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Hatice Kamer wollte über ein Grubenunglück in der Türkei berichten

WDR-Reporterin nach Verhaftung wieder frei

27. November 2016 | 19:00 | ehu
Hatice Kramer berichtete aus den türkischen Kurdengebieten – wohl sehr zum Unwillen der AKP-Regierung.  © Hatice Kramer / WDR

Hatice Kramer berichtete aus den türkischen Kurdengebieten – wohl sehr zum Unwillen der AKP-Regierung.  © Hatice Kramer / WDR

Die am Samstag in der Türkei während ihrer Arbeit verhaftete WDR-Reporterin Hatice Kamer ist wieder frei. Das berichtete der Kölner Sender unter Bezug auf Angaben von Familie und Rechtsanwalt der Journalistin. Sie wird aber weiter verdächtigt, mit ihrer Berichterstattung die PKK unterstützt zu haben. Sie war eine der wenigen JournalistInnen, die noch aus den türkischen Gebieten berichteten.

Nach Angaben ihrer Familie wurde die Korrespondentin in der südosttürkischen Provinz Siirt festgenommen. Sie wurde an einem Polizeikontrollpunkt festgenommen, ihr Fahrter später freigelassen. Laut Aussage ihrer Familie gegenüber dem WDR wirft die Polizei Kamer vor, Fotos auf militärischem Gebiet gemacht zu haben. Sie wurde in das lokale Büro für Terrorbekämpfung gebracht. Inzwischen konnte ihr Anwalt mit ihr Kontakt aufnehmen.

Möglicherweise hängt die Festnahme mit Kamers Berichterstattung über ein Grubenunglück zusammen. In solchen Fällen reagiert die AKP-Regierung äußerst empfindlich, wie auch ihre Verharmlosung des Grubenunglücks 2014 in Soma mit über 300 Toten zeigte.

Die 39-jährige Kamer lebt in der Kurdenmetropole Diyarbakir und arbeitet neben dem WDR auch für auch für die BBC und die Voice of America. Zur Zeit berichtet sie für die WDR 3 Sendung „Türkei unzensiert“ über die Ereignisse im Südosten des Landes. In der türkischen Medienlandschaft gibt es kaum noch Abnehmer für kritische Beiträge aus der Region.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisierte die Festnahme Kamers scharf. Sie gehöre zu den wenigen Kollegen, „von denen wir noch unabhängige Nachrichten aus dem Land bekommen haben“, erklärte der DJV-Vorsitzende Frank Überall am Sonntag.

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