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Kalkberg wird abgetragen

Dringlichkeitsentscheidung macht den Weg frei

10. Dezember 2015 | 18:00 | red
Ende Juli auf dem Kalkberg. Inzwischen ist der Hangar um zwölf Zentimeter abgerutscht, die Inbetriebnahme verzögert sich.  Bild: Archiv Köln Nachrichten

Ende Juli auf dem Kalkberg. Inzwischen ist der Hangar um bis zu fast 15 Zentimeter abgerutscht. Nun wird die Aufschüttung wieder abgetragen. Bild: Archiv Köln Nachrichten

Rund 50.000 Tonnen Erdreich, aufgeschüttet vor drei Jahren auf dem so genannten „Kalkberg“, müssen abgetragen und zwischengelagert werden. Schon in Kürze wird die Baustelle dafür vorbereitet, das Material wird auf zwei Standorte verteilt.

Der Kalkberg ist in Rutschen geraten. Der Chef der Kölner Berufsfeuerwehr, Johannes Feyrer, und der Kölner Rechtsanwalt und Rechtsvertreter der Stadt, Prof. Dr. Werner Langen, stellten den anwesenden Journalistinnen und Journalisten noch einmal die Dringlichkeitsentscheidung in seinen Details vor. Rund 50.000 Tonnen Material, so der etwa 1,3 Millionen Euro teure Plan, Deponiegut und Schutt aus früheren Erschließungsmaßnahmen, sollen auf zwei Standorte verteilt werden. Ein Teil soll entlang der Istanbuler Straße, der andere an der Kalk-Mülheimer Straße deponiert bzw. zwischengelagert werden, führte Feyrer aus.

Hintergrund sind sogenannte Absetzungen an der Ostseite des Hanges. Der Kalkberg, immerhin die dritthöchste Erhebung innerhalb der Kölner Stadtgrenzen, sollten neben einer Hubschrauberlandestation auch eine neue Attraktion, eine Aussichtsplattform, erhalten. Doch genau diese 2012 aufgetragenen Materialien erweisen sich nun, so fand das Ingenieurbüro Roger Grün nach genaueren Baugrunduntersuchungen heraus, als zu schwer für den teils zähflüssigen Untergrund einer rund 20 Meter dicken Kalkschicht. Die droht nun, einem „Berliner“ nicht unähnlich, an den Seiten herauszutreten, wenn man den Druck nicht verringert.

Wir haben den Kalkberg unterschätzt“, räumte Feuerwehrchef Feyrer gleich zwei Mal ein. Denn als die Entscheidung für den Kalkberg fiel, also Hubschrauberlandestation und Aussichtsplattform, tat man dies auf Basis von mehreren Gutachten. Beide Feyrer und Rechtsanwalt Langen betonten dabei die Rolle des Bauherrn und seine Verantwortung. Der sei man insofern nachgekommen, als man für die entsprechenden Planungen renommierte Fachleute und Unternehmen beauftragt hatte.

Die Stadt prüft nun, ob nicht falsche weil zu oberflächliche Untersuchungen dem Bauherrn ein falsches Bild von der Traglast des Kalkbergs den beteiligten Planern zur Last gelegt werden können. Dabei geht es um eine „Schadenssumme“ von rund fünf Millionen Euro. Die Kosten für die Hubschrauberlandestation bleiben zunächst unverändert bei 13 Millonen Euro. Hinzu kommen aber im weiteren Verlauf neben den nun anfallenden Kosten für Abtransport und Zwischenlagerung des östlichen Kalkbergs weitere Sanierungskosten, um Hang und Gebäude zu stabilisieren. Diese gaben die Verantwortlichen mit sechs bis sieben Millionen Euro an, von denen jedoch ein niedriger siebenstelliger Betrag an ohnehin anfallenden „nachträglichen Baukosten“ abgezogen werden muss.

Nach einer ersten juristischen Einschätzung – ein Verschulden der Stadtverwaltung sei nach derzeitigem Stand nicht zu erkennen – will die Stadt nun den Großteil des Schadens geltend machen. Allerdings muss die Stadt nun nachweisen, dass nicht die öffentliche Bauaufsicht die Mangelhaftigkeit der gutachterlichen Einschätzung den Schaden hätte erkennen können. Rechtsanwalt Langen verwies dabei auf die unterschiedlichen Blickwinkel von privater (vom Bauherrn bezahlter) und öffentlicher (hoheitliche Gefahrenabwehr) Bauaufsicht.

Die Dringlichkeit, an der im Vorfeld der Sitzungen des Bau (Montag) und Gesundheitsausschusses (Dienstag) in Zweifel gezogenen Sofortmaßnahmen, widersprach Feuerwehrchef Feyrer. Die Absenkung sei inzwischen auf knapp 15 Zentimeter angewachsen. Das gelte aber nicht für das gesamte Gebäude an sich sondern zeige, wie „verdreht“ das Gebäude sein wird, wenn die Entlastung durch das Abtragen nicht erfolge.

An der Eignung des Standorts und der daraus erfolgenden – vom Stadtrat gebilligten – Entscheidung, eine Hubschrauberlandestation hielt Feuerwehrchef Feyrer fest. Man habe vor der Entscheidung 42 Standort anhand eines umfänglichen Kriterienkataloges untersucht und in einer Matrix die Grundlage für diese Standortentscheidung gelegt. Daran hat sich nichts geändert. Die nun zu erfolgende Abtragung des östlichen Kalkbergs sei indes notwendig, „unabhängig von der Frage der späteren Nutzung“, wie beide abschließend betonten. Ende 2016, das stellten sie dann aber doch noch klar, soll die neue Hubschrauberlandestation in Betrieb gehen.

Am späten Nachmittag legte die Stadt dann eine modifizierte Dringlichkeitsentscheidung vor. Der letzte der drei Punkte:(„Die Verwaltung wird beauftragt, kurzfristig dem Rat eine Vorlage über die Durchführung und Finanzierung der weiteren notwendigen Maßnahmen zur Sanierung und Stabilisierung von Halde und Hangar-Gebäude zur Beschlussfassung vorzulegen“) wurde gestrichen.

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