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RWI-Studie zum Welthandel und ihren Effekten auf das Rheinland

Globalisierung stockt – geringeres Wachstum für Köln

2. Dezember 2016 | 13:30 | red
Bild: Köln Nachrichten

Die IHKs haben eine Studie zu den Auswirkungen des schwächelnden Welthandels in Auftrag gegeben. Bild: Archiv Köln Nachrichten

In einer Studie hat das Rheinisch-Westfälische Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) die Auswirkungen der zunehmenden Schwäche im Welthandel auf die rheinische Wirtschaft analysiert. Die Aussichten trüben sich ein.

Wie die Kölner Industrie- und Handelskammer am gestrigen Donnerstag bekannt gab, sind die Wachstumsraten im Welthandel seit Jahren auf dem Rückzug. Nach einer jährlichen Wachstumsrate von acht Prozent im letzten Jahrzehnt des vorangegangen Jahrhunderts, schrumpfte das Wachstums im weltweiten Warenaustausch auf 6,5 und zuletzt auf nur noch 2,7 Prozent pro Jahr. Nach Ansicht des für internationale Fragen zuständigen IHK-Geschäftsführers Alexander Hoeckle komme damit die Globalisierung zusehens ins Stocken.

Das habe zudem erhebliche Auswirkungen auf die regionalen Unternehmen, denn die Wirtschaft im IHK-Bezirk Köln ist von einer hohen Außenhandelsorientierung geprägt: Die Exportquote der Industrieunternehmen liegt bei rund 52 Prozent. Jeder Prozentpunkt weniger beim Export schlägt spürbar negativ auf die Kölner Region durch, so die Befürchung der Kölner Kammer.

Studie analysiert Auswirkungen der sinkenden Auslandsnachfrage

Bislang jedoch gab es keine Untersuchungen zu den tatsächlichen Auswirkungen der schwächelnden Auslandsnachfrage. Um das zu ändern, hat IHK NRW – der Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen – das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) beauftragt, Ursachen und Folgen dieser Entwicklung auf den Grund zu gehen. Die jetzt vorgelegte Studie „ Peak Trade? – Auswirkungen einer weltwirtschaftlichen Wachstumsverlangsamung auf das Exportland Nordrhein-Westfalen“ nennt zunächst zwei Gründe für die Verlangsamung des Welthandels.

Die weltwirtschaftliche Produktion selber steht auf der Bremse, und die Handelselastizität der Produktion nimmt ab. Die Verlangsamung der Produktion hat ihren Grund vor allem in der nachlassenden Dynamik der Schwellenländer, wobei China eine herausgehobene Rolle spielt. Ein weiterer Grund ist der massive Nachfrageeinbruch in der EU. Hinzu kommt, dass sich das Wachstum in vielen Schwellenländern weg vom Import hin zu einem stärkeren Binnenwachstum orientiert. Als Folge hat sich der „Importgehalt“ des Wachstums verringert. Für ihr Wachstum benötigen die Schwellenländer heute weniger Importgüter als früher, und zunehmend werden Güter lokal produziert, statt sie zu importieren.

Geringere Wachstumsdynamik für die Exportwirtschaft in Köln

Ob die weltwirtschaftliche Arbeitsteilung tatsächlich ihren Höhepunkt überüberschritten hat („peak trade“) oder ob der Rückgang des Welthandels lediglich eine Normalisierung nach dem dynamischen Wachstum der 1990er Jahre darstellt, kann die RWI-Studie noch nicht klären. „Entsprechend kann über das Ausmaß der Folgen keine gesicherte Aussage getroffen werden. Fest steht jedoch, dass sich die Unternehmen in unserer exportorientierten Kölner Region in den kommenden Jahren auf eine geringe Wachstumsdynamik im Export einstellen müssen, selbst wenn die Weltkonjunktur wieder anziehen sollte“, so Hoeckle.

Verstärkt wird dieser Effekt von einer restriktiveren Handelspolitik in vielen Ländern. So gilt etwa die 2001 in Doha, der Hauptstadt Dakars, begonnene Verhandlung der Welthandelsorganisation (WTO) über Handelsliberalisierungen mittlerweile als gescheitert. Stattdessen haben nach der Rezession im Jahr 2009 wieder mehr Länder zu Handelsbeschränkungen gegriffen. Diese Entwicklung verschärfen könnte der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Und werden die Ankündigungen des neuen US-Präsidenten zur künftigen Handelsabschottung der USA umgesetzt, so wird auch dies die NRWUnternehmen treffen. Hier hatten Verantwortliche aus der Wirtschaft den Fortgang der TTIP-Verhandlungen als Lackmustest für den internationalen Freihandel bezeichnet. Und auch hier stehen die Vorzeichen derzeit nicht besonders günstig.

NRW verliert im Vergleich zu anderen Bundesländern

Parallel zur strukturell bedingten Abschwächung des Welthandels ist NRW zudem gegenüber anderen deutschen Bundesländern im Export zurückgefallen. Der Anteil, den die nordrhein-westfälischen Unternehmen an den deutschen Ausfuhren haben, sank von über 23 Prozent im Jahr 1991 auf nur noch 15,2 Prozent im Jahr 2015, da sich die Exporte der NRW-Wirtschaft seit der Jahrtausendwende schwächer entwickelten als die Deutschlands insgesamt.

In den Jahren 2002 bis 2015 erhöhten sich die nominalen Ausfuhren aus NRW zwar um 52 Prozent, das gesamte Bundesgebiet verzeichnete jedoch im gleichen Zeitraum einen Zuwachs von 84 Prozent. Mittlerweile liegen die Exporte je Kopf in NRW unter dem Bundesdurchschnitt, fanden die RWI-Ökonomen heraus.

Als Ursachen für das Zurückfallen identifiziert das RWI die regionale Verteilung der Exportländer, die Branchenstruktur sowie, als den Faktor mit dem größten Einfluss, einen negativen Standorteffekt. Insbesondere nach der Rezession im Jahr 2009 haben sich die regionale Ausrichtung und die Branchenstruktur der NRW-Exportwirtschaft nachteilig auf das Exportwachstum ausgewirkt. So ist die NRW-Wirtschaft stärker als andere Bundesländer auf Länder in der EU und damit auf Regionen fokussiert, die deutlich langsamer als die Märkte Asiens oder auch die USA gewachsen sind.

Der überwiegende Teil des NRW-Exportproblems ist, so die Berechnungen des RWI, auf einen negativen Standorteffekt in NRW zurückzuführen. Gerade hier konstatieren die Gutachter dem Land NRW in den vergangenen Jahren eine markante Verschlechterung. Der Standorteffekt beschreibt die Standortfaktoren, bei denen NRW im Vergleich zu anderen Bundesländer schlechter dasteht. Mögliche Ursachen sieht das RWI in den Innovationsbedingungen und in harten Standortfaktoren wie den Kostenbelastungen oder der Infrastruktur.

Hierzu will die Kammer auf die Politik einwirken, gerade im Vorfeld der Landtagswahlen 2017. Auch wenn die Studie nicht die Standorteffekte einer weiteren Welthandelsschwäche im Einzelnen analysierte, machen die Autoren deutlich, dass die Außenhandelsförderung eine Neujustierung benötige. Die IHKs denken dabei an eine stärkere Konzentration auf Länderschwerpunkte außerhalb Europas oder auch neue Wege, etwa im digitalen Export. Ziel ist hier die Erschließung neuer Märkte.

Auch wenn die Globalisierung viele Gegner hat und von vielen als Grundübel der modernen Welt gesehen wird, sieht die Kölner Kammer und ihr Geschäftsführer das völlig anders. „NRW lebt von offenen Grenzen. Ein Zurückdrehen der globalen Arbeitsteilung hätte für unsere Region spürbare Nachteile“, mahnte IHK-Geschäftsführer Hoeckle abschließend.

Den vollständigen Report des RWIs mit dem Titel „Peak Trade? Auswirkungen einer welt-wirtschaftlichen Wachstumsverlagerung auf das Exportland NRW“ finden Sie im Internet als pdf-Download unter:

http://www.ihk-nrw.de/sites/default/files/publikation_dateien/peak_trade_studie_161101.pdf.

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