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Hubschrauberstation auf dem Kalkberg

Ehemalige Deponie ist gefährlicher als gedacht

9. März 2016 | 10:00 | red
Ende Juli auf dem Kalkberg. Inzwischen ist der Hangar um zwölf Zentimeter abgerutscht, die Inbetriebnahme verzögert sich.  Bild: Archiv Köln Nachrichten

Die Hubschrauberstation war fast fertiggestellt. Doch der Kalkberg ist ein rutschiger Baugrund, nun drohen weitere Gefahren. Bild: Archiv Köln Nachrichten

Der Kalkberg beschäftigt weiter die Gemüter. Nun hat das Ingenieurbüro Roger Grün in einem weiteren Gutachten eine akute Gefahr für die gesamte Aufschüttung festgestellt. Die Stadt hatte bereits Bäume roden lassen und einen Absperrzaun aufgestellt.

Zwar habe sich das so genannte Setzungsverhalten des Kalkbergs inzwischen beruhigt, rund 50.000 Tonnen Erde waren abgetragen und „zwischengelagert“ worden und hatten tatsächlich dazu geführt, dass die Setzungen spürbar zurückgegangen sind. Frühere Messungen hatten ergeben, dass die Bewegungen des Berges zu Absenkungen von bis zu 15 Zentimeter an dem bereits weitgehend errichteten Hubschrauberhangar geführt haben. Der Sanierungsbedarf der Hubschrauberstation gerät jedoch mehr und mehr in den Hintergrund.

Denn der gesamte Berg, eine frühere Sondermülldeponie, ist gefährdet und alles andere als sicher. Nun sollen auch noch Schadstoffe wie Arsen und Blei freigesetzt werden können. Die Gefahr ist bei trockener und windiger Witterung am größten. Der Zaun entlang der Karlsruher Straße und die Rodungen von Bäumen und Sträuchern dienen der Sicherheit des Hangs, hatte die Stadt bereits Ende vergangener Woche angekündigt.

IM gestrigen Gesundheitsausschuss stellte der Gutachter weitere Mängel fest. So sei ein Grundbruch weiterhin nicht ausgeschlossen, trotz des bereits erfolgten Abtrags von 50.000 Tonnen Material. Die Stadt hatte bereits angekündigt, den früheren und ersten Gutachter haftbar zu machen. Damals gingen die Gutachter acht Meter in den Deponieberg. Dass sich unter dieser Schicht eine etwa 20 Meter dicke Schicht aus ebenfalls giftigen Kalkschlämmen befindet, war der Stadt bei Baubeginn offenbar nicht bekannt.

Kalkberg – Realisierung trotz Risiken?

Vorwürfe einer Bürgerinitiative, die der Stadt einen Verstoß gegen den im Rat beschlossenen Baustopp vorwirft, wies der Chef der Kölner Feuerwehr, Johannes Freyrer, vor der Sitzung des Gesundheitsausschusses zurück. Die Fällungen und der Zaun seien notwendige Sicherheitsmaßnahmen. Sonst würde man sich strafbar machen, so Freyrer. Am Standort selbst wolle man festhalten. Doch aufgrund der nun zu Tage getretenen Mängel klingt die Standortzusage nicht mehr so überzeugt wie noch Ende vergangenen Jahres. Kritiker der Landestation am Kalkberg bemängeln seit längerer Zeit, dass die frühere Deponie vor ihrer Bebauung nicht hinreichend untersucht worden sei.

Sollte es zum „worst case“ kommen, droht eine jahrelange Alternativsuche. Denn für den Betrieb einer rechtsrheinischen Hubschrauberlandestation bedarf es neben der Baugenehmigungen auch eine luftverkehrsrechtliche. Diese Genehmigung für den Kalkberg dauerte zusammen mit den anschließenden juristischen Verhandlungen fünf Jahre. Die bereits verbauten 13 Millionen Euro wären dann verloren.

Feuerwehrchef Freyrer fühle sich jedoch dem politischen Willen verpflichtet, die Hubschrauberstation am Kalkberg zu realisieren. Das aber würde weitere Kosten nach sich ziehen. So soll die Sanierung der Hänge und damit des gesamten Berges zwischen fünf und zehn Millionen, die Sanierung des bereits weitgehend errichteten Hangargebäudes weitere drei bis sechs Millionen Euro kosten. Bis zur Ratssitzung im Mai soll es eine neue Vorlage geben, die den Sanierungsbedarf genau auflistet und kalkuliert. Die bisherigen Sicherheitsmaßnahmen haben bereits rund 180.000 Euro gekostet.

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