstladen, wo kostenlos Kleidung und Gebrauchsgegenstände ab- und weitergegeben wurden.

Am kommenden Freitag wollen die Aktivisten in der Zülpicher Straße zur nächsten Pressekonferenz einladen und weitere Details der Vereinbarung bekannt geben.

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