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Im Herbst wählen Kölns Senioren und Senioren eine neue Interessenvertretung

Amtierende Seniorenvertretung legt Arbeitsbilanz vor

2. Mai 2016 | 10:00 | ehu
Der amtierende SV-Vorstand stellt seine Jahresbilanz 2013-2016 vor: Martin Theisohn, Manfred Wegner, Edith Marschall, Dieter Pannecke (v.l.). Hedwig Krüger-Israel fehlt wegen Krankheit. Foto: ehu

Der amtierende SV-Vorstand stellt seine Jahresbilanz 2013-2016 vor: Martin Theisohn, Manfred Wegner, Edith Marschall, Dieter Pannecke (v.l.). Hedwig Krüger-Israel fehlt wegen Krankheit. Foto: ehu

30 Prozent Wahlbeteiligung – dieses Ziel wurde bei der letzten Wahl zur Kölner Seniorenvertretung (SV) 2011 knapp verfehlt. Im Herbst soll die Hürde gerissen werden. Um das Interesse an diesem politischen Gremium zu wecken, legte der amtierende Vorstand jetzt eine Bilanz seiner Arbeit vor.

Das Tätigkeitsfeld dieser Interessenvertretung für alle Kölnerinnen und Kölner ab 60 Jahren – das traf 2014 auf fast jeden vierten Kölner zu – ist weit gespannt. Dazu gehört die Zusammenarbeit mit der Polizei zu Sicherheitsfragen ebenso wie mit den Sozialbetrieben der Stadt Köln zu Demenz oder mit den entsprechenden Institutionen und Verbänden über Gesundheit, Renten- und Finanzfragen, Mobilität oder Freizeitgestaltung. Regelmäßig werden zu diesen Themen Workshops, Seminare oder Vorträge angeboten.

Mitglied ist die Seniorenvertretung unter anderem in der Kommunalen Gesundheits- und Pflegekonferenz, der Stadt-AG Behindertenpolitik, im Stadtsportbund oder im Beirat der Verbraucherzentrale NRW.

Als großen Erfolg der bisherigen Arbeit – Köln war mit der Einrichtung von Seniorenvertretungen Vorreiter in Nordrhein-Westfalen – nennt Stadt-Vorstandssprecher Manfred Wegner den Ausbau der Seniorennetzwerke, von denen es inzwischen 42 gibt. Sie koordinieren Tätigkeiten in den Veedeln und machen – abhängig vom jeweiligen Engagement der Ehrenamtler – ein oft breites Angebot.

Der „Stadtteilkümmerer“ wurde in Köln erfunden, aber ihn gibt es noch nicht überall

Stolz ist man auch auf die „Erfindung“ des Stadtteilkümmerers, sozusagen ein „Offizieller“, der sich um eine bestimmten Stadtteil kümmert und ein offenes Ohr für die Belange der dort wohnenden alten Menschen haben soll. Diesen gibt es allerdings noch nicht flächendeckend. Dies scheitert zum einen am fehlenden Geld für Personal bei Stadt oder Wohlfahrtsverbänden, zum anderen an einer etwas unbeweglichen Organisation, die keine Konzentration auf einen Stadtteil vorsieht.

Gemischt fällt die Bilanz für die Kooperation mit der KVB aus. Hier stehen vor allem Barrierefreiheit und Mobilität im Mittelpunkt. Zufrieden ist man mit dem „Mobilitätstraining“, das das Verkehrsunternehmen anbietet. Hier kann man lernen, wie man den Fahrkartenautomaten bedient oder wie man mit Rollator oder Rollstuhl Busse und Bahnen benutzt. Gab es im Vorjahr schon 2100 solcher „Unterrichtseinheiten“, werden es 2016 schon 2600 sein.

