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Konjunkturumfrage der Kölner Handwerkskammer

Stimmung im Handwerk auf Rekordniveau

28. Oktober 2016 | 08:00 | red
Bild: Archiv Köln Nachrichten

Die Stimmung im Handwerk der Region ist blendend. Mehr als die Hälfte ist mit der Lage zufrieden. Bild: Archiv Köln Nachrichten

Mehr als die Hälfte der befragten Handwerksbetriebe im Einzugsgebiet der Handwerkskammer Köln bezeichneten im Herbst dieses Jahres ihre aktuelle Lage als gut. Das ist ein neuer Rekord in der 38-jährigen Geschichte der kammereigenen Konjunkturforschung.

Wie die Kammerverantwortlichen am gestrigen Donnerstag bei einer Pressekonferenz ausführten, erhöhte sich der Anteil der zufriedenen Umfrageteilnehmer nochmals von 49 auf 55 Prozent. Weitere 36 Prozent der befragten Betriebe bezeichneten die derzeitige Lage als „befriedigend“. Einziger Wermutstropfen in dieser Bilanz: Der Anteil derjenigen, die ihre derzeitige Lage als „schlecht“ bezeichneten, erhöht sich auf neun Prozent. Allerdings zeigten sich schon bei der letzten Umfrage acht Prozent der Befragten unzufrieden.

Und bei den Geschäftserwartungen läuft es noch besser. Beim Blick in die Zukunft sind die Handwerksunternehmer noch optimistischer gestimmt. So erwarten rund zwei Drittel in den nächsten Monaten eine gleichbleibende Entwicklung, 26 Prozent rechnen mit einer nochmaligen Verbesserung der Geschäftslage des Betriebs, nur sieben Prozent befürchten eine Verschlechterung, so die weiteren Details der Konjunkturumfrage.

Die gute Stimmung schlägt sich auch in den amtlichen Statistiken nieder. Im ersten Halbjahr 2016 hat sich der konjunkturelle Aufschwung im Handwerk der Region Köln-Bonn fortgesetzt. Nach den Berechnungen des Statistischen Landesamtes IT.NRW steigerten die Handwerksunternehmen im ersten Quartal von 2016 ihren Umsatz um 2,6 Prozent, im zweiten Quartal sogar um 5,9 Prozent (jeweils im Vergleich zum Vorjahresquartal). „Aufgrund des sehr erfreulichen Wirtschaftsverlaufs im ersten Halbjahr und unserer exzellenten Umfrageergebnisse können wir die Umsatzprognose für das laufende Jahr noch oben korrigieren, ein Umsatzplus von drei Prozent ist durchaus zu schaffen“, gab sich Dr. Ortwin Weltrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, ebenfalls zuversichtlich.

Optimismus auch für die kommenden Monate

Der aufwärts gerichtete Konjunkturtrend „wird sich bis ins nächste Jahr fortsetzen“, zeigt sich Weltrich zuversichtlich. Denn in vielen Handwerksunternehmen seien die Auftragsbücher gut gefüllt. Das Bauhauptgewerbe teilt in der Umfrage der Kammer mit, dass der derzeitige Auftragsbestand eine Auslastung der betrieblichen Kapazitäten für die nächsten neun Wochen gewährleistet, berichtete die Kammer weiter.

Erfreulich aus Sicht der Kammer ist zudem, dass es im Herbst 2016 offenbar auf breiter Front nach oben geht. Neben den Betrieben im Bau- und Ausbaugewerbe erfasst der Aufschwung auch die anderen Handwerksberufe und ihre Betriebe. Auch die Befürchtung, dass durch eine Überhitzung die Preise nach oben getrieben werden könnten, scheint derzeit unbegründet. Innerhalb eines Jahres ist der Anteil der Handwerksbetriebe, die ihre Preise erhöhen wollen, sogar von 23 auf 22 Prozent gesunken, ein Indiz für weitgehende Preisstabilität.

Positiv entwickelten sich auch die Beschäftigungspläne im Handwerk der Region. Denn die Nachfrage nach Arbeitskräften hat sich seit dem Frühjahr spürbar belebt. Knapp ein Viertel (24 Prozent) der Handwerksunternehmen in der Region Köln-Bonn hatten im Herbst mehr Mitarbeiter als noch im Frühjahr, in nur elf Prozent der Betriebe war die Zahl der Beschäftigten rückläufig. Knapp zwei Drittel (65 Prozent) teilten mit, dass der Umfang der Belegschaft seit dem Frühjahr unverändert geblieben ist.

Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft wird inzwischen, anders als in früheren Konjunkturphasen, auch von der Ausweitung des privaten Konsums getragen. So hat sich im Vergleich zum Herbst des vergangenen Jahres die Stimmung im Kraftfahrzeuggewerbe aufgehellt, inzwischen sprechen 47 Prozent der Kfz-Betriebe von einer guten Geschäftslage, vor einem Jahr waren es erst 29 Prozent. Diese Branche profitiert davon, dass die Zahl der neu zugelassenen Pkws in den ersten drei Quartalen von 2016 um fast sechs Prozent gestiegen ist.

Ausbaugewerbe im Höhenflug – verbrauchernahes Handwerk hinkt etwas hinterher

Im Lebensmittelgewerbe und bei den Handwerksberufen für den privaten Bedarf (Friseur, Kosmetiker, Schuhmacher, Maßschneider usw.) fällt die Bewertung des aktuellen Wirtschaftsverlaufs nicht ganz so exzellent wie im Durchschnitt des Handwerks aus. Dennoch stuft auch hier mehr als jeder dritte Betrieb die Geschäftslage als gut ein, die Hälfte der Unternehmen vergibt die Note befriedigend, nur in 13 Prozent dieser ausschließlich auf den Endverbraucher ausgerichteten Unternehmen verlaufen die Geschäfte derzeit schlecht.

An der Spitze des in der Umfrage der Handwerkskammer ermittelten konjunkturellen Aufwärtstrends stehen die Unternehmen, die zum Bau- und Ausbauhandwerk gehören. 78 Prozent der Maler- und Lackiererfirmen und 63 Prozent der Installateure und Heizungsbauer stufen die derzeitige Geschäftslage als gut ein. Diese Spitzenbewertung vergeben ebenfalls 59 Prozent der Dachdeckerbetriebe, 59 Prozent der Elektrofirmen und 57 Prozent der befragten Tischlereien. Die hohe Auslastung der Kapazitäten bei vielen Bau- und Ausbaubetrieben kann dabei sogar zur Folge haben, dass sich hin und wieder die Umsetzung eines Sanierungs- oder Neubauvorhabens verzögert. Grund für den Boom ist die anziehenden Aktivitäten der Baubranche, vor allem im Wohnungsbereich.

Hausgemachte Probleme setzen dem Handwerk zu

Die Kammer machte für die Betriebe dieser Branche indes auch ein wenn auch hausgemachtes Problem aufmerksam, die Entsorgung von älteren, in Gebäuden verbrauten Dämmplatten aus Styropor. Das darf nach einer gesetzlichen Verschärfung nicht mehr generell in Müllverbrennungsanlagen beigemischt werden, sondern muss in speziellen Anlagen vernichtet werden. Hier aber gibt es kaum Kapazitäten, wie die betroffenen Betriebe der Kammer meldeten. Das Problem besteht seit Oktober dieses Jahres (Köln Nachrichten berichtete).

Kritische Töne gab es auch zur geplanten Novellierung der Landesbauordnung in NRW. Sie könnte ebenfalls zu einer Verteuerung der Baukosten führen. Kritisch sehen die Handwerksorganisationen zum Beispiel die Absicht, beim Bau eines Hauses mit mehr als sechs Wohnungen den Bauherrn zu verpflichten, mindestens eine Wohnung vorzusehen, die uneingeschränkt für Rollstuhlfahrer nutzbar ist. Vorschriften für immer höhere Baustandards, etwa die zwingende Errichtung eines Aufzugs, treiben die Kosten für den Neubau von Wohnungen nach oben, was sich als Bremse für den dringend gebrauchten Aufschwung am Wohnungsmarkt erweisen könnte. „Statt der Anbringung von Bremsklötzen brauchen wir eine Beschleunigung bei der Erteilung von Baugenehmigungen“, so Weltrich weiter.

Ein weiterer neuralgischer Punkt ist die angespannte Situation im Verkehrsnetz der Region. Die Kammer kritisiert hier vor allem die ihrer Meinung nicht abgestimmten Baumaßnahmen, die in der Vergangenheit wiederholt kilometerlange Staus und damit verbundene (unproduktive) Wartezeiten der Handwerker hervorriefen. Stauvermeidung müsse bei zukünftigen Planungen im Vordergrund stehen, fordert die Kammer. „Die Verkehrssituation in der Region wird zum größten Konjunkturrisiko“, so Weltrich.

Bei der aktuellen Umfrage wurden die Ergebnisse von 580 Rückmeldungen in die Statistik aufgenommen. Der Kammerbezirk der Handwerkskammer Köln erstreckt sich neben den umliegenden Kreisen auch auf die Stadt Bonn und den sie umgebenden Rhein-Sieg-Kreis.

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