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Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsradikalismus gibt Erstlingswerk heraus

19. Januar 2009 | 21:52 | red



„Feinbild Islam“, so lautet der Titel der ersten Veröffentlichung der neu gegründeten Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus, die am heutigen Montag im NS-Dokumentationszentrum vorgestellt wurde. Alexander Häusler und Hans-Peter Killguss, die beiden Autoren des Werks, stellten das 90-seitige Werk vor. Häusler ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Arbeitsstelle Neobazismus an der Fachhochschule Düsseldorf (FH Düsseldorf), Killguss leitet die Kölner Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus. Die Publikation, die ab sofort für eine Schutzgebühr von drei Euro über das NS-Dokumentationszentrum verfügbar ist, bereitet das Ergebnis der Diskussion einer Fachtagung aus dem vergangenen Jahr auf. Insbesondere gehen die beiden Autoren der Frage nach, ob die Angst vor einer Islamisierung tatsächlich das Entstehen einer neuen Rechten fördert. Nicht erst seit dem so genannten „Anti-Islamisierungskongress“, der am 20. September vergangenen Jahres in der Kölner Innenstadt stattfand, ist das Thema auch in der Domstadt mit starken Emotionen belastet. Die als rechtsextrem eingestufte politische Formation „pro Köln“ hatte es bei den vergangenen Kommunalwahlen geschafft, mit einem Stimmenanteil von über 4,5 Prozent in Fraktionsstärke in den Stadtrat einzuziehen. Immer wieder machten die Formation danach durch Protestaktionen zum Beispiel gegen den Moscheebau in Köln-Ehrenfeld mobil.

Biedermann-Strategie der Neuen Rechten

„Gefährlich sind die neuen Rechtspopulisten, weil sie Rassismusthemen in die Mitte der Gesellschaft tragen“, erklärte Co-Autor Häusler. Durch reine Moralisierung, wie von einigen Formationen in Köln betrieben, dürfte auf lange Sicht wenig aussichtsreich sein. Dabei sollten sich die etablierten politischen Kräfte auch mit den Defiziten der Integrationspolitik in diesem Land kritisch auseinander setzen, rät Häusler. Die derzeitige Globalisierungsdebatte, die im Rahmen der internationalen Finanzkrise an Schärfe gewonnen hat, könnte sich durchaus auch zur neuen Krise des repräsentativen politischen Systems in Deutschland entwickeln. Auch hiervon könnte die neue Rechte über längere Sicht profitieren. Kurzfristig jedoch rechnet Häusler nicht damit, dass „pro Köln“ seinen Wahlerfolg der zurückliegenden Kommunalwahl wiederholen kann. Das bedeutet aber auf keinen Falls, dass man die Gefahr aus dieser Richtung unterschätzen darf. Schließlich legt auch „pro Köln“ großen Wert darauf, sich von anderen erwiesenermaßen rechtsradikalen Strömungen und Gruppierungen zu distanzieren.

Die Publikation „Feindbild Islam – Rechtspopulistische Kulturalisierung des Politischen“ ist die Dokumentation der Fachtagung vom 13. September vergangenen Jahres. Sie enthält insgesamt 19 Fachbeiträge. Die Erstschrift ist für eine Schutzgebühr von drei Euro beim NS-Dokumentationszentrum sowie im Buchhandel (ISBN: 978-3-938636-00-8) erhältlich.