Seniorenvertreter kritisieren KVB wegen des Mitfahr-Verbots für E-Scooter

Kritik übt Seniorenvertreter Martin Theisohn dagegen am Mitfahr-Verbot für elektrisch betriebene Rollstühle („E-Scooter“) in Bussen und Straßenbahnen. Damit stehe Köln bundesweit ziemlich einsam da. Resigniert hat man beim Umbau vor allem der Straßenbahn-Haltestellen auf der Aachener Straßen: Die neuen Wartehäuschen bieten keine Sitzplätze mehr. Nicht nur bei der KVB, sondern auch in Parkhäusern sind fehlende Aufzüge oder Rolltreppen ein Dauerthema.

Sorgen bereiten den Seniorenvertretern auch fehlende altersgerechte Wohnungen. Der Bedarf dafür werde oft übersehen. Vorbildlich sei hier die Zusammenarbeit mit der GAG, die bei neuen Siedlungen auch Demenz-WGs einplane. Grundsätzlich seien Senioren ein stabilisierender Faktor in Wohnanlagen: Sie wohnten dort länger als zum Beispiel Studenten und seien tagsüber zu Hause. Vor allem aber: Die Unterbringung in einem Heim kostet die Stadt 500 Euro monatlich mehr, als wenn die Seniorin – Frauen werden immer noch älter als Männer – weiter Selbstbestimmt und selbstständig in einer eigenen Wohnung leben kann.

Immerhin erfreut sich das Modell „Wohnen für Hilfe“ steigender Nachfrage. Hier können Studenten als Untermieter ihre Miete zum Teil durch Hilfe im Alltag „abarbeiten“. Langfristiges politisches Ziel der Seniorenvertretung, in den entscheidenden Gremien nicht nur als beratendes Mitglied zu sitzen, sondern auch stimmeberechtigt zu sein.

46 alte Kölnerinnen und Kölner setzen sich ehrenamtlich für ihre Generation ein

Symbolbild: ehu/Archiv

Es gibt noch viel zu tun für die Älteren in unserer Gesellschaft. Symbolbild: ehu/Archiv

Die Kölner Seniorenvertretung setzt sich für die Interessen und Bedürfnisse der eigenen Generation ein. Sie ist überkonfessionell und überparteilich, ihre Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Im Rat und in den Ratsausschüssen sind sie an Entscheidungen und Planungen beteiligt. Sie beraten, helfen und informieren über Möglichkeiten im persönlichen Lebensbereich und die Entwicklungen in der Seniorenpolitik. Sie arbeitet mit Politik, Polizei, öffentlichen Einrichtungen wie Polizei und KVB sowie den Wohlfahrtsverbänden zusammen. Die Mitglieder werden für jeweils fünf Jahre gewählt.

Die aktuelle Kölner Seniorenvertretung setzt sich aus den neun Bezirks-Seniorenvertretungen mit insgesamt 46 Mitgliedern zusammen. Diese haben aus ihren Reihen dem gesamtstädtischen fünfköpfigen Vorstand gewählt.

Am 22. Oktober wird die nächste Seniorenvertretung gewählt. Sie findet ausschließlich als Briefwahl statt. Wahlberechtigt ist jede Kölnerin und jeder Kölner, der mindestens 60 Jahre alt ist. Kandidaten können sich ab sofort melden – sie müssen ebenfalls mindestens 60 Jahre alt sein, seit drei Monaten in dem Stadtbezirk gemeldet sein, in dem sie kandidieren und 20 Unterstützerunterschriften vorlegen, für die dieselben Bedingungen gelten.

Letzter Termin für die Einreichung der Wahlvorschläge bei der Wahlorganisation ist der 28. August, 18 Uhr. Stichtag für die Eintragung aller Wähler in das Wählerverzeichnis ist der 17. September. Die Wahl erfolgt ausschließlich als Briefwahl. Migranten genießen einen Minderheitenschutz, damit sie auf jeden Fall ein Mitglied in die Seniorenvertretungen entsenden können. Gibt es mehr als einen Bewerber, erhält derjenige mit den meisten Stimmen auf jeden Fall einen Sitz.

Allgemeine Informationen zur Seniorenvertretung und zur Wahl: Tel. 0221 / 221 – 274 08, svkwahlen@stadt-koeln.de. Informationen zu Kandidatur und Wahlordnung: 221 / 221 – 219 49, wahlen@stadt-koeln.de.

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