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Konjunkturprognose des Kölner Instituts der Deutschen Wirtschaft

IW-Ökonomen gehen von gedämpftem Wachstum aus

23. November 2016 | 08:30 | red
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Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft hat seine Konjunkturerwartungen für 2017 spürbar gedämpft. Die Auguren rechnen nur noch mit einem Wachstum von einem Prozent beim BIP. Bild: Archiv Köln Nachrichten

Das Institut der Deutschen Wirtschaft hat am gestrigen Dienstag seine Konjunkturprognose aktualisiert. Demnach soll das bundesdeutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im kommenden Jahr um nur noch ein Prozent ansteigen.

Wie die IW-Ökonomen weiter berichteten, liege man mit der jüngsten Schätzung deutlich unter den offiziellen Wachstumszahlen, die derzeit noch von der Bundesregierung als Basis zum Beispiel für Steuerschätzungen genommen werden. Die Regierung geht für 2017 von einem Wachstum von 1,4 Prozent aus. Größter Unsicherheitsfaktor ist der neue US-Präsident Donald Trump. Aber auch der EU-Austritt der Briten (Brexit) bereitet den Auguren Sorgen. Die „offensichtlich verminderte Berechenbarkeit der USA“ bleibe aber das Hauptproblem aus Sicht der Wirtschaft.

Zugleich sei der Druck, die hausgemachten Probleme Europas zu lösen, mit der Präsidentschaftswahl in den USA noch größer geworden. Allerdings zeigt der Brexit, dass diese Probleme angesichts zunehmender Renationalisierung der EU-Staaten auch nicht geringer werden. Grundsätzliche Fragen zu den weiteren Perspektiven der Union sind aber ebenfalls zu beantworten. Die EU-Mitgliedsländer seien sich bei Neuausrichtung und Aufgabenverteilung nicht einig, es fehle ein nachhaltiger Konsens bei notwendigen Maßnahmen gegen die Wachstumsschwäche sowie in den Bereichen Staatsverschuldung, Flüchtlinge und Handelsbeziehungen, so die Kritik der Wirtschaft.

Auch das Problem mit der Finanzmarktstabilität in der Eurozone ist keinesfalls vom Tisch. Gleich eine Reihe von Banken habe offenbar keine hinreichende Eigenkapitalausstattung, um erneute Anspannungen aus eigener Kraft und ohne Ansteckungseffekte für das gesamte Finanzsystem zu überwinden. Das Niedrigzinsumfeld berge die Gefahr von heftigen Wechselkursfluktuationen, warnte der IW-Experte weiter.

Trotz Wachstumsschwäche stabile Verhältnisse in Deutschland

2016 wird mit einem Wachstum von 1,75 Prozent noch einmal ein richtig gutes. Für die Weltproduktion prognostiziert das Institut im Jahr 2017 eine Zunahme von 3,25 Prozent nach drei Prozent in diesem Jahr. Der Welthandel wird demnach nach der Fast-Stagnation in 2016 im kommenden Jahr mit 1,75 Prozent wieder etwas stärker expandieren, allerdings weit entfernt von den einstigen Wachstumsraten.

Für den Arbeitsmarkt sieht das IW Köln stabile Verhältnisse voraus. Demnach wird die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt 2016 um rund 100.000 Personen unter dem Vorjahresniveau liegen. Im Jahresdurchschnitt 2017 werden laut IW-Prognose knapp 2,7 Millionen Menschen als arbeitslos registriert sein. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von sechs Prozent.

Das IW befragte für seine aktuelle Konjunkturprognose knapp 3000 Unternehmen (2900). 13 Prozent erwarten einen Rückgang der eigenen Geschäfte, 39 Prozent sind optimistisch. In der Industrie sind es derer sogar 43 Prozent, in der derzeit boomenden Bauwirtschaft nur 28 Prozent, so das IW abschließend.

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