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Gesucht: das Comeback des „Rheinischen Kapitalismus“

9. Mai 2014 | 14:00 | red

So flüssig und anregend das Buch zu lesen ist, vielleicht reicht ja auch die Lektüre (und das Befolgen) der Zusammenfassung. Die besteht symbolträchtig aus zehn Geboten – zehn für die Politik, zehn für die Wirtschaft und zehn für die Gesellschaft. „Mache wenige Gesetze, aber gut!“, heißt es da etwa für die Politiker. Und weiter „Begrenze die Käuflichkeit!“, „Mache die soziale Balance zum Gesetz!“.

„Stelle Kooperation vor Wettbewerb!“, wird die Wirtschaft ermahnt. „Maximiere den Sinn und nicht den Profit“, „Zahle Deine Steuern und Abgaben“ und „Zahle jedem seinen gerechten Arbeitslohn!“ sind hier weitere Gebote. Und die Gesellschaft? „Informiere Dich“!, „Unterstütze Schwächere!“, „Habe Spaß!“ (spätestens hier wird klar, dass es um etwas Rheinisches geht). Alles banal? Mag sein, aber manchmal sind Verbesserungen leichter, als man denkt.

Verleger Damian van Melis überlegt, die 3 x 10 Gebote als Wandplakat zu veröffentlichen. An eine Übersetzung in andere Sprachen ist zumindest vorerst nicht gedacht – trotz des Gebotes „Werde Botschafter des Rheinischen Kapitalismus!“. Ein anderes Gebot an die Gesellschaft „Geh wählen!“ wird dann aber doch von Martin Schulz aufgegriffen. Ein bisschen Wahlkampf muss sein.

Mehr Vertrauen in Brüssels EU-Politik durch das Schließen von Steuerlücken

Und so sagt er noch schnell, was seine Hauptaufgabe als EU-Kommissar – so er es denn wird, schränkt er sofort ein – sein wird: das Vertrauen der Bürger in die Europäische Union zurückgewinnen. Das will er durch drei Maßnahmen erreichen: das Schließen von Steuerlücken und Steueroasen für internationale Konzerne („wo ich Einnahmen erziele, zahle ich auch Steuern“), durch ein Kreditprogramm vor allem gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa und schließlich durch eine Verlagerung von Entscheidungen auf untere Ebenen.

Dann wettert Schulzer noch ein gegen die „uniformierten jungen Unternehmer in weißen Hemden“, die das ganze Leben durchökonomisieren und nur den eigenen Profit im Kopf haben statt rheinischen Kapitalismus. Und warum ist das angelsäschische Staatsverständnis – nämlich so wenig Staat wie möglich – vor allem in den neuen EU-Ländern so verbreitet? „Weil die Nato schneller bei der Aufnahme dieser Nationen war als die EU.“. Da gelte es einiges nachzuholen.

Franz Meurer, Jochen Ott und Peter Sprong, „Rheinischer Kapitalismus – eine Streitschrift für mehr Gerechtigkeit“ – Greven Verlag, Köln 2014, 200 Seiten, 9,90 Euro