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Berliner „taz“ behauptet: RWE beeinflusst Berichterstattung des "Kölner Stadt-Anzeigers“

„Pro für Braunkohle überwiegt Contra“

2. Juli 2015 | 19:00 | ehu
Bild: ehu/Archiv

Wo hört guter Journalismus auf, wo fängt Lobby an? In Sachen Braunkohle macht die Tageszeitung taz dem Kölner Stadt-Anzeiger nun schwerwiegende Vorwürfe. Bild: ehu/Archiv

Fehlende Objektivität in der Berichterstattung über den umstrittenen Abbau der Braunkohle wirft die Berliner „tageszeitung/taz“ dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vor.

Sie macht dafür Druck des Energiekonzerns RWE über dessen Betriebsratsvorsitzenden Norbert Pohlmann verantwortlich, der zugleich im Landesvorstand der Energiegewerkschaft IG BCE ist. Die in der taz-Ausgabe vom 30. Juni als „Beweis“ aufgestellte Indizienkette beginnt mit 61 Androhungen von Abo-Kündigungen, begleitet von einem Schreiben Pohlmanns. Der beschwert sich über eine „unfaire Berichterstattung“ über das Thema Braunkohle.

So habe der Stadt-Anzeiger ausführlicher über eine Menschenkette von Tagebaugegnern berichtet als über eine gleichzeitige Pro-Braunkohle-Demonstration.

Sprecher der Verlagsgruppe DuMont Schauberg bestätigt Gespräch

Es folgte ein „ultimativ gefordertes“ kurzfristiges angesetztes Gesprächs des Betriebsrats mit der Chefredaktion. Dazu – so die Berliner – wollte Pohlmann keine Stellung nehmen, ein Sprecher der Verlagsgruppe DuMont Schauberg habe dies aber bestätigt. Danach seien Meinungsverschiedenheiten ausgeräumt worden. Nach diesem Treffen, stellt die taz fest, seien die „Positionen der Kohlgewerkschaft ausgiebig berücksichtig“ worden.

So wurde ein Interview mit dem Betriebsrat abgedruckt. Hier habe er „ohne kritische Nachfragen“ seine Position zu der von seiner Gewerkschaft bekämpften Sonderabgabe für Braunkohlekraftwerke darstellen können. Diese Sonderabgabe war ein Plan von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, um den klimagefährdenden Kohlenstoffdioxid-Ausstoß zu senken.

Das Berliner Büro bot kritische Kommentare n, Köln lehnte den Abdruck ab“

Kritische Kommentare oder Beiträge zum Braunkohleabbau wären hingegen im Kölner Stadt-Anzeiger erschienen, obwohl das Hauptstadtbüro des Verlags sie angeboten habe. Andere Zeitungen der Verlagsgruppe wie „Berliner Zeitung“, „Frankfurter Rundschau“ oder „Mitteldeutsche Zeitung“ hätten diese dagegen abgedruckt. Dies sei in den jeweiligen Zeitungsarchiven nachzuprüfen. Stattdessen habe in Köln der stellvertretende Chefredakteur Lutz Feierabend in einem Kommentar die Gewerkschaftsposition verteidigt. „Der hatte als Luftfahrtexperte zuvor keinen einzigen Text zum Thema Energiepolitik geschrieben“, heißt es in der taz.

Im Stadt-Anzeiger wurde bislang nicht auf die Vorwürfe aus Berlin eingegangen. Einen Tag später allerdings erschien im Kölner Marktführer ein fast ganzseitiger Artikel über 200 Straftaten, die in den letzten zwei Jahren von „Waldbesetzern im Hambacher Forst“ gegen RWE verübt wurden, 50 davon gegen die firmeneigene Hambachbahn. Einzige Quelle für dies Zahlen ist die „RWE Power“-Pressestelle.

Das Gespräch wurde mit einem Lokführer, einem Energieanlagenelektroniker und einem Betriebsrat geführt. Außerdem darf ein Maschinenbauer, der im inzwischen abgeschalteten AKW Biblis gearbeitet hat und nun weiter bei dessen Besitzer RWE Power arbeitet, die Braunkohle-Energie verteidigen und die Argumente der Atomgegner als „Alles Quatsch“ bezeichnen.

In einem Zweispalter kommt der Buirer Pastor Georg Neuhöfer zu Wort. Der steht eher auf der Seite der Braunkohle-Gegner, stellt jedoch klar: „Es darf keine Anwendung von Gewalt geben.“. Sagt aber auch: „Ich bin aber nicht sicher, ob alles, was da berichtet wird, den Tatsachen entspricht.“.

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