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Kommentar zur US-Wahl 2016

Denkzettel-Wahlen in den USA

9. November 2016 | 11:15 | red
Von einer "einfachen Bürgerin" auf der Kögida-Kundgebung getragen: ein erster Schritt zur Selbsterkenntnis oder wie oder was? Foto: ehu

Populismus und Verschlichtung als Mittel zum Erfolg. In den USA hat’s in der vergangenen Nacht funktioniert. Symbolbild: ehu/Archiv

Die USA sind keine Vereinigten Staaten mehr. Wer den Wahlkampf und die Äußerungen seiner beiden Protagonisten verfolgt hat, dürfte sich dieses Eindrucks nicht erwehren können. Es war der Kampf der Befürworter eines „Weiter so“ mit denjenigen, die einen Wechsel wollten.

Und schon die erste Rede des frisch gewählten neuen Präsidenten lässt erahnen, dieser Präsident wird der Welt eine Herausforderung. Viel wichtiger sind nun Fragen, wie der Neue seine Administration besetzt, wer wird Sicherheitsberater, wer Außenminister. Außerdem dürfte es nicht uninteressant sein, wie sich Trump, der ja bekanntlich als Immobilien-Tycoon groß geworden war und sich beharrlich weigerte seine Vermögenslage aufzudecken, als US-Präsident auch steuerlich und unternehmerisch aufstellen will. Dahinter steht die Befürchtung, er handele bei seinen zukünftigen außenpolitischen Reisen eher als Immobilieninvestor mit Diplomatenpass statt zum Wohle seines Volkes.

Viele ungeklärte Fragen, die zumindest in der westlichen Welt für Bestürzung, aber auch Ratlosigkeit sorgen. Richtig ist, die USA und Europa verbinden wichtige und wesentliche Interessen. Die Bande, die sich in unzähligen Organisationen niederschlägt und milliardenschwer ist, wird auch der Neue so schnell nicht zerschlagen. Und auch Trump muss sich in allen wichtigen Fragen mit genau dem Establishment abstimmen, dessen Teil er war und ist und das er im Wahlkampf so wortreich und provozierend in den Fokus nahm.

Richtig ist auch, dass die demokratischen Werte, derer sich die Vereinigten Staaten so lange rühmten, in dem Wahlkampf strapaziert wurden. Wie stark die Grenzen verrutscht sind, mag der Dank der Trump-Anhänger an Wikileaks ausdrücken. Deren Plattform veröffentlichte zahlreiche Mails von Hillary Clinton, was in bestimmten Kreisen wahlbeeinflussend war. Und die wütenden weißen Männer, die ihn gewählt haben, erwarten nun Maßnahmen, die genau den Werten entgegenstehen, für die die USA so lange standen.

Als Gewinner dürfen sich in jedem Fall die „Falken“ fühlen. Denn der Anspruch, die USA wieder zu Größe zu führen, heißt nicht nur für die Bundesrepublik, dass der Aufrüstungsdruck steigen wird. Und solche, die sich als Retter abendländischer Kultur fühlen, dürften ebenfalls jubeln, hat sich nun im Ursprungsland westlicher Demokratie das Denkzettel-Potential zur Mehrheit gemausert. Schwierige Zeiten, für die, die zu Toleranz und Mäßigung aufrufen. Und die Erkenntnis, jedes Land bekommt die Führung, die es verdient.

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