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Startups in Köln – 7

Edle Brillen aus Fernost – Londoner Startup zieht nach Köln

4. August 2016 | 12:00 | red
Heinrich Rauh freut sich auf den Umzug. Noch hält er im Kölner Inkubator Startplatz alleine die Stellung. Im September zieht die Zentrale von Archibald London nach Köln.  Bild: Köln Nachrichten

Heinrich Rauh freut sich auf den Umzug. Noch hält er im Kölner Inkubator Startplatz alleine die Stellung. Im September zieht die Zentrale von Archibald London nach Köln. Bild: Köln Nachrichten

Das Startup Archibald Optics gibt es seit dem Jahr 2014. Nachdem die britische Bevölkerung vor Monatsfrist in einer nationalen Volksabstimmung gegen den Verbleib in der EU gestimmt hatte, stand auch in London eine Standortentscheidung an.

Und die fiel zugunsten des Standorts Köln. Seit einigen Monaten hält Heinrich Rauh in seinem Büro im Kölner Inkubator Startplatz die Stellung, um von hier aus den wichtigsten europäischen Markt zu bearbeiten. Nun hat sich seine Aufgabe erweitert. Der 28-Jährige bereitet sich gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen in London auf einen Umzug vor. Denn das junge Londoner Unternehmen wird seine Zentrale in den Kölner Mediapark verlegen.

Spätestens im September soll die Zentrale von London an den Rhein ziehen. Für den Deutschlandchef des Startups eine folgerichtige Entscheidung. Denn als weltumspannendes Handelsunternehmen sind optimierte Lieferprozesse auch über Landesgrenzen hinweg ein wesentlicher Schwerpunkt des unternehmerischen Handelns.

Und genau hier liegt nach Angaben Rauhs der entscheidende Beweggrund, den Hauptsitz des jungen Unternehmens an den Rhein zu verlegen. Als Beispiel dafür nannte er einen Auftrag aus der Schweiz. Der hatte zur Folge, dass die bestellten Brillen aus Japan gleich zwei Mal die EU-Zollschranken überwinden musste. Von der Produktion in Japan bis zum Kunden dauerte das zwei Wochen länger als üblich und erforderte zusätzlichen, administrativen Aufwand. Da dies nun mit Großbritannien und dem Hauptmarkt EU drohte, entschieden sich die Verantwortlichen schon jetzt für den Wechsel ins Rheinland.

Dass er dabei nicht seine Heimatstadt Berlin sondern die Dommetropole empfahl, ergab sich aus den harten Standortfaktoren. Köln liegt mitten in einem Ballungsraum und ist „keine Insel wie Berlin“, so der 28-Jährige.

Der Wechsel nach Köln hatte aber auch andere Gründe. „Wir waren nach der Entscheidung des britischen Volkes total geschockt“, beschreibt Rauh die Ausgangslage für die Standortentscheidung. Neben den drohenden Verschärfungen bei grenzüberschreitenden Lieferungen stand vor allem auch die Frage der Attraktivität für Fach- und Führungskräfte ganz weit oben auf der Agenda. „Ein vielversprechender Kandidat aus Spanien hatte abgesagt“.

Unternehmensname als Ergebnis einer zufälligen Begegnung

Seinen Anfang nahm das Unternehnmen im Jahr 2014 in London. Vorausgegangen war eine regelrechte Odyssee rund um den Globus. Unternehmensgründer Rohan Dhir war auf der Suche nach einer geeigneten Idee. Der Unternehmer hatte nach seinem Studium in New York die Idee, nachhaltig zu agieren und gleichzeitig auf Qualität und Exklusivität zu setzen. Nachdem er mehrere Länder besucht und sich die dortigen Produzenten von Accessoires angeschaut hatte, weilte er in Singapur.

Genau hier begegnete er in einem Hotel einem älteren Herrn mit Namen Archibald, der ihn auf eine neue Idee brachte. In Japan gebe es die Region Fukui, die für ihre qualitativ hochwertigen Optikerprodukte, also Brillen aller Art, bekannt sind. Er beschloss, sich die Sache genauer anzusehen und nach einigen Gesprächen stand sein Entschluss. In Erinnerung an den unbekannten Ideengeber nannte er sein Startup Archibald Optics.

2014 ging es dann an den Start, nachdem Dhir es geschafft hatte, die Sprachbarrieren und die damit verbundene Zurückhaltung zu überwinden. Die Fertigung bleibt dabei komplett in der Region, die bereits auf mehr als drei Jahrhunderte Erfahrung im Optikerhandwerk zurückblickt. Mit einer Preisspanne zwischen 220 und 450 Euro liegen die Brillen für den Endkunden zwar im gehobenen Segment. Dafür ist Qualität oberste Priorität, zumal das örtliche Handwerk einen eigenen hohen Qualitätsanspruch hat und auch die Zentrale in London die Qualität nochmals überprüft, bevor die Ware an den Kunden ausgeliefert wird.

Internationale Expansion und Sortimentserweitertung

Schnell stellten sich die ersten Erfolge ein, denn der Service richtete sich nicht alleine an stilsichere Sonnenbrillenkäufer. Auch mit Gleitsichtgläsern und speziellen optischen Gläsern kennt man sich in Japan bestens aus. Die fertigen Brillen werden dann in alle Welt geliefert, unter Ausschluss lokaler Zwischenhändler, wie Rauh betonte.

Und mit Brillen ist das Sortiment keineswegs ausgereizt. Zum Jahreswechsel sollen andere hochwertige Accessoires hinzukommen. Entsprechende Recherchen in Europa sollen auch hier eine hohe Erzeugerqualität garantieren. Dabei ist längst nicht jeder lederverarbeitende Betrieb geeignet. In Italien wurde Archibald Optics schließlich fündig, Anfang 2017 soll die neue „Lederlinie“ auf den Markt kommen und so das Sortiment erweitern.

Neben dem deutschen und dem britischen Markt ist Archibald Optics inzwischen auch in den USA, in Italien, Singapur und anderen Ländern verfügbar. Und mit ihrer neuen Zentrale, passenderweise im Inkubator Startplatz am Mediapark, hat Rauh auch genau das richtige Umfeld gefunden, um weiterhin agil den europäischen Markt zu bearbeiten. Dynamisch ist dabei auch die Entwicklung des eigenen Namens. Denn erst vor zwei Monaten benannte sich das Unternehmen wegen der Sortimentserweitertung in Archibald London um. Wegen des anstehenden Umzugs könnte sich das bald erneut ändern. Eine Entscheidung darüber ist aber noch nicht gefallen, räumte Rauh augenzwinkernd ein.

Weitere Information zum britischen Startplatz mit zukünftigen Sitz in Köln finden sie auch im Internet unter: www.archibaldoptics.com/de.

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