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Joy Schnellenbach, Steinmetzin der Dombauhütte, ist „Lehrling des Jahres 2015“

„Ich hatte schon als Kind gerne einen Hammer in der Hand“

21. November 2015 | 12:00 | ehu
Joy Schnellenbach strahlt gleich doppelt: live mit der Urkunde „Lehrling des Jahres“ und als Plakatmotiv. Foto: ehu

Joy Schnellenbach strahlt gleich doppelt: live mit der Urkunde „Lehrling des Jahres“ und als Plakatmotiv. Foto: ehu

Lehrling des Jahres 2015“ – so ganz unbeschwert genießen kann Joy Schnellenbach das öffentliche Interesse noch nicht, das mit dieser Auszeichnung der Kreishandwerkerschaft Köln verbunden ist. Und demnächst wird das Gesicht der Steinmetzin, die in der Kölner Dombauhütte gelernt hat, auch noch auf Dutzenden Großplakaten für das „kölsche Jeföhl“ werben.

Mit ihrer diesjährigen Wahl – es ist erst die dritte – sind die Kreishandwerker besonders zufrieden. „Mit Joy Schnellenbach rücken zwei Ausbildungsgruppen in den Fokus, die im Handwerk ziemlich unterrepräsentiert sind: Frauen und Abiturienten“, erklärt Kreishandwerksmeister Nikolai Lucks.

Denn im Kammerbezirk sind nur 21 Prozent aller Azubis weiblich, nur 16 Prozent haben Abitur. Frauen seien im Übrigen die besseren Lehrlinge, bestätigt Schnellenbachs Meister Stephan Wiczorek von der Dombauhütte.

Jedes Jahr legen 1600 Azubis in und um Köln ihre Gesellenprüfung ab

Schnellenbach ist eine von rund 1600 Azubis, die jährlich im Kammerbezirk ihre Gesellenprüfung ablegen. Nur wer hier mit „sehr gut“ abschließt, darf von einer der 32 zuständigen Innungen für die Wahl „Lehrling des Jahres“ vorgeschlagen werden. In diesem Jahr waren es 24. Die Wahl fiel auf die 23-Jährige Kölner Kammersiegerin – und zwar, das betont Lucks, bevor man erfahren hatte, dass sie auch Landessiegerin und Zweite im Bundeswettbewerb geworden war.

Warum sie ausgerechnet Steinmetzin geworden ist, nicht gerade ein typischer Frauenberuf? „Ich komme aus einer Handwerkerfamilie, mein Vater ist Dachdecker in der 2. Generation“, erzählt sie. „Und ich habe schon immer gerne einen Hammer in der Hand gehabt.“ Und Steinmetzin – da hat der Kölner Dom seine Anziehungskraft spielen lassen. Ein Praktikum dort hat sie in ihrer Entscheidung bestärkt.

Sie musste erst Abitur machen, bevor es mit einer Lehrstelle klappte

Nach der Mittleren Reife bewarb sie sich erstmals um eine Lehrstelle – vergebens. Das klappte dann erst nach dem Abitur. Fortan fuhr sie täglich von ihrer Heimatstadt Bergneustadt nach Köln. Schwierigkeiten mit ihren Kollegen hatte sie nie. Das mit der oft geringeren weiblichen Körperkraft hat sie diplomatisch geschickt: „Dann holt man sich jemanden, der es auch nicht allein schafft. Wenn es zu zweit nicht geht, holt man einen Dritten.“. Und schließlich gebe es immer noch einen Gabelstapler oder einen Kran.

Jetzt will sie erst einmal die Meisterprüfung machen, in Freiburg, weil ihr die Stadt besser gefällt als Düsseldorf. Das wird sie rund 10.000 Euro kosten, da sind die 1500 Euro Preisgeld aus Köln sehr willkommen. Auf die traditionelle Wanderschaft gehen wird sie nicht. Auch wenn sie dabei viel lernen könne, etwa den Umgang mit harten Steinen, bislang hat sie vor allem mit weichem Sandstein gearbeitet. „Aber nur eine Kluft dabei zu haben, das ist nichts für mich“, sagt sie und lacht.

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