Startups in Köln - 3

Nach bewegter Biografie zur Schatztüte

18. Februar 2016 | 08:00 | red
Die Jungunternehmerin Nicola Römer mit ihrer Schatztüte. Es enthält Kölsche Schätzchen in den Stadtfarben.  Bild: Schatztüte

Die Jungunternehmerin Nicola Römer mit ihrer Schatztüte. Es enthält Kölsche Schätzchen in den Stadtfarben. Bild: Schatztüte

Seit Oktober vergangenen Jahres gibt es die „Kölner Schatztüte“. Hinter der Idee, lokale Produkte in einer ansprechenden Kombination zu bündeln, steckt die Jungunternehmerin Nicola Römer. Wer sie trifft, wird staunen.

Ich bin immer schon jünger geschätzt worden, als ich tatsächlich bin“, räumte die 32-Jährige ein und schmunzelt dabei. Denn ihre Biografie überrascht ebenso wie das, was sie zu erzählen hat. Und mit einer „gut durchdiskutierten“ Geschäftsidee durchstarten, das hat sie geschafft.

Trotz ihrer zierlichen Figur und hinter dem auf den ersten Blick mädchenhaften Charme verbirgt sich eine Mischung aus Neugier und schneller Auffassungsgabe. Drei Sprachen spricht sie, gelernt in langen Auslandsaufenthalten im englischen und spanischen Sprachraum. Und immer wieder fällt das Wort „Herausforderung“. Römer stellte sich in ihrer persönlichen Geschichte mehrfach dem Auswahlprozess großer Unternehmen.

So startete sie nach ihrem Abitur nach Stuttgart durch, absolvierte dort einen beinharten Aufnahmetest und setzte sich als eine der wenigen Frauen unter mehr als 1000 Kandidaten durch. Soweit sie damals erfuhr, nahm der Computergigant IBM sie als eine von insgesamt 19 Aspiranten. Es folgten fünf spannende Jahre in verantwortlicher Position. Dabei war sie unmittelbar in das „Herkules“-Outsourcing-Projekt bei der Bundeswehr involviert. Dort trat sie dann immer häufiger auch als Verantwortliche auf, ihr gegenüber saßen zumeist Männer, viele mit grauen Schläfen, einige sogar mit goldenden Schulterlitzen „Anfangs haben die meisten schon etwas komisch geguckt, aber nach den ersten Gesprächen hat sich das schnell gelegt“, sagt die Jungunternehmerin. Dabei hatte sie das Glück, eine Chefin zu haben, die ihr die Freiräume einräumte. „Mein ‚Counter-Part‘ vom Joint-Venture-Partner durfte ohne die Zustimmung seiner Chefin gegenüber dem Kunden gar nichts sagen, und er war gestandene 50“, schiebt sie nach.

Mit 24 dann der „Cut“, ein Jahr Australien. Aber weder Urlaub, noch Sabbatical, sondern viele neue Herausforderungen, wie sie nicht ohne Stolz erzählt. Sie arbeitete in einem Weinberg, als Reiseführerin, Kellnerin und entwickelte ein System für eine kommunale Verwaltungsorganisation. Nach dem Jahr in „Down Under“ ging es zurück nach Deutschland. In München folgten weitere Jahre, diesmal in der Finanzbranche. „Das hat nicht so gut zu mir gepasst. Ich hatte eine tolle Chefin, die Themen waren ebenfalls spannend, aber das ganze System war wenig unterstützend im Bezug auf junge Talente“, so Römer weiter.

Back to Business School und ein akademisch durchdachter Sprung in die Selbständigkeit

Es folgte die nächste Herausforderung, diesmal in Sachen Weiterbildung. Nachdem die knapp 30-Jährige den ebenfalls gestrengen Test für die WHU Otto Beisheim School of Management in Düsseldorf bestand, machte sie ihren Master in Business Administration. Ihre Masterarbeit war dabei so etwas wie der Business Plan, also die „Blaupause“, für ihr jetziges Unternehmen. „Wir haben viel diskutiert und offenes Brainstorming betrieben“, erinnert sich die Jungunternehmerin an die Diskussionen mit ihren Kommilitonen. Die Idee war zunächst eine „länderübergreifende“ und immer irgendwie etwas zum Thema „Nachhaltigkeit“.

Schließlich kam sie auf Köln. „Hier habe ich mal gewohnt und ich liebe diese Stadt. Die Kölner tun das auch. Was läge also näher, als den Kölnerinnen und Kölner Schätze ihrer eigenen Heimatstadt in einer geschmackvollen Aufmachung zu präsentieren“ , beschreibt die 32-Jährige den Kern ihrer Idee. Dann machte sie Nägel mit Köpfen. Noch während ihres Master-Studiums Anfang 2015 präsentierte sie ihre Idee beim Rheinland-Pitch im Startplatz und ging im Oktober des gleichen Jahres in den Markt, crossmedial versteht sich. „Genau rechtzeitig, so haben wir noch das Weihnachtsgeschäft mitgenommen“, erklärt sie.

Ein weiterer Grundgedanke war die Erkenntnis, dass viele „Souvenirs“, die die rund sechs Millionen Touristen aus Köln und zum Beweis ihres Besuchs mit in ihre Heimat nehmen, eher „billig“ daherkommen, nicht selten „Billigimporte“ aus Fernost. Dabei gibt es Kölner Traditionsunternehmen, die schon seit vielen Jahren, Jahrzehnten, gar Jahrhunderten in Köln produzieren. Die wenigen Familienbetriebe, die es bis ins digitalisierte 21. Jahrhundert geschafft haben, sehen sich – gerade im Einzelhandel – harter Konkurrenz und dem damit verbundenen Preisdruck gegenüber. Beide Aspekte – die Nachhaltigkeit lokalen Handels und die optisch hochwertige Präsentation eines wahrhaft Kölschen Präsents – sollen mit der „Kölner Schatztüte“ gebündelt werden, so der Plan.

Neben „Privatkunden“ und in mehreren Variationen gibt es die „Kölner Schatztüte“ auch für Unternehmen, also individuell zusammengestellt, auf Kundenwunsch halt. Die Produkte darin stammen von Unternehmen mit Stammsitz in der Domstadt. Schokolade aus dem gleichnamigen Museum, der schon von den Höhnern besungene „Kabänes“, der des Sultans Durst löschte, und andere Schätze und Köstlichkeiten lokaler Manufakturen. Derzeit umfasst das Regelsortiment, das in die verschiedenen Schatztüten kommt, schon 20 verschiedene Produkte. Die stammen – wie könnte das in Köln anders sein – von derzeit elf Kooperationspartnern.

Mehr Informationen zur Idee „Kölner Schatztüte“ finden sie im Internet unter: https://schatztuete.de/.

 

Weitere Beiträge aus unserer neuen Reihe “Startups in Köln”:

, , , , , , , , ,