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Machtwort der Kölner Bezirksregierung nach Kritik des Handwerks

Gisela Walsken: ‚Keine sichere Alternative zur einspurigen Verkehrsführung auf der A 59‘

6. Oktober 2016 | 08:30 | red
Steht kurz vor der Fertigstellung: die neue Lkw-Schrankenanlage auf der Autobahn A1 kurz vor der Leverkusener Brücke.  BIld: Köln Nachrichten

Die neue Lkw-Schrankenanlage auf der Autobahn A 59 sorgt für einen Streit. Die Handwerkskammer will die Verengung nicht mittragen, nun hat die Regierungspräsidentin ein Machtwort gesprochen. Bild: Archiv Köln Nachrichten

Die Zufahrtsbeschränkungen und die damit einhergehenden Beeinträchtigungen rund um den nördlichen Kölner Autobahnring haben am gestrigen Donnerstag zu einem Schlagabtausch zwischen der Kölner Handwerkskammer und der Bezirksregierung geführt.

Die gab in einer Klarstellung am späten Nachmittag unmissverständlich zu verstehen, dass die mit Einrichtung der ersten Lkw-Sperranlage auf der Autobahn A59 einhergehende einspurige Verkehrsführung so bleiben soll, wie sie ist. Vorausgegangen war eine kritische Stellungnahme der Kölner Handwerkskammer und dessen Hauptgeschäftsführer Dr. Ortwin Weltrich.

Uns ist sehr daran gelegen, die Standfestigkeit der Leverkusener Rheinbrücke so lange wie möglich zu erhalten, deshalb sind wir auch für entsprechende Sicherungsmaßnahmen. Es ist schlimm genug, dass aufgrund einiger weniger LKW-Fahrer, die sich nicht an Verkehrsregeln halten, so teure und den Verkehr zusätzlich belastende Maßnahmen wie die Schrankenanlage erforderlich werden. Doch durch eine suboptimale Verkehrsführung unnötig erzeugte Staus müssen verhindert werden“, umschrieb Weltrich den Standpunkt des Handwerks in der Region.

Tatsächlich sind viele Handwerksfahrzeuge aufgrund ihres geringeren Gewichts nicht von den Sperrmaßnahmen auf der Leverkusener Autobahnbrücke betroffen (zulässiges Höchstgewicht 3,5 Tonnen), um so empfindlicher reagiert die Kammer inzwischen auf Ankündigungen längerfristiger Verkehrsbeschränkungen. Aus diesem Grund forderte Weltrich in seiner Stellungnahme die „unverzügliche Freigabe des vor der Schrankenanlage eingezogenen linken Fahrstreifens der A 59 von Düsseldorf kommend Richtung Dortmund.“ Der ist mit der Eröffnung der Schrankenanlage seit Ende vergangener Woche bis auf Weiteres gesperrt.

Bezirksregierung reagiert am gleichen Tag

Durch die seit Ende September 2016 in Betrieb befindliche Sperranlage musste der Bereich für den Spurwechsel von circa 350 Meter auf 140 Meter verkürzt werden. Die Bezirksregierung Köln, der Landesbetrieb Straßenbau NRW und die Kreispolizeibehörde Köln zeigten sich einig darin, dass diese Maßnahme zur Unfallvermeidung und damit zur Verkehrssicherheit in diesem Abschnitt notwendig ist.

Im Vorfeld durchgeführte Verkehrsbeobachtungen haben gezeigt, dass die einspurige Verkehrsführung ohne Alternative sei. Zwei Fahrspuren in Richtung Dortmund führen dazu, dass zahlreiche Verkehrsteilnehmer auf dem schnellbefahrenen linken Fahrstreifen an dem überstauten rechten Fahrstreifen vorbeifahren und sich vor dem Engpass wieder in die Spur drängeln. Dies führt zu erheblichen Verkehrsgefährdungen mit Auffahrunfällen, so das Argument der Behördenvertreter.

Eine zusätzliche zweite Fahrspur ist zudem nicht möglich, da hinter der Schrankenanlage für die Lkw-Fehlfahrer, die nach links in Richtung Dortmund abgeleitet werden, eine Beschleunigungspur zur Verfügung stehen muss. Denn die dortige Einfahrt in den rechten Fahrstreifen ist für Lkw aus dem Stand nicht verkehrsgerecht möglich, da die Fahrbahn ansteigt. Zudem ist die Verkehrsbelastung morgens in Richtung Koblenz höher als in Richtung Dortmund; die Öffnung einer zweiten Spur würde deshalb nicht zu einer spürbaren Reduzierung der Staus in diesem Bereich führen“, begründete die Bezirksregierung die dortige Verkehrsführung weiter.

Bereits am 8. September dieses Jahres habe es zudem eine Sitzung des Baustellenmanagements der beteiligten Behörden dazu gegeben. Auch die Handwerkskammer war damals „umfassend“ über die anstehenden Maßnahmen informiert worden, so der abschließende Hinweis der Bezirksregierung.

Die Handwerkskammer hingegen macht geltend, dass die Betriebe der „Wirtschaftsmacht von Nebenan“ schon jetzt unter der prekären Verkehrssituation in und um Köln herum leiden. Auf den gesamten Kammerbezirk (Köln und Bonn) hochgerechnet, summieren sich die „unproduktiven Zeiten“ durch das Warten im Stau auf zusammen rund 200 Millionen Euro pro Jahr.

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