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Kostensteigerungen im öffentlichen Hochbau

Kosten für öffentliche Großprojekte erhöhen sich überdurchschnittlich

15. März 2016 | 11:00 | red
Das "historische Herz" von Deutz: Im Vordergrund die westlichen Grundmauern von Alt. St. Urban, die Reste des preußischen Bahndamms verdecken die Hohenzollernbrücke. Foto: ehu

Das „historische Herz“ von Deutz. Die Gründe für erhebliche Kostensteigerungen öffentlicher Großbauvorhaben sind vielfältig.. Foto: ehu/Archiv

Die Kosten für Großprojekte in Köln steigen in Köln aktuell und pro Jahr um 6,5 Prozent. Damit liegen die tatsächlichen Baukosten für die Stadt deutlich über der durchschnittlichen Steigerung der Baukosten.

Denn neben den regulären Preiserhöhungen, die ohnehin stattfinden, kommen bei Kölner Großprojekten noch weitere Kosten hinzu. Die Ratsfraktion der Linken hatte eine Anfrage im Stadtrat gestellt, die Antwort wird auf der heutigen Sitzung des Stadtrates zur Diskussion gestellt. In ihrer Antwort ermittelte die Stadtverwaltung die Kostenentwicklung von 24 Großbauvorhaben unter der Regie der Stadt Köln.

In den festgestellten jährlichen Kostenerhöhungen sind die Mehrkosten der Sanierung des Opernquartiers allerdings nicht berücksichtigt, hier wurde der ursprüngliche Kostendeckel von etwas mehr als einer Viertel Milliarde Euro buchstäblich pulverisiert. Schon jetzt gehen die Verantwortlichen von Kosten weit über 400 Millionen Euro aus.

Zu den Ursachen für die Kostensteigerungen gehören neben der bundesweiten Erhöhung des Baupreisindex um durchschnittlich 1,5 bis 2,5 Prozentpunkten pro Jahr auch gewünschte Umplanungen, Insolvenzen bei Zulieferern, aber auch archäologische Funde im Baugrund. Von Kostenerhöhungen ist maximal jedes zweite Großbauvorhaben mit entsprechend langer Bauzeit betroffen. Insgesamt summieren sich die Bauprojekte damit auf rund 722 Millionen Euro.

Aufgrund des großen Projektvolumens liegen zwischen Baubeschluss und Fertigstellung von Großprojekten oft mehrere Jahre, in denen sich die Kosten schon allein durch die Baupreissteigerung zwangsläufig erhöhen. Darüber hinaus ist jedes Bauvorhaben mit Unwägbarkeiten verbunden, die trotz sorgfältigster Planung zu einer Kostenerhöhung führen können, argumentieren die Verantwortlichen.

Beispiele für erhebliche Kostensteigerungen

Zwischen all dem abgelagerten Baumaterial hat die Sanierung des Grümmer-Brunnens vor der Oper schon begonnen. Foto: ehu

Die Sanierung des Opernquartiers ist in der Analyse noch nicht berücksichtigt. Die Kostensteigerung dürfte eher noch zulegen Foto: ehu/Archiv

Beispiele für erhebliche Kostensteigerungen gibt es viele. So haben beispielsweise unter anderem archäologische Funde von ungeahnter Größe und historischer Bedeutung den Bau des Rheinboulevards nicht nur verzögert, sondern ihn auch teurer gemacht – die Kosten liegen 1,14 Millionen Euro über der Berechnung von 24,8 Millionen Euro bei Baubeschluss. Die für die Berechnung der Landeszuschüsse (Regionale 2010-Projekt) maßgeblichen ersten Berechnungen lagen allerdings deutlich darunter.

Auch die Kosten für den Museumsbau über der archäologischen Zone sind nicht nur aufgrund der Änderung der Planung, sondern auch auch durch einen größeren Umfang der Grabungsarbeiten gestiegen, von 51, 7 Millionen Euro bei Baubeschluss auf 61,58 Millionen Euro. Während der Rheinboulevard bereits im vergangenen Jahr – wenn auch noch nicht vollständig – fertiggestellt ist, stehen die Arbeiten für den Museumsneubau noch an, mit möglichen weiteren Kostensteigerungen.

Die Insolvenzen am Bau beteiligter Unternehmen, Ersatzvornahmen, notwendige beschleunigende Maßnahmen sowie eine Wintereinhausung haben den Umbau der Flora 7,4 Millionen Euro teurer gemacht als die zunächst bezifferten 36 Millionen Euro. Auch der Umbau der östlichen Domumgebung war mit größerem Aufwand verbunden als erwartet: Die Kosten stiegen von 20,16 auf 28,50 Millionen Euro. An der Ausschreibung der Bauleistung beteiligten sich wenige Bieter, deren Angebote bereits über der Kostenschätzung lagen, immer wieder mussten mit hohem Aufwand die Bauabläufe der komplexen Verkehrssituation im Domumfeld angepasst und umgeplant werden. Versorgungsleitungen, die auf keiner Karte verzeichnet waren, und archäologische Funde sorgten im Ergebnis ebenfalls für zusätzliche Kosten, hieß es dazu abschließend.

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