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Konjunkturumfrage der IHK Köln

Optimismus im Rheinland lässt etwas nach

7. Oktober 2016 | 08:00 | red
IHK_Zentrale_gr

Die Kölner Industrie- und Handelskammer IHK hat gestern die Konjunkturaussichten im Rheinland veröffentlicht. Die Stimmung sinkt, wenn auch nur moderat. Bild: Archiv Köln Nachrichten

Rund 800 Unternehmen aus dem Kammerbezirk der Industrie- und Handelskammer IHK Köln haben sich an der aktuellen Konjunkturumfrage beteiligt. Die Geschäftserwartungen gingen dabei etwas stärker zurück als die Beurteilung der tatsächlichen Lage.

Wie die Verantwortlichen der Kölner Kammer am gestrigen Donnerstag mitteilten, wurde die Umfrage bereits Ende August / Anfang September dieses Jahres durchgeführt. Nach Auswertung der Antworten von rund 800 Unternehmen in der Region ergibt sich ein moderater Rückgang bei der Beurteilung der derzeitigen Lage und den Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate. Der Gesamtindex für die Region fiel um 7,2 Indexpunkte auf 118,5 Punkte.

Mit einem Rückgang um 8,6 Indexpunkte auf nur noch 6,5 Punkte fielen die Erwartungen der befragten Unternehmen etwas deutlicher als die Beurteilung der derzeitigen Lage. Deren Index bleibt trotz ebenfalls spürbarer Rückgänger weiter oberhalb der Marke von 130 Indexpunkten. Die Stimmung ist demnach gedämpft, IHK-Hauptgeschäftsführer Ulf Reichardt spricht von „Sand im Getriebe“ der rheinischen Konjunktur, allerdings auf hohem Niveau. Denn mit 118,5 Indexpunkten für das Geschäftsklima insgesamt liegt der Großraum Köln weiterhin oberhalb des langjährigen Durchschnitts, der bei 111,3 Indexpunkten liegt.

Allerdings bedeuten die nun festgestellten Stimmungswerte der heimischen Wirtschaft einen neuen Tiefststand seit dem zweiten Quartal 2013. Seither lagen die Ergebnissen der regelmäßigen Konjunkturumfragen im Gesamtindex oberhalb der Marke von 120 Indexpunkten.

Inlandsnachfrage kann Risiken nicht mehr überdecken

Die momentan starke Binnenkonjunktur kann auf Dauer nicht die Unsicherheiten im internationalen Umfeld ausgleichen. Diese Risiken beeinflussen vor allem das Exportgeschäft und somit die Industrie. Trotzdem freuen wir uns über die starke Dynamik, die von gestiegener Binnennachfrage, der Zinspolitik, den wirtschaftlichen Effekten durch die Flüchtlingsmigration und den Ölpreisen ausgeht. Dies sollte uns allerdings nicht dazu verleiten, die Risiken aus den Augen zu verlieren und gedankenlos auf der Erfolgswelle mitzuschwimmen“, mahnte Ulf Reichardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln.

Zu den meistgenannten Risiken gehörten neben der Entwicklung der Inlandsnachfrage und in der Industrie auch bei den Exporterwartungen auch wieder der Fachkräftemangel, trotz der größeren Zahl an Zuwanderern. Auch sonst bescheinigt die Umfrage der regionalen Wirtschaft eher eine geringe Dynamik, wie sich bei der Investitionsbereitschaft und den Exporterwartungen zeigt. Viele Unternehmen wollen der drohenden Stagnation mit mutigen Entscheidungen entgegenwirken. So zeigen die Unternehmen eine höhere Bereitschaft, den Mitarbeiterstamm aufzubauen.

Die unsichere Lageeinschätzung der Unternehmen zeigt, dass wir trotz immer noch guter Aussichten momentan stark darauf achten sollten, beeinflussbare Faktoren, wie die Qualität des Standortes und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. So haben beispielsweise die Barrieren im Auslandsgeschäft in den letzten Jahren nicht abgenommen, sondern zugenommen. Als exportorientierte Wirtschaftsregion werden wir nicht müde, auf den notwendigen Abbau von Handelshemmnissen hinzuweisen. Eine zusätzliche Verunsicherung bei den äußeren Bedingungen kann die Stimmung schnell wieder kippen lassen“, warnte Reichardt.

Kölner Stimmung etwas besser als im Umland

Rund die Hälfte der befragten Unternehmen hat ihren Sitz in Köln. Sowohl bei den Geschäftserwartungen als auch bei der Lageburteilung lagen die ermittelten Werte über dem Kammerdurchschnitt. Allerdings gab es auch hier eine spürbare Eintrübung. So ging der Index zur Lagebeurteilung in Köln per Saldo von 40,5 auf 35,4 Indexpunkte zurück. Mit 8,1 Prozent bezeichneten deutlich weniger Kölner Unternehmen die eigene Lage als „schlecht“. Doch weil die Optimisten von 50 auf 43,5 Prozent zurückgingen, sank der Index. Bei den Geschäftserwartungen gab es einen Einbruch von 18,5 auf 9,8 Indexpunkte. Dabei ging die Investitionsbereitschaft wie auch die Beschäftigungspläne weiter zurück, wenn auch eher moderat.

Beim Blick auf die verschiedenen Branchen zeigen sich zum Teil deutliche Unterschiede. Gesunken ist die Stimmung im produktionsorientierten Großhandel, im Einzelhandel, in der Gummiindustrie und Kunststoffwarenbranche, in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie sowie in der chemischen und pharmazeutischen Industrie. Als schlecht bezeichnen jedoch nur 7,9 Prozent der befragten Unternehmen ihre Lage. Im Frühjahr waren es mit 8,5 Prozent ungefähr gleich viele.

Vor allem die Handels- und Dienstleistungsunternehmen, rechneten zum Zeitpunkt der Befragung mit einer schlechteren Entwicklung. Die Industrie ist dagegen etwas zuversichtlicher. Im gesamten Bezirk melden nur noch 19,7 Prozent der Unternehmen bessere Geschäftserwartungen. 67,1 schätzen die Entwicklung gleichbleibend ein, 13,2 Prozent befürchten schlechtere Geschäfte. Fachkräftemangel machte insbesondere in den Dienstleistungsbranchen, dem Hotel- und Gaststättengewerbe, im Baugewerbe, im Handel und den Handelsvertretungen, in der Versicherungswirtschaft und in der Gummi- und Kunststoffindustrie die Runde. Dafür will das Baugewerbe, die chemische und pharmazeutische Industrie, die Branche Eisen, Bleche, Metalle, die Elektroindustrie, der Großhandel sowie verbrauchernahe Dienstleistungsbranchen ihr Personal auszubauen. Gesunken ist die Einstellungsbereitschaft im Einzelhandel, Verkehrsgewerbe und in der Gummi- und Kunststoffindustrie, so weitere Ergebnisse der Konjunkturumfrage.

